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Siegeszug des GoldschakalsNeues Raubtier macht sich in Deutschland und Europa breit

27.05.2026, 10:07 Uhr
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Goldschakale sind extrem anpassungsfähig, sie kommen in beinahe jedem Lebensraum gut zurecht. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Ein bisher seltener Jäger breitet sich in Deutschland und Europa rasant aus: der Goldschakal. Eine neue Studie zeigt, dass die Abwesenheit seines größten Feindes der entscheidende Grund dafür ist. Dabei nutzen die Tiere menschliche Siedlungen als Schutz.

Goldschakale breiten sich rasant in Europa aus, auch in Deutschland. Dazu trägt einem Forschungsteam zufolge entscheidend die menschliche Abneigung gegen einen anderen Räuber bei: den Wolf. Er stelle eine tödliche Bedrohung für Goldschakale dar. Jahrhundertelange Verfolgung und wachsende menschliche Populationen schränkten den Lebensraum des Wolfs auf einen Bruchteil seines früheren Verbreitungsgebiets ein - das im Zuge dessen nun von Goldschakalen besiedelt wird, heißt es im Fachjournal "Nature Ecology & Evolution".

Kaum ein Säugetier weltweit breite sich derart dramatisch aus wie der Goldschakal, heißt es in der Studie. Vermutlich kann die Art demnach bis zu 75 Prozent des europäischen Kontinents besiedeln, fast die sechsfache Fläche ihres derzeitigen Verbreitungsgebiets. Hochrechnungen der Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) zufolge leben bereits um die 150.000 Goldschakale in Europa. Zum Vergleich: Der Wolfsbestand wird auf nur 23.000 Tiere geschätzt.

Der Goldschakal (Canis aureus) ist die einzige in Europa vorkommende Schakalart und leicht mit einem Fuchs zu verwechseln. Während der Wolf (Canis lupus) in Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern vor seiner Ausrottung schon einmal heimisch war, zieht es den eng mit ihm verwandten Goldschakal erstmals in diese Regionen. Ursprünglich siedelten die Tiere in Europa fast nur in den südöstlichen Randgebieten entlang der Adria und des Schwarzen Meeres. Besonders häufig ist die Art im Nahen Osten, in Indien und in weiteren Regionen Asiens.

Schutzeffekt menschlicher Siedlungen

In den vergangenen Jahren wurden Goldschakale bereits nördlich des Polarkreises in Norwegen, nahe der Atlantikküste in Frankreich, in Spanien und auch in Deutschland nachgewiesen. Frühere Forschungen hätten mehrere mögliche Gründe für die rasante Ausbreitung nahegelegt, darunter die Klimaerwärmung und Veränderungen der Landbedeckung, erläutert das Team um Nathan Ranc von der Harvard University. Entscheidender Faktor sei der neuen Analyse zufolge aber wahrscheinlich die extreme Dezimierung der einst auf dem gesamten Kontinent verbreiteten Wölfe.

Die Forschenden hatten Daten aus Erhebungen von 2001 bis 2017 an fast 9000 Standorten in 13 europäischen Ländern analysiert. Eine kürzere Schneebedeckungsdauer, eine geringe bis mittlere Waldbedeckung und die Nähe zu Gewässern standen mit dem Vorkommen von Schakalen in Verbindung. Das Vorkommen von Wölfen erwies sich als stärkster limitierender Faktor: Schakale kommen am ehesten dort vor, wo keine Wölfe leben, und am seltensten in den Kerngebieten stabiler Wolfsrudel.

Dabei zeigte sich ein spezieller Schutzeffekt menschlicher Siedlungen: Schakale meiden tendenziell besiedelte Gebiete in Regionen, in denen keine Wölfe vorkommen, kommen jedoch dann eher in der Nähe von Menschen vor, wenn Wölfe präsent sind.

Die anhaltende Erholung der Wolfspopulationen in Europa könne zwar die Zahl der für Schakale geeigneten Gebiete künftig wieder verringern, nehmen die Forschenden an. Der Schutzschild-Effekt menschlicher Siedlungen begünstige die Ausbreitung in Verbindung mit Klimawandel und Landnutzungsveränderungen aber wahrscheinlich weiterhin.

Erhebliche Auswirkungen auf Ökosysteme

Goldschakale sind scheu, meiden den Kontakt mit Menschen und sind nur sehr selten zu sehen. Sie fressen so ziemlich alles, von Kleinsäugern, Amphibien und Fischen bis hin zu Insekten, Aas und pflanzlicher Nahrung wie Äpfeln und Früchten. Die Tiere gelten als Generalisten, die in beinahe jedem Lebensraum gut zurechtkommen. Nur in Wolfsgebieten werden sie selten heimisch, eben weil der große Bruder eine tödliche Gefahr darstellt.

Erste bestätigte Nachweise hierzulande gab es 1997 im südlichen Brandenburg. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt breitete die Art sich immer weiter aus. Für Aufsehen sorgte 2025 ein Goldschakal auf der Promi-Insel Sylt. Weil er mehrere Schafe riss, versuchten Jäger mit behördlicher Sondergenehmigung, ihn vors Gewehr zu bekommen. Das Tier wurde letztlich nicht wieder gesehen, sein Schicksal bleibt bis heute unklar.

Die Ansiedlung eines neuen Raubtiers könne erhebliche Auswirkungen auf Ökosysteme haben, erläutert das Team um Ranc. Schakale könnten einerseits wichtige Ökosystemleistungen erbringen, etwa indem sie Kadaver fräßen. Andererseits könnten sie bestehende Tiergemeinschaften stark verändern, indem sie mit anderen Arten konkurrieren oder sie erbeuten. Schakale auf natürliche Weise vom Wolf eindämmen zu lassen, sei sinnvoller als eine gezielte Tötung, die sich als wenig effektiv erwiesen habe.

Quelle: ntv.de, Annett Stein, dpa

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