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"Neue Ära der Prävention" Pille schützt vor Infektion mit HIV

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Prinz Harry (hinten, 2.v.l) und der Popsänger Sir Elton John (M) nehmen im Rahmen der Welt-Aids-Konferenz an einem Plenum teil, um "The MenStar Coalition", ein internationaler Zusammenschluss von Aids-Aktivisten, vorzustellen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dank neuer Medikamente muss eine Aids-Infektion kein Todesurteil mehr sein: Die PrEP-Pille schützt vor der Ansteckung mit dem HI-Virus. Das zeigen Studien, die auf der Welt-Aids-Konferenz präsentiert werden. Dort stellen Prinz Harry und Elton John auch ihre Initiative vor.

Neue Forschungsergebnisse bekräftigen die Wirksamkeit vorbeugender HIV-Medikamente. Am Dienstag wurden bei der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam mehrere Studien zu dem Thema vorgestellt. Demnach steckten sich Männer nicht mit dem Virus an, wenn sie täglich eine sogenannte PrEP-Pille einnahmen. Sie waren auch geschützt, wenn sie nur gezielt vor und nach dem Sex mit einem Mann ohne Kondom das Medikament einnahmen.

PrEP ist die Abkürzung für Prä-Expositions-Prophylaxe. Die Medikamente verhindern, dass sich HIV in den Körperzellen vermehren kann. Eine weitere Studie zeigte, dass HIV-infizierte Männer, die gut behandelt werden, das Virus nicht übertragen.

Viele Neuinfektionen könnten verhindert werden

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Medikament Emtricitabin zur HIV-Vorbeugung (PrEP).

(Foto: picture alliance/dpa)

"Das ist eine neue Ära der HIV-Prävention", sagte die Präsidentin der Internationalen Aids-Gesellschaft und Vorsitzende der Konferenz, Linda-Gail Bekker. Bei einer gezielten Verbreitung der Medikamente könnten zahlreiche neue Infektionen verhindert werden.

HIV-Infektionen können inzwischen gut mit Medikamenten behandelt werden, einen Impfstoff gibt es aber noch nicht. Ergebnisse einer Langzeitstudie seien vielversprechend, aber einen Durchbruch gebe es noch nicht, erklärten Forscher in Amsterdam.

Zudem sind Wissenschaftler in Sorge, denn das HI-Virus droht sich dramatisch auszuweiten. Eine alarmierende Zunahme der Zahl von Neuinfektionen, gekoppelt mit hohen Geburtenraten gerade in besonders betroffenen Ländern könnten zu einer "Krise historischen Ausmaßes" führen, sagte der US-Aids-Experte und Diplomat Mark Dybul kurz vor Beginn der großen internationalen Fachkonferenz in Amsterdam mit rund 18.000 Teilnehmern.

Initiative von Elton John und Prinz Harry

Der britische Prinz Harry und der Sänger Sir Elton John haben unterdessen eine neue Initiative gegen Aids gestartet, die sie auf der Welt-Aids-Konferenz vorstellten. "Men Star" richtet sich an junge Männer in Afrika und will an ihre Verantwortung appellieren - sie sollen motiviert werden, sich und ihre Partner beim Sex zu schützen. Sie sollen sich auf den Virus testen lassen und bei einem positiven Befund auch Medikamente bekommen.

Elton John warf Russland und osteuropäischen Ländern die Diskriminierung von Homosexuellen vor und machte die Regierungen für die steigende Zahl an Aids-Fällen verantwortlich. "Wenn es nicht diese Engstirnigkeit und diesen Hass gäbe, könnte die Krankheit viel schneller ausgemerzt werden, als man es sich vorstellen kann", sagte er am Dienstag bei der Aids-Konferenz.

Vor allem Russland und osteuropäische Staaten würden Angehörigen sexueller Minderheiten den Zugang zu medizinischen Tests und Behandlungen erschweren, sagte der 71-Jährige, der sich seit Jahrzehnten gegen die Ausbreitung von Aids engagiert. "Wenn wir nicht den Gedanken aus unseren Köpfen bekommen, dass Homosexuelle weniger wert sind, sitzen wir noch in 20 Jahren hier und diskutieren die selbe Sache", sagte er.

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Auch Charlize Theron warb bei der Konferenz für den verstärkten Kampf gegen HIV.

(Foto: imago/Richard Wareham)

Prinz Harry warnte in Amsterdam davor, im Kampf gegen Aids nachzulassen. "Der Fortschritt, den wir so hart erkämpft haben, ist gefährdet durch eine gefährliche Selbstgefälligkeit", sagte er. Auch dürfe nicht unterschätzt werden, welche Folgen die Ausbreitung von Aids auf die Bildung und andere Entwicklungsmöglichkeiten habe.

Auch Hollywood-Star Charlize Theron wandte sich am Dienstag an die Delegierten. Sie lobte, die internationale Gemeinschaft habe einen "langen Weg" zurückgelegt "von dieser moralischen Panik, die die frühen Stadien dieser Epidemie bestimmten".

Dramatischer Anstieg der HIV-Infektionszahlen in Russland

Nach Angaben der Deutschen Aids-Hilfe sind in Russland die HIV-Infektionszahlen dramatisch gestiegen. Mehr als 100.000 Menschen erhielten dort jährlich die HIV-Diagnose. Das mache etwa zwei Drittel der neuen HIV-Infektionen Europas aus. Russland und andere Länder weigern sich demnach "aus ideologischen Gründen", die Wege zu gehen, die Erfolge versprechen: Spritzenvergabe, Substitutionsbehandlung im Drogenbereich und Prävention, die das sexuelle Verhalten der Menschen akzeptiere.

Seit den ersten bekannten Aids-Fällen Anfang der 1980er-Jahre sind mehr als 35 Millionen Menschen weltweit an der Immunschwächekrankheit gestorben. Laut UN-Aids-Programm Unaids sank die Zahl der neu Infizierten seit 1996 um fast die Hälfte: Im vergangenen Jahr steckten sich noch 1,8 Millionen Menschen mit HIV an.

Quelle: n-tv.de, abe/dpa/AFP

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