Wissen

Furcht vor "Kinderklink-Füller"RKI sieht RSV-Welle anrollen

22.01.2026, 10:42 Uhr
00:00 / 03:26
RSV-Respiratory-Syncytial-Virus-Image-produced-using-high-dynamic-range-imaging-HDRI-from-an-image-taken-with-transmission-electron-microscopy-Viral-diameter-between-150-400-nm
Das Respiratorische Synzytialvirus (RSV) kann vor allem für Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen gefährlich werden. (Foto: picture alliance / BSIP)

Das Robert-Koch-Institut sieht eine neue Infektionswelle auf Deutschland zukommen. Das RS-Virus, das schwere Atemwegsinfektionen auslösen kann, breitet sich wieder stärker aus. Besonders Säuglinge und Kleinkinder sind durch den Erreger stark gefährdet.

Die Grippewelle ist in vollem Gange, doch zunehmend rückt ein weiterer Erreger in den Fokus: Die Ausbreitung des Respiratorischen Synzytialvirus (RSV) gewinnt in Deutschland an Dynamik. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen die aktuellen Daten aus der dritten Kalenderwoche 2026, dass RSV wieder häufiger nachgewiesen wird - ein typisches Frühzeichen für den Beginn der RSV-Saison. Die akute Atemwegserkrankung kann vor allem für Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen gefährlich werden.

Noch ist die Aktivität von RSV in der Bevölkerung laut RKI-Fachleuten vergleichsweise niedrig. Doch in den virologischen Proben taucht das Virus inzwischen regelmäßig auf: In der ambulanten Überwachung machte RSV zuletzt rund vier Prozent der nachgewiesenen Erreger aus, im Krankenhausbereich ebenfalls, wie es im ARE-Bericht des RKI heißt. Erfahrungsgemäß sei das ein Hinweis darauf, dass die Fallzahlen in den kommenden Wochen deutlich anziehen könnten.

Besonders aufmerksam verfolgen Fachleute die Lage in den Kliniken. Zwar liegt die Zahl schwerer Atemwegsinfektionen (SARI) derzeit noch auf einem moderaten Niveau, doch RSV gilt als klassischer "Kinderklinik-Füller". Sobald sich das Virus stärker verbreitet, steigen erfahrungsgemäß vor allem bei Säuglingen die Krankenhausaufnahmen oft sprunghaft an. Auch ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen können schwere Verläufe entwickeln.

Corona spielt nur noch Nebenrolle

Parallel dazu dominiert derzeit noch die Influenza das Infektionsgeschehen: Rund 60 Prozent der nachgewiesenen Viren waren Grippeviren, überwiegend Influenza A, schreibt das RKI. Auch Sars-CoV-2 ist weiterhin Teil des Infektionsgeschehens, spielt aktuell jedoch eine deutlich untergeordnete Rolle. Der Anteil von Covid-19 unter den nachgewiesenen Atemwegsviren liegt laut RKI im niedrigen einstelligen Bereich. In den Krankenhäusern entfällt nur ein kleiner Teil der schweren Atemwegsinfektionen auf das Coronavirus.

RSV läuft der Grippewelle traditionell zeitversetzt hinterher - und genau dieses Muster scheint sich nun erneut abzuzeichnen. Die RKI-Expertinnen und -Experten werten die aktuelle Entwicklung deshalb als frühe Phase einer anrollenden RSV-Welle.

Saisonales Infektionsrisiko

"Generell verbreiten sich Viren, die akute Atemwegserkrankungen auslösen, in der kälteren Jahreszeit besser, u.a. weil man mehr Zeit mit Menschen in Innenräumen verbringt. Innenräume werden aufgrund der niedrigeren Außentemperaturen häufig nicht so gründlich gelüftet und Atemwegserreger können sich in der Raumluft anreichern, wenn sich Personen mit Atemwegsinfektionen dort aufhalten. In Innenräumen ist dann die Übertragungswahrscheinlichkeit deutlich höher. Weitere Faktoren können eine Rolle spielen, beispielsweise die geringere Luftfeuchtigkeit oder die trockeneren (und damit anfälligeren) Schleimhäute der Menschen und eine generell schlechtere Immunabwehr im Winter als im Sommer." (Quelle: RKI)

Für Eltern kleiner Kinder und für Pflegeeinrichtungen bedeutet das: Wachsamkeit ist jetzt gefragt. Das RKI betont regelmäßig, wie wichtig Hygienemaßnahmen wie Händewaschen, Lüften und das Meiden enger Kontakte bei Erkältungssymptomen sind. Für besonders gefährdete Säuglinge stehen zudem eine Antikörper-Prophylaxe zur Verfügung, die das Risiko für schwere RSV-Verläufe deutlich senken können. Ob und wie heftig die RSV-Saison ausfällt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen - die ersten Warnsignale sind jedoch bereits da.

Quelle: ntv.de, hny

KinderGrippeErkältungskrankheitenVirenInfektionskrankheitenRobert Koch-InstitutKrankheit