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Furioses Finale der Kometen-Mission Rosetta geht auf Kollisionskurs

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Beim Aufprall wird sich Rosetta komplett ausschalten - und kaputtgehen.

(Foto: ESA)

Zwei Jahre hat die Raumsonde den Kometen Tschuri begleitet, nun geht ihr - weit weg von der Sonne - die Energie aus. Der Abschied von Rosetta soll spektakulär werden: Sie folgt Philae und schlägt auf Tschuri auf.

Nie zuvor hatte es das gegeben: Mehr als 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt setzte ein von Menschen gebautes Mini-Labor auf einem Kometen auf. Keine Bilderbuchlandung zwar – das Gerät prallte mehrmals ab und kam daher nicht an geplanter Stelle zum Stehen. Doch ein neues Kapitel in der Geschichte der Raumfahrt hatte begonnen. Die Protagonisten wurden weltbekannt: Es waren die ESA-Sonde Rosetta, Lander Philae und Komet Tschurjumow-Gerassimenko, gern Tschuri genannt. Ihren großen Auftritt hatten die drei am 12. November 2014.

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Bis dahin war Rosetta – mit Philae an Bord – bereits zehneinhalb Jahre unterwegs gewesen. Nochmals zwei Jahre später ist nun das Ende der Mission erreicht. Und es soll Philaes berühmtem Touchdown in nichts nachstehen. Was geplant ist? Am Freitag soll auch Rosetta auf Tschuri aufsetzen. Bei dem Aufprall geht die Sonde kaputt. Doch während sie sich dem Kometen nähert, soll sie weitere Fotos und Daten schicken. In Echtzeit – mit der entfernungsbedingten Verzögerung von 40 Minuten – gelangen sie zur Erde. Ein furioses Finale, bevor Rosetta für immer verstummt.

Der Abschluss der Mission wirft Fragen auf. Hier die Antworten:

Wird Rosetta direkt neben Philae aufkommen? Nicht direkt, aber mehr als zwei Kilometer werden die beiden nicht voneinander trennen. Rosetta soll auf dem kleineren Teil des vier Kilometer großen Kometen landen, auf dem Kopf der "Ente".

Warum schlägt Rosetta gerade dort auf? Die Sonde forscht bis zum Schluss. Da sie bis kurz vor dem Aufprall Daten sammelt und Fotos macht, haben die Wissenschaftler eine in dieser Hinsicht besonders spannende Region auf dem Kometen ausgewählt. Es gibt dort Senken, 50 Meter tief, in denen einige von Tschuris Staubstrahlen ihren Ursprung haben. An den Wänden der Senken befinden sich Gebilde, die sehr frühe Kometenteile sein könnten. Das wollen die Forscher durch einen dichten Überflug genauer unter die Lupe nehmen. Damit dafür genug Energie zur Verfügung steht und außerdem eine gute Sicht gewährleistet ist, liegt der geplante Landepunkt im Sonnenlicht zwischen zwei Senken.

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  Wie schnell ist Rosetta, wenn sie auf Tschuri trifft? Wenn alles nach Plan läuft, wird Rosettas Geschwindigkeit beim Aufschlag 90 cm/s betragen. Damit ist sie dann in etwa so schnell wie ein gehender Mensch.

Kann es sein, dass Rosetta genauso davonhüpft wie einst Philae? Rosetta ist nicht für die Landung konzipiert. Anbauten, wie etwa das 32 Meter breite Sonnensegel, werden dabei kaputt gehen. Das ist ein Energieverlust, und der – so vermuten die Rosetta-Experten – verhindert wahrscheinlich, dass die Sonde nach dem Aufprall zurück in den Orbit geschleudert wird. Sollte das allerdings doch geschehen, würden wir auf der Erde nichts davon erfahren; Rosetta schaltet sich beim Aufschlag komplett aus.

Wie sieht der Zeitplan für den Abschied von Rosetta aus? Am Donnerstagabend, 29. September, wird Rosetta auf Kollisionskurs gebracht und der Abstieg aus 19 Kilometern Höhe in die Wege geleitet. Am Freitag, 30. September, soll die Sonde um 12.40 Uhr MESZ auf Tschuri aufschlagen. Bis das entsprechende Signal auf der Erde ankommt, vergehen allerdings 40 Minuten. Die Bestätigung für den Aufschlag wird daher um 13.20 Uhr erwartet.

Wie erfährt die ESA, dass Rosetta erfolgreich aufgeschlagen ist? Der Kontakt zu ihr wird auf den Bildschirmen des ESA-Kontrollzentrums in Darmstadt (ESOC) durch eine Pegelspitze angezeigt. Wenn Rosetta die Kometenoberfläche erreicht und der Haupttransmitter abgeschaltet wird, verschwindet die Pegelspitze aus der Anzeige. Damit ist dann klar: Der Aufschlag hat stattgefunden.

Warum kreist Rosetta nicht noch länger um Tschuri? Die Sonde bewegt sich mit dem Kometen zurzeit immer weiter von der Sonne weg – weiter als jemals zuvor. Sonnenlicht ist für Rosettas Energieversorgung aber unerlässlich. Ende 2016 würde der Sonde der Strom ausgehen, ihre Instrumente könnten nicht mehr betrieben werden. Da sich Tschuri auf seiner Bahn irgendwann der Sonne auch wieder nähert, wäre es denkbar, Rosetta bis dahin in den Winterschlaf zu versetzen. Wahrscheinlich jedoch würde sie den nicht überstehen. Sie würde auskühlen, weil ihre Heizungen so weit weg von der Sonne nicht für ausreichend Wärme sorgen könnten. Und dann hätte Rosetta nur noch für etwa ein halbes Jahr Treibstoff an Bord. Außerdem ist die Sonde mittlerweile recht betagt, den rauen Weltraumbedingungen hielt sie lange Stand. Rosetta hat, wie die ESA sagt, das Ende ihres "natürlichen Lebens" erreicht.

Quelle: n-tv.de

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