Mückenstich auf ElbaFrau infiziert sich im Italien-Urlaub mit seltenem Virus

Ein vermeintlicher Urlaubsschnupfen entpuppt sich als schwere Virusinfektion: Eine 59-jährige Frau erkrankt nach einer Elba-Reise an einer Hirnhautentzündung. Ärzte warnen, dass solche Fälle durch den Klimawandel zunehmen werden.
Was zunächst wie eine Urlaubserkältung wirkt, hat sich für eine 59-jährige Frau aus Müllheim zu einem ernsthaften Krankheitsfall entwickelt. Nach einer Reise auf die italienische Insel Elba erkrankte Birgit S. an einer seltenen Virusinfektion - ausgelöst durch das Toskana-Virus, das von Mücken übertragen wird.
Nur wenige Tage nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub bemerkte Birgit S. laut einer Mitteilung der Helios Klinik Müllheim erste Symptome: Kopf- und Nackenschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Übelkeit. Zunächst vermutete sie eine Grippe oder eine Infektion mit dem Coronavirus. Doch ihr Zustand verschlechterte sich rasch. In der Helios Klinik Müllheim wurde sie Anfang Oktober mit Fieber, Lichtempfindlichkeit und Verwirrtheit aufgenommen. Die Diagnose: Hirnhautentzündung. Die Ursache blieb aber zunächst unklar.
Testungen auf in Deutschland häufige Erreger bei Hirnhautentzündungen waren allesamt unauffällig. Ein wichtiges Detail gab schließlich den entscheidenden Hinweis. "Ich berichtete, dass wir auf Elba waren und ich dort so zerstochen wurde", sagt Birgit S. Das veranlasste das Ärzteteam, zusätzliche Tests auf dort vorkommende Erreger zu machen. Das Ergebnis: Birgit S. hatte sich mit dem Toskana-Virus (TOSV) infiziert - der erste bekannte Fall dieser Art in der Klinik, heißt es in der Mitteilung.
"Eine spezifische Therapie gibt es nicht"
Das Toskana-Virus gehört zur Familie der Phleboviren und ist vor allem in Italien, Spanien und anderen Mittelmeerregionen verbreitet. Es wird durch Sandmücken übertragen und kann grippeähnliche Symptome verursachen, in seltenen Fällen jedoch auch zu Hirnhaut- oder Gehirnentzündungen führen. "Eine spezifische Therapie gibt es bislang nicht. Behandelt werden nur die Symptome", erklärt der behandelnde Arzt Björn Reuter. Nach rund zehn Tagen im Krankenhaus bessere sich der Zustand der Patienten deutlich.
So auch bei Birgit S. Doch nur wenige Wochen nach der Entlassung, leidet sie erneut unter gesundheitlichen Problemen. Wegen Schwellungen, Rötungen und Schmerzen in Knie und Hand musste sie erneut ins Krankenhaus - diesmal in die Uniklinik Freiburg. Dort stellten die Ärzte eine reaktive Arthritis fest, eine Folge der Virusinfektion. "Solche Nachwirkungen sind selten, können aber Wochen nach der eigentlichen Infektion auftreten", erläutert Reuter. Mittlerweile habe sich die Patientin weitgehend erholt, heißt es.
Klimawandel verändert das Infektionsrisiko
Für die Mediziner ist der Fall ein Hinweis darauf, dass sich Krankheitsrisiken durch steigende Temperaturen und neue Insektenarten verschieben. "Wir beobachten, dass tropische und subtropische Erreger zunehmend auch in Europa vorkommen", sagt Reuter. "Das gilt insbesondere für durch Mücken übertragene Viren."
Reisende sollten sich daher bei unklaren Symptomen nach Aufenthalten im Mittelmeerraum ärztlich untersuchen lassen. Auch Ärzte seien zunehmend gefordert, bei entsprechenden Krankheitsbildern an seltene Erreger zu denken.
Der Fall von Birgit S. zeigt, dass selbst in beliebten europäischen Urlaubszielen Infektionen mit ungewöhnlichen Erregern möglich sind. "Solche Fälle werden in Zukunft häufiger werden", warnt Reuter. "Wachsamkeit und eine gründliche Reiseanamnese sind entscheidend, um die richtige Diagnose zu stellen."