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Wirkstoff erzielt "Durchbruch"Studie: Überlebenszeit bei gefährlicher Krebsart verdoppelt

01.06.2026, 13:38 Uhr RTL01903-2Von Kai Stoppel
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Der 74-jährige Menta "Steve" Wallace mit seiner Frau Jo Linda Wallace. Nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs konnte er das Medikament Daraxonrasib testen - mit Erfolg. (Foto: REUTERS)

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist besonders aggressiv und schwer behandelbar. Eine neue Arznei kann laut einer Studie die restliche Lebenszeit von schwer Erkrankten im Vergleich zur Chemotherapie verdoppeln. Der Wirkstoff könnte auch bei anderen Tumorleiden helfen.

Menta "Steve" Wallace verspürte im Januar zunächst Schmerzen im Bauchbereich. Dann kam die Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs. Der 74-Jährige aus Houston im US-Bundesstaat Texas konnte jedoch ein neues Medikament ausprobieren, Daraxonrasib, berichtet Reuters. Er erhielt die erste Behandlung im Februar. Nach anfänglicher Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag fühlt er sich nach eigenen Angaben gut. Sein letzter Scan zeigte, dass sein Tumor um fast die Hälfte geschrumpft war.

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist einer der gefährlichsten Tumoren überhaupt. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr 20.000 Menschen daran. Nur etwa jeder Zehnte lebt fünf Jahre nach der Diagnose noch. Daraxonrasib dürfte nun Hoffnung wecken: Laut einer großen Studie konnte die Überlebenszeit von Erkrankten im Vergleich zu einer Chemotherapie im Schnitt verdoppelt werden. Fachleute sprechen von einem Durchbruch.

Daraxonrasib setzt an einer entscheidenden Schaltstelle im Tumor an, dem sogenannten RAS-Protein. Es ist wie ein Wachstumsschalter der Zelle - bei gesunden Zellen geht er an und wieder aus. Durch eine Genmutation klemmt dieser Schalter dauerhaft auf "an" und lässt die Zellen ungehemmt wachsen. Bei mehr als 90 Prozent der Bauchspeicheldrüsentumoren ist genau dieser Schalter ständig an. Daraxonrasib setzt genau dort an.

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Das Medikament Daraxonrasib wird von der US-Arzneimittelfirma Revolution Medicines entwickelt. (Foto: REUTERS/Danielle Villasana)

Seit Jahrzehnten wurde an einer Therapie für das defekte Protein geforscht, lange vergebens. Jetzt scheint ein Weg gefunden. Ein weiterer Vorteil des Medikaments: Anders als ältere Wirkstoffe blockiert es nicht nur eine einzelne Mutation, sondern wirkt breit gegen verschiedene Varianten beim RAS-Protein. Die Ergebnisse der klinischen Studie wurden im renommierten Fachblatt "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

Patienten überlebten im Schnitt mehr als ein Jahr

500 Erkrankte hatten bei der Studie per Zufall entweder Daraxonrasib oder eine herkömmliche Chemotherapie erhalten. Es handelte sich um Patienten, bei denen der Krebs bereits gestreut hatte, eine erste Chemotherapie war gescheitert. In diesem Stadium geht es vor allem darum, die Lebensqualität und Überlebenszeit so hoch wie möglich zu halten. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Die mittlere Überlebenszeit stieg durch den Wirkstoff in der größten Patientengruppe von 6,6 auf 13,2 Monate. Auch die Zeit, in der die Krankheit nicht weiter fortschritt, verlängerte sich - von 3,5 auf 7,3 Monate.

"Aus meiner Sicht ist das eine der wichtigsten klinischen Entwicklungen beim Bauchspeicheldrüsenkrebs seit vielen Jahren", sagt Dieter Saur, Tumorforscher an der TU München und am Deutschen Krebsforschungszentrum. Entscheidend sei, dass der Angriffspunkt nicht nur eine kleine Untergruppe betreffe, sondern die Mehrheit der Erkrankten. Er spricht von einem "Paradigmenwechsel". Dietrich Ruess, Leiter des Pankreaskarzinomzentrums am Uniklinikum Freiburg, nennt die Studie schlicht einen "revolutionären Durchbruch". Beide waren nicht an der Studie beteiligt.

Allerdings zeigte auch das neue Medikament bei den meisten Patienten Nebenwirkungen. Doch sie fielen seltener schwer aus als bei der Chemotherapie (rund 62 Prozent gegenüber 70 Prozent), und vor allem mussten weit weniger Erkrankte die Therapie abbrechen: nur gut ein Prozent gegenüber elf Prozent unter der Chemotherapie. Am häufigsten kam es zu Hautausschlag, Durchfall und Entzündungen der Mundschleimhaut. Lebensbedrohliche Nebenwirkungen aber gab es nicht.

Einsatz bei anderen Krebsarten denkbar

Dass das Medikament zugelassen wird, halten die Fachleute für sehr wahrscheinlich. In den USA ermöglicht die Arzneimittelbehörde FDA bereits, den Wirkstoff in bestimmten Fällen zu verabreichen. Der Hersteller Revolution Medicines will nun weltweit Zulassungsanträge stellen. In Deutschland ist Daraxonrasib noch nicht verfügbar. "Das Problem ist, wie wir jetzt mit unseren Patienten kommunizieren", so Thomas Seufferlein, Klinikdirektor am Universitätsklinikum Ulm. Man hoffe, dass auch in Europa rasch ein Zugang vor der Zulassung geschaffen werde, um die Wartezeit zu überbrücken.

Der Erfolg könnte laut Experten auch Einfluss auf die Therapie von anderen Krebsarten haben. Denn das defekte Wachstums-Protein treibt viele andere Tumoren an - fast die Hälfte aller Dickdarmkrebse sowie bestimmte Formen von Lungenkrebs. "Daraxonrasib ist potenziell auch für andere RAS-getriebene Tumorarten relevant", sagt Tumorforscher Saur. Übertragen lasse sich der Erfolg aber nicht eins zu eins: Jede Krebsart reagiere anders. Die nächste große Aufgabe sei deshalb, Kombinationstherapien zu finden, die dem Krebs diesen Ausweg verbauen.

Quelle: ntv.de

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