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Studie bestätigt VerdachtWarum der Mensch den Krieg erfand

17.03.2026, 18:28 Uhr
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Gab es chon immer Krieg? (Foto: picture alliance / Anadolu)

In den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts werden Kriege wieder häufiger - teilweise mit Ausmaßen, die eigentlich als überwunden galten. Doch warum führt der Mensch überhaupt Krieg? Eine neue Analyse könnte einen Verdacht bestätigen.

Bis heute führt die Menschheit Krieg: Laut dem Osloer Friedensforschungsinstitut (Prio) gab es 2024 so viele bewaffnete Konflikte auf der Welt wie seit 1946 nicht mehr. Einher gehen Kriege mit großer Not und Leid für die betroffenen Menschen, oft auch unbeteiligte Zivilisten. Besonders hervorsticht der Überfall Russlands auf die Ukraine, der bereits Hunderttausenden das Leben gekostet haben könnte. Doch warum führt der Mensch Krieg?

Möglicherweise ist Krieg erst in einer bestimmten Epoche erfunden worden, vermuten Experten. Bereits 2014 hatte die Anthropologin Virginia Estabrook versucht, empirisch zu klären, wann das gewesen sein könnte. Sie hatte dafür Skelettfunde aus verschiedenen prähistorischen Epochen untersucht und das Ausmaß von Gewalt und tödlichen Verletzungen zwischen dem Mesolithikum (Mittelsteinzeit) und den früheren Epochen Mittel- und Jungpaläolithikum verglichen.

Mehr Projektil- und Klingenwunden

Das Mesolithikum, das vor etwa 12.000 Jahren begann, ist durch eine sesshaftere Lebensweise gekennzeichnet. Später, in der Jungsteinzeit, dem Neolithikum, waren Konflikte und Gewalt in den sesshaften Ackerbaugesellschaften Europas bereits weitverbreitet. Estabrook fand heraus, dass tödliche Verletzungen erst im späteren Mesolithikum gegenüber früheren Epochen zunahmen, in denen Menschen noch als Jäger und Sammler gelebt hatten.

Dem Forscher Markus Neuhäuser gelang es nun, mit modernen statistischen Verfahren die Befunde von Estabrook zu untermauern. Seine Studie wurde in der Fachzeitschrift "Communications in Statistics: Case Studies, Data Analysis and Applications" veröffentlicht. Sie bestätigt einen Anstieg schwererer Verletzungen und tödlicher Traumata im Mesolithikum sowie eine Zunahme von Projektil- und Klingenverletzungen. Dies passe zur Theorie, dass kriegerische Auseinandersetzungen erst mit der Sesshaftigkeit im Mesolithikum aufkamen, heißt es in einer Mitteilung der Hochschule Koblenz.

Keine Kriegsgründe für Jäger und Sammler?

Womit die Frage nach dem "Warum" ebenfalls beantwortet werden könnte: Vor dem Mesolithikum, also vor mehr als 12.000 Jahren, hatte es laut Neuhäuser zwar auch individuelle Gewalttaten gegeben. Aber Jäger und Sammler hätten im Allgemeinen keine Kriege geführt.

Der Grund: Es gab kaum Eigentum, keinen Landbesitz, und einem Konflikt konnte man durch Weiterziehen in andere Gebiete ausweichen, ohne den Tod auf dem Schlachtfeld zu riskieren. Zudem waren die Gesellschaften der Jäger und Sammler sehr egalitär, sodass es keine Anführer gab, die Untertanen in einen Krieg zwingen konnten.

All das änderte sich mit der Sesshaftigkeit, der Einführung der Landwirtschaft und dem, was wir Zivilisation nennen, so der Forscher. Konflikte um Besitz und Land sowie neue Gesellschaftsformen könnten somit den Krieg erst möglich gemacht haben. Ein blutiges Erbe, das die Menschheit bis heute nicht loswird.

Quelle: ntv.de, kst

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