Milliarden Tonnen verlorenDeutschlands Wasservorräte schrumpfen dramatisch

Die Süßwasserreserven nehmen in den meisten Regionen der Erde seit Jahren kontinuierlich ab. Aktuelle Forschungen belegen nun ein massives Defizit, auch für die Bundesrepublik. Selbst ein überdurchschnittlich regenreiches Jahr konnte das Problem nicht lösen.
Die weltweiten Süßwasservorräte schrumpfen schneller als bisher angenommen. Neue Analysen zeigen: Immer mehr Regionen geraten in ein Defizit - mit spürbaren Folgen auch für Europa und Deutschland. Das geht aus aktuellen Auswertungen des GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung hervor.
Die Daten zeichnen ein erschreckendes Bild: Der Anteil der Regionen mit ungewöhnlich geringen Wasservorräten hat sich seit 2009 mehr als verdreifacht. Während damals nur rund zwölf Prozent der Landflächen als zu trocken galten, sind es inzwischen 43 Prozent. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Regionen mit stabilen Wasserverhältnissen drastisch verringert. "Während 2009 noch 75 Prozent der Landfläche einen normalen Wasserspeicher aufwiesen, waren es 2025 nur noch knapp ein Drittel", berichten die Forschenden. Demnach hat selbst das eigentlich wasserreiche Deutschland Milliarden Tonnen Wasser verloren.
Deutschland rutscht erneut ins Defizit
Grundlage der Analyse sind Daten der Satellitenmissionen GRACE und GRACE-FO. Sie messen seit rund zwei Jahrzehnten Veränderungen im Schwerefeld der Erde - und ermöglichen so Rückschlüsse auf die Verteilung von Wasser in Böden, Grundwasserleitern und Gewässern. Das Ergebnis: Der globale Wasserkreislauf gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht. Hitze und Dürren verstärken die Verdunstung, während Niederschläge vielerorts ausbleiben.
Auch Deutschland ist betroffen. Nach einem vergleichsweise nassen Jahr 2024, in dem rund 15 Prozent mehr Niederschlag als üblich fiel, konnten sich die Wasserspeicher kurzfristig erholen. Doch dieser Effekt hielt nicht lange an: Bereits 2025 war wieder deutlich zu trocken. Laut den Forschenden fiel rund 18 Prozent weniger Regen als im langjährigen Durchschnitt. Gleichzeitig erhöhte die Wärme die Verdunstung. Die Folge: Ende 2025 fehlten Deutschland rund 25 Milliarden Tonnen Wasser im Vergleich zum üblichen Niveau.
Europa weitgehend im "roten Bereich"
Die Entwicklung hierzulande ist kein Einzelfall. In weiten Teilen Europas haben die Wasserspeicher in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich abgenommen. "Fast ganz Europa" sei inzwischen im Defizit, so die Analyse.
Auch im Nahen Osten hält der Rückgang bereits seit Jahren an. In Nordeuropa verschärft zudem das Abschmelzen von Gletschern die Situation. Global zeigt sich jedoch ein gemischtes Bild. In Teilen Südamerikas und Asiens sinken die Wasservorräte ebenfalls deutlich. Dagegen verzeichnen Australien und Teile Ozeaniens zuletzt eher Zuwächse, ebenso einige Regionen Afrikas.
Dennoch bleibt der übergeordnete Trend den Forschenden zufolge eindeutig: Die global verfügbaren Süßwasserreserven nehmen ab. Der Klimawandel verschiebt demnach das Gleichgewicht zwischen Verdunstung und Niederschlag. Steigende Temperaturen führen zu mehr Wasserverlust aus Böden und Gewässern - oft schneller, als er durch Regen ausgeglichen werden kann.
Damit wird Wasser in vielen Regionen zu einer zunehmend knappen Ressource - mit potenziell weitreichenden Folgen. So erhöhen sinkende Grundwasserspiegel und trockenere Böden das Risiko für häufigere Dürreperioden, Ernteausfälle und steigende Lebensmittelpreise. Gleichzeitig geraten Flüsse und Seen unter Druck - mit Folgen für Ökosysteme, Energieversorgung und Industrie. In Deutschland könnten regionale Wasserknappheit und Nutzungskonflikte zunehmen, etwa zwischen Landwirtschaft, Haushalten und Wirtschaft. Für Verbraucher bedeutet das perspektivisch nicht nur höhere Kosten, sondern auch Einschränkungen im Alltag - etwa bei der Wassernutzung in Trockenzeiten.