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Zwischen Faszination und HorrorNeue Amazonas-Spinne ahmt Zombie-Pilz nach

09.04.2026, 14:08 Uhr
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Genau wie vom Zombie-Pilz befallene Tiere verharrt die neu entdeckte Spinne an der Unterseite von Blättern. Deutlich zu erkennen die verlängerten Strukturen an ihrem Hinterleib - sie sehen dem Pilz verblüffend ähnlich. (Foto: Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels / David Diaz-Guevarra)

Während einer nächtlichen Führung durch den Amazonas entdeckt ein Biologe etwas Ungewöhnliches: Ein parasitärer Pilz scheint sich plötzlich zu bewegen. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um eine Spinne handelt.

Im ecuadorianischen Amazonas haben Wissenschaftler eine spektakuläre Spinnenart entdeckt und beschrieben. Die Ergebnisse des internationalen Forschungsteams unter Beteiligung des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) wurden nun in der Fachzeitschrift "Zootaxa" veröffentlicht.

Die neu beschriebene Art Taczanowskia waska imitiert das Erscheinungsbild eines parasitären Pilzes der Gattung Gibellula. Diese Pilze sind von Arthropoden wie Spinnen abhängig, um ihre Sporen auszubreiten. Ihr Lebenszyklus startet, wenn die Sporen das Tier befallen und sich innerhalb ihres Wirtes ausbreiten. Dort greifen das Nervensystem der Tiere an und beeinflussen deren Verhalten - ähnlich wie bei den von Pilzen befallenen Zombies in der Serie "The Last of Us". Die Spinnen sterben schließlich und die Sporenkörper wachsen aus dem Hinterteil heraus.

Die Zombie-Pilz-Mimikry der neu entdeckten Spinne dient den Forschern zufolge als Schutz vor Fressfeinden. Denn ähnlich wie der reale Pilz weist die Spinne eine "helle, pilzähnliche Oberfläche" auf. Zudem verharrt sie regungslos an der Unterseite von Blättern - genau wie die befallenen Tiere. Das sorgt in der Wissenschaft weltweit für Faszination. Die Biologen beschreiben die Beobachtung als "bislang einzigartigen Fall".

"Pilz" bewegte sich plötzlich

Entdeckt wurde das Tier überhaupt erst während einer nächtlichen Führung durch den Nationalpark im artenreichen Llanganates-Sangay-Korridor. Dabei wurde die Spinne erst für einen Pilz gehalten, schreiben die Forscher. Als dieser sich aber plötzlich bewegte, fotografierte ein Biologe das Wesen und veröffentlichte das Foto auf der Citizen-Science-Plattform "iNaturalist". Dort wurde das Tier demzufolge als Spinne identifiziert. Durch den Vergleich mit historischen Stücken in wissenschaftlichen Sammlungen konnte die neue Art schließlich klassifiziert werden.

Weil die Spinne wegen ihrer exzellenten Tarnung schwierig zu finden ist, bleibt vieles über sie zunächst unbekannt. Lediglich ihr Jagdverhalten beobachteten die Wissenschaftler, was Albtraummaterial für jeden Menschen mit Arachnophobie bietet: Die Taczanowskia baut kein Netz, sondern wartet regungslos und verbreitet weibliche Pheromone von Insekten, um ihre Beute anzuziehen. Ist ein Insekt nah genug, greift die Spinne es an und hält es mit ihren Vorderbeinen bis zum Tod des Opfers in der Luft fest.

Die nachgeahmte Pilzgattung gehört übrigens zur Familie der Cordycipitaceae, die auch die Grundlage für die erwähnte Horrorreihe "The Last of Us" bildet. Dort verbreiten sich die Sporen weltweit und befallen die Menschen, die sich dann in Zombies verwandeln. In Wirklichkeit sind diese Pilze aber nur für Arthropoden tödlich. In der Humanmedizin wird sogar über eine wundersame Wirkung diskutiert. Man vermutet, dass bestimmte Inhaltsstoffe entzündungshemmend wirken und sogar Krebszellen zerstören können. Klinisch belegt ist das bisher aber nicht.

Quelle: ntv.de, gri

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