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US-Forscher rechnen nach Was bringt Fleischverzicht der Umwelt?

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Ein Veggie-Burger aus Kartoffeln, Süßkartoffeln und Soja: Fleischlose Kost wird gefragter - und auch leckerer und einfallsreicher.

(Foto: picture alliance / Westend61)

Mehr CO2, mehr Ackerland, mehr Dünger: Dass Fleischessen Natur und Klima stärker schadet als vegetarische Kost, ist mittlerweile klar. Aber wie viel mehr genau? Für eine Modellrechnung dazu wurden alle US-Amerikaner zu fast kompletten Vegetariern.

Was bringt es, wenn ich zugunsten der Umwelt auf Fleisch verzichte? In einer Modellrechnung haben Forscher das für die USA simuliert. Würde die von den 327 Millionen US-Amerikanern verzehrte Menge an Rindfleisch durch proteinreiche Pflanzen ersetzt, würden demnach rund 29 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche weniger benötigt sowie jährlich etwa drei Millionen Tonnen Stickstoffdünger und 280 Millionen Tonnen ausgestoßene Kohlendioxid-Äquivalente eingespart. Der mit der Produktion verbundene Wasserverbrauch hingegen läge der Hochrechnung zufolge um rund 15 Prozent höher, berichtet das Team im Fachjournal "Scientific Reports".

Zum Vergleich: Die landwirtschaftlich genutzte Fläche in Deutschland beträgt gut 16 Millionen Hektar. Bundesweit wurden in der Saison 2017/2018 insgesamt etwa 1,5 Millionen Tonnen Stickstoff-Dünger genutzt. Die Landwirtschaft war dem Umweltbundesamt (Uba) zufolge hierzulande im Jahr 2017 für rund 66 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente verantwortlich. Sie gehen demnach vor allem auf Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, das Ausbringen von Gülle und Mist sowie Lachgas-Emissionen aus Böden als Folge von Stickstoffdüngung zurück. CO2-Äquivalente sind eine Maßeinheit zur Vereinheitlichung der Klimawirkung unterschiedlicher Treibhausgase, darunter Methan, CO2 und Lachgas.

Gleich mehrere Ressourcen werden eingespart

Fleisch weitgehend durch pflanzliche Kost zu ersetzen, stelle zwar eine logistische und gesellschaftliche Herausforderung dar, erklären die Forscher. Es sei dennoch lohnenswert, da damit gleich mehrere Ressourcen eingespart und Umweltfolgen vermieden werden könnten.

In ihr Computermodell hatten die Wissenschaftler um Gidon Eshel vom Bard College in Annandale-on-Hudson hunderte pflanzenbasierte Ersatzmenüs einbezogen. Vorausgesetzt wurde entweder der Verzicht nur auf Rindfleisch oder auf alle drei am häufigsten verzehrte Fleischarten (Rind, Schwein, Geflügel).

Ob die verzehrte Menge dem als gesund geltenden Bedarf entspricht, wurde für die Simulation nicht berücksichtigt. Ziel war es vielmehr, ressourcenschonend eine mindestens gleichwertige Versorgung mit Proteinen und anderen Nährstoffen wie Vitaminen, Mineralien und Fettsäuren sicherzustellen. Auf den virtuellen Teller kamen etwa Soja, Kidneybohnen, grüne Paprika, Kürbis, Buchweizen und Spargel, wie die Forscher berichten.

Nur 22 Prozent der Ackerfläche nötig

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Für neue landwirtschaftliche Flächen werden viele Hektar Regenwald abgeholzt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Buchweizen und Tofu lieferten demnach ein Drittel des Proteins der Menüs, die alle drei Fleischarten ersetzten. Ihr Anbau käme der Hochrechnung zufolge mit nur 12 Prozent des zur Fleischproduktion nötigen Stickstoffdüngers und Wassers aus. Zudem wären nur 22 Prozent der Ackerfläche nötig.

Global verallgemeinern lasse sich die Rechnung nicht, allein schon, weil es regional ganz unterschiedliche Ernährungsvorlieben, Anbauvoraussetzungen und landwirtschaftliche Methoden gebe, machen die Autoren deutlich. Sie weisen zudem darauf hin, dass andere Fleisch-Alternativen wie Eier, Milchprodukte sowie Fisch und weiteres Meeresgetier nicht berücksichtigt wurden.

Simulation am Extremfall des kompletten Verzichts

Auch wenn die Simulation der US-Forscher den wohl ausgeschlossenen Extremfall kompletten Fleischverzichts beleuchtet: Das Interesse an weniger Fleischkonsum nimmt in vielen Ländern tatsächlich zu. Die für ihre veganen Burger bekannte US-Firma Beyond Meat zum Beispiel überraschte in den vergangenen Monaten mit rasantem Wachstum. Das Unternehmen stellt Fleischalternativen auf pflanzlicher Basis her, ohne tierische Zutaten.

Als die zuvor nur im Großhandel bei Metro verfügbaren Bratlinge im Mai bei Lidl in den Verkauf gingen, waren sie in Deutschland rasch vergriffen. Auch in den USA ist der Rummel um die von Promis wie Microsoft-Mitgründer Bill Gates und Hollywood-Star Leonardo DiCaprio unterstützte Firma sehr groß.

Solche neuartigen Burger basieren meist auf Erbsen-, Weizen- oder Sojaprotein. Mit Grünkernbratlingen aus dem Naturkostladen haben sie allerdings nichts gemein, es handelt sich um hochverarbeitete Lebensmittel, die viel Salz und Fett enthalten können.

Quelle: n-tv.de, Annett Stein, dpa

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