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Pentagon veröffentlicht Bericht Was steckt hinter UFO-Sichtungen von US-Piloten?

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Unbekanntes Flugobjekt, aufgenommen mit der Infrarot-Kamera eines US-Kampfjets.

Mit Spannung wird der UFO-Bericht der US-Regierung erwartet. Videos von mysteriösen Objekten hatten Spekulationen über deren Ursprung angeheizt. Doch was wird der offizielle Bericht offenbaren? Ausgeschlossen scheint der Besuch von Aliens jedenfalls nicht zu sein.

Forscher wundern sich schon lange, dass weit und breit noch kein Lebenszeichen von Außerirdischen entdeckt wurde. "Wo sind sie denn alle?", fragte einst der italienische Physiker Enrico Fermi angesichts Abermilliarden von Sternen, von denen zumindest doch einige Planeten mit intelligenten Zivilisationen haben müssten. Was aber auch sein könnte: Sie waren längst hier, die Besucher aus der Ferne - aber haben sich nicht zu erkennen gegeben. Diese Vorstellung fesselt Wissenschaftler und Laien gleichermaßen. Mit Spannung wird daher der UFO-Bericht des Pentagons erwartet, der am Freitag veröffentlicht werden soll.

Mit UFOs werden unidentifizierte oder unbekannte Flugobjekte abgekürzt. In den USA wird offiziell mittlerweile die Bezeichnung UAP bevorzugt, was für Unidentified Aerial Phenomena steht, zu Deutsch etwa unidentifiziertes Himmelsphänomen. Berichte über unerklärliche Erscheinungen am Himmel gibt es seit Menschengedenken. Mit Außerirdischen in Verbindung gebracht werden diese aber erst seit Ende der 1940er-Jahre. Der US-Pilot Kenneth Arnold prägte damals mit seinen Berichten von Flugobjekten über dem Bundesstaat Washington den Begriff "Fliegende Untertassen".

Seitdem folgten zahlreiche weitere Sichtungen - die Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens hat seit Beginn der 1970er-Jahre rund 4500 Meldungen allein aus dem deutschsprachigen Raum bearbeitet, sagte deren Vorsitzender Hans-Werner Peiniger gegenüber der Deutschen Welle. Häufig habe es sich dabei jedoch um Folienballons in ungewöhnlichen Formen gehandelt, schnell fliegende Insekten, Wetterphänomene oder Satelliten. "Es sind nur etwa fünf Prozent der Fälle, für die wir keine nachvollziehbare Erklärung fanden", so Peininger.

Neue Videos fachen UFO-Interesse an

Frischen Schwung in die UFO-Debatte in den USA brachten Videos von Navy-Piloten, die 2017 an die Öffentlichkeit gelangten. Sie zeigen unidentifizierte Flugobjekte, die exotische Geschwindigkeiten und Manövrierfähigkeiten aufweisen, die scheinbar die Grenzen der bekannten Technologie und der physikalischen Gesetze sprengen. Unterlegt sind einige der Videos mit Sprechfunk-Aufzeichnungen der Navy-Piloten, welche die Beobachtungen zum Teil ungläubig kommentieren.

Der Hype über die Aufnahmen wurde weiter angefacht, als das US-Verteidigungsministerium im September 2019 die Authentizität des Materials bestätigte. Später veröffentlichte das Pentagon die drei Videos mit den Namen FLIR (auch bekannt als FLIR1), GIMBAL und GOFAST sogar selbst. Ersteres wurde 2004, die beiden anderen 2015 aufgenommen. Das Verteidigungsministerium rief schließlich im August 2020 die Unidentified Aerial Phenomena (UAP) Task Force ins Leben, um das Verständnis von UFOs zu verbessern und jene Objekte zu identifizieren, die "eine potenzielle Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA darstellen könnten". Der Kongress ordnete im vergangenen Jahr eine Offenlegung von Teilen dieser Erkenntnisse an, die Frist dafür läuft nun aus.

Was auf den drei berühmten Videos genau zu sehen ist: unklar. Wirklich zu erkennen sind nur sehr helle oder dunkle Flecken. Seit ihrem Erscheinen lieferten Experten eine ganze Reihe möglicher Erklärungen. Sie reichen von natürlichen oder nicht-militärischen Phänomenen über geheimen Flugzeuge der USA, Russlands oder Chinas bis hin zu Außerirdischen. "Das ist eine verdammte Drohne, Bruder", kommentiert etwa ein Pilot auf der Tonspur des GIMBAL-Videos. "Es gibt eine ganze Flotte von ihnen", fügt ein anderer hinzu.

Es gibt aber auch jene, die hinter den Aufnahmen eher Banales vermuten. Dazu gehört der britische Programmierer Mick West, der in der Debatte mittlerweile viel zitiert wird. West führt die auf Video gebannten Erscheinungen entweder auf Kamerafehler, Linienflugzeuge oder Wetterballons zurück. Bei dem GOFAST-Video, das scheinbar ein sich schnell über die Meeresoberfläche fliegendes Objekt zeigt, schließt West sogar nicht aus, dass es sich schlicht um einen Pelikan handeln könnte. Allerdings sagen Kritiker, dass West damit die Erfahrungen der Piloten an Board unberücksichtigt lässt.

Gehorchte nicht "Gesetzen der Physik"

Einer der Kampfjet-Piloten hinter den Aufnahmen ist Chad Underwood. Gegenüber dem Online-Magazin "Intelligencer" schilderte er, dass sich das Objekt aus dem Video FLIR1 "erratisch" bewegt habe. Dessen "Veränderungen der Höhe, der Fluggeschwindigkeit und des Aussehens waren einfach anders als alles, was ich bisher beim Fliegen gegen andere Flugziele erlebt habe", so Underwood. Das von ihm aufgrund seines Aussehens als "Tic Tac" bezeichnete Objekt habe nicht den "Gesetzen der Physik" gehorcht. So sei es innerhalb von Sekunden von einer Höhe von 15 Kilometern auf 30 Meter gesunken, was nicht möglich sei. Allerdings will Underwood nichts von Spekulationen über Außerirdische wissen: "Es ist einfach das, was wir ein UFO nennen. Ich konnte es nicht identifizieren. Es ist geflogen. Und es war ein Objekt. So einfach ist das."

Wird der UFO-Bericht des Pentagons wirklich mehr Klarheit bringen? "Ich habe keine Ahnung, was in dem Bericht stehen wird", sagte der Astronom Nick Suntzeff von der Texas A&M University in einem Interview. Aber er bezweifelt, dass der Bericht irgendwelche Beweise enthält, in denen ein UFO klar zu erkennen ist. Für UFO-Sichtungen gebe es seiner Erfahrung nach "oft einfache, aber langweilige Antworten". Zwar will Suntzeff nicht ausschließen, dass die Erde Besuch von anderen Planeten bekommt. "Aber wir brauchen klare Beweise. Wir brauchen zum Beispiel ein eindeutiges Foto. Bislang haben wir solche Beweise nicht."

Einige US-Abgeordnete durfte vorab bereits einen Blick in den UFO-Bericht werfen. Zu den genauen Inhalten hielten sie sich zwar bedeckt. Der Kongressabgeordnete Mike Quigley warnte aber vor überzogenen Erwartungen. "Wenn ich vorhersagen müsste, wie die Öffentlichkeit darauf reagieren wird, wäre ein Wort 'enttäuschend'", sagte er laut "New York Post". Andere Politiker zeigten sich ebenfalls wenig beeindruckt: "Ich war nicht wirklich gefesselt", sagte etwa der demokratische Abgeordnete Peter Welch. Laut seinem Parteikollegen Adam Schiff sei es aber ein "interessantes Briefing" gewesen. "Ich habe Dinge gelernt, die sicherlich neu für mich waren. Aber ich denke, ich werde es dabei belassen."

Hyperschall-Technologie aus China?

Den Beweis für die Existenz außerirdischer Flugobjekte in Erdnähe wird der Bericht wohl nicht liefern. Das hatte auch die "New York Times" vorab berichtet. Demnach fanden US-Geheimdienste keine Hinweise dafür, dass die UFOs, die von den Navy-Fliegern beobachtet wurden, außerirdische Raumfahrzeuge waren. Laut einem hochrangigen US-Beamten, den die Zeitung als Quelle nennt, gebe es unter amerikanischen Geheimdienst- und Militärbeamten vielmehr die Sorge, dass die Sichtungen auf Versuche mit Hyperschall-Technologie durch die US-Kontrahenten China und Russland zurückzuführen sein könnten. Von den mehr als 120 untersuchten Vorfällen in den vergangenen zwei Jahrzehnten seien die allermeisten jedenfalls nicht auf US-Militärtechnologie zurückzuführen.

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Allerdings schließt der UFO-Bericht laut dem "Times"-Bericht auch nicht aus, dass es sich am Ende doch um außerirdische Flugobjekte gehandelt haben könnte. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, scheinen die Aliens jedoch auffällig zurückhaltend zu sein. Dies erinnert an die sogenannte Zoo-Hypothese, welche eine Antwort auf Fermis berühmte Frage "Wo sind sie denn alle?" liefern soll. Laut dieser Hypothese wollen Außerirdische die Menschheit sich ungestört weiterentwickeln lassen, und ziehen einstweilen das diskrete Observieren vor. Also ein bisschen, wie es Menschen mit Tieren im Zoo tun.

Doch so spannend der Gedanke auch sein mag, so abwesend sind bisher die Beweise dafür. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama erzählte jüngst in einer CBS-Talkshow, dass er nach seiner Amtseinführung gefragt hatte: "Ok, gibt es irgendwo ein Labor, wo wir außerirdische Proben und ein Raumschiff aufbewahren?" Nach einiger Recherche habe die Antwort gelautet: nein. Mit etwas ernsterer Miene ergänzte Obama in der Talkshow jedoch: "Was auch stimmt: Es gibt Aufnahmen und Aufzeichnungen von Objekten am Himmel, von denen wir nicht genau wissen, was sie sind."

Quelle: ntv.de

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