1000 Tage nach EmpfängnisWie früher Zuckerkonsum die Herzgesundheit beeinflusst

Großbritannien führt in den 1940er Jahren eine mehrjährige Zuckerrationierung für die Bevölkerung ein. Wie sich diese langfristig auf die Herzgesundheit der Menschen ausgewirkt hat, zeigt eine aktuelle Untersuchung.
Schon im frühen Kindesalter kann das Risiko für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall im Erwachsenenalter durch eine Beschränkung des Zuckerkonsums stark beeinflusst werden. Das hat ein internationales Team mit Forschenden der Universitäten in Hong Kong, Boston, Liverpool, Melbourne, Sydney, Shanghai, Tokio, Leipzig und Aalborg herausgefunden. Die größten Schutzeffekte waren sichtbar, wenn besonders wenig Zucker von der werdenden Mutter zum Zeitpunkt der Zeugung bis zum zweiten Lebensjahr des Kleinkindes konsumiert worden war.
Als Grundlage für die Untersuchung dienten die Daten von 63.433 Teilnehmern und Teilnehmerinnen der UK Biobank mit einem Durchschnittsalter von 55 Jahren. Alle Studienteilnehmenden wurden zwischen Oktober 1951 und März 1956 geboren. Niemand wies in seiner Vorgeschichte eine Herzerkrankung auf. 40.063 von ihnen waren in ihrer frühen Kindheit von der Zuckerrationierung betroffen, bei 23.370 war dies nicht der Fall.
Während der Zuckerrationierung, die noch zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges startete und bis 1953 dauerte, war die Zuckermenge für die gesamte Bevölkerung, einschließlich Schwangerer und Kinder, auf weniger als 40 Gramm pro Tag begrenzt. Kinder unter zwei Jahren sollten in dieser Zeit gar keinen zugesetzten Zucker bekommen. Diese Grenzwerte entsprechen weitgehend den aktuellen Ernährungsempfehlungen für Kleinkinder.
Herzinfarkt, Schlaganfall und Herztod
Die Forschenden suchten nun in den Gesundheitsdaten der Studienteilnehmer nach der Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und Schlaganfall sowie nach Todesfällen aufgrund von Herz-Kreislauf-Ursachen. Sie berücksichtigen bei ihrer Analyse genetische, umweltbedingte und lebensstilbedingte Faktoren, die die Herzgesundheit beeinflussen können. Dann glichen sie ihre Ergebnisse mit den Daten einer Vergleichsgruppe von Erwachsenen ab, die außerhalb Großbritanniens geboren worden waren und weder die Zuckerrationierung noch ähnliche Maßnahmen um das Jahr 1953 miterlebt hatten.
Das Ergebnis: Eine längere Phase der Zuckerrationierung geht mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter einher. Die Forschenden vermuten, dass ein Teil dieses positiven Effekts auf niedrigere Diabetes- und Bluthochdruckraten bei denjenigen zurückzuführen ist, die zu Beginn ihres Lebens der Zuckerrationierung ausgesetzt waren.
Im Vergleich zu Personen, die zu keiner Zeit von der Einschränkung betroffen waren, lag das Risiko für die zuckerrationierte Personengruppe für Herz-Kreislauf-Erkrankungen insgesamt um 20 Prozent niedriger. Konkret sank das Risiko für Herzinfarkt um 25 Prozent, Herzinsuffizienz um 26 Prozent und Vorhofflimmern um 24 Prozent. Auch das Schlaganfall-Risiko war 31 Prozent geringer und das Risiko, einen Tod durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erleiden, war um 27 Prozent reduziert.
Zudem traten sämtliche Herz-Kreislauf-Probleme in der Gruppe der Zuckerreduzierten bis zu zweieinhalb Jahre später im Leben auf als bei denjenigen ohne Zuckerreduktion. Die stärksten Schutzeffekte sah das Forschungsteam bei Personen, deren Zuckerzufuhr bereits bei der Empfängnis im Mutterleib bis 1000 Tage danach eingeschränkt war. Dieser Befund deckt sich mit den Hinweisen von Fachleuten, die immer wieder darauf verweisen, wie wichtig dieser Zeitraum für die spätere Entwicklung ist.
"Unsere Ergebnisse unterstreichen den Nutzen von Maßnahmen zur Zuckerrationierung in der frühen Kindheit für das Herz-Kreislauf-System. Weitere Studien sollten die individuelle Ernährungsbelastung untersuchen und das Zusammenspiel genetischer, umweltbedingter und lebensstilbedingter Faktoren berücksichtigen, um individuellere Präventionsstrategien zu entwickeln", schreibt das Forschungsteam zu den Untersuchungsergebnissen im "British Medical Journal".