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Hier Heilmittel, da "Einstiegsdroge" Wie gefährlich ist Cannabis wirklich?

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Für manche kann der Joint nicht groß genug sein. Doch hohe Dosen können zu Psychosen führen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Immer mehr Jugendliche in Deutschland kiffen, dabei ist der Besitz von Cannabis verboten. Ein Antrag auf Coffee-Shops in Berlin, die den legalen Verkauf ermöglichen wollten, wurde abgelehnt. Welche Risiken hat Cannabis wirklich? Und welche Potenziale? Hier die Antworten.

Kann Cannabis abhängig machen? Sowohl die Psyche als auch der Körper können bei regelmäßigem Cannabis-Konsum abhängig werden. Den Konsum zu reduzieren oder gar einzustellen, gelingt dann nicht mehr, ohne dass sich Nervosität, Ängstlichkeit oder Depressionen einstellen. Insgesamt sind die körperlichen Entzugserscheinungen vergleichsweise mild. Ein Drang, die Cannabis-Dosis stetig zu steigern, besteht im Allgemeinen nicht. Der Drang allerdings, überhaupt Cannabis zu konsumieren, ist bei psychischer Abhängigkeit zwanghaft ausgeprägt.

Was schützt vor einer Cannabis-Sucht? Eltern können einiges dafür tun, damit ihre Kinder weniger Gefahr laufen, abhängig zu werden: Wenn sie ihrem Nachwuchs respektvoll, unterstützend und liebevoll begegnen, gleichzeitig aber Konflikten nicht aus dem Weg gehen, hilft das den Kindern, der Verlockung durch Drogen zu widerstehen. Als Schutzfaktoren gelten ein gesundes Selbstwertgefühl, eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung, Problemkompetenz, ein Freundeskreis, der auf illegale Drogen verzichtet sowie Eltern, die selbst verantwortungsvoll mit Rauschmitteln umgehen. Risikofaktoren dagegen sind ausgeprägte Unsicherheit, Ängste und Einsamkeit, mangelnde soziale Unterstützung sowie Stress und traumatische Erfahrungen, wie zum Beispiel Trennungserlebnisse.

Ist Cannabis die Einstiegsdroge? Nur wenige Cannabis-Konsumenten steigen langfristig auf andere Drogen um. Die meisten Menschen probieren Cannabis und stellen den Konsum nach einer Weile selbständig wieder ein.

Joint oder Kekse – was wirkt wie? Wird Cannabis geraucht, wirkt es schneller. Nach etwa 20 bis 40 Minuten erreicht die Wirkung ihr Maximum, nach durchschnittlich 2,5 Stunden klingt sie ab, nach 3 bis 5 Stunden ist sie verflogen. Nimmt man Cannabis über den Magen auf, etwa, weil es in Keksen verbacken wurde, ist die Wirkung weniger berechenbar. Der Wirkstoff gelangt dann langsamer in den Stoffwechsel, und kann trotzdem recht plötzlich spürbar werden. Auch kann es bei einer Aufnahme von Cannabis über das Essen leicht zu einer höheren Dosierung kommen als beabsichtigt.

Verursacht Cannabis Psychosen? Besonders in hohen Dosen kann Cannabis psychotische Symptome hervorrufen. Es kann zu Halluzinationen, Desorientiertheit, einem gestörten Ich-Gefühl und Verfolgungswahn kommen. Diese Symptome verschwinden meist nach kurzer Zeit wieder. Bei Menschen, die anfällig sind für Schizophrenie, kann die Krankheit durch Cannabis womöglich ausgelöst werden. Nachgewiesen ist das noch nicht, doch es spricht einiges dafür. Grundsätzlich kann Cannabis unvorhersehbare negative Effekte haben, besonders bei Konsumenten, die noch nicht mit der Wirkung vertraut sind. Möglich sind beispielsweise Herzrasen, Übelkeit und Schwindel, ein Kreislaufkollaps sowie Filmrisse, wirre Gedanken und Panik. Je häufiger man zu Joints oder Keksen greift und je selbstverständlicher Cannabis zum Alltag gehört, umso wahrscheinlicher sind negative gesundheitliche Auswirkungen.

Schädigt Cannabis das Gehirn? Die kognitive Leistungsfähigkeit wird bei regelmäßigem Cannabis-Konsum beeinträchtigt. Aufmerksamkeit, Konzentrationsvermögen und Lernfähigkeit lassen also nach. Ob Cannabis bleibende Hirnschäden verursacht, ist noch ungeklärt. Eine Studie aus dem Jahr 2014 wies nach, dass Cannabis bei dauerhaftem Konsum die graue Hirnsubstanz schrumpfen lässt, andere Hirn-Areale aber deutlich aktiver wurden. Ob sich diese Prozesse bei einer Cannabis-Abstinenz wieder umkehren, muss noch untersucht werden.

Wie gefährlich ist Cannabis in der Schwangerschaft? Das ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Es gibt Hinweise auf Folgeschäden für das Neugeborene, wie etwa ein geringeres Geburtsgewicht oder spätere Verhaltensprobleme. Um jedes Risiko zu vermeiden, sollten Schwangere komplett auf Cannabis verzichten - wie auf das Rauchen überhaupt.

Kann man noch Auto fahren, nachdem man Cannabis konsumiert hat? Das Reaktionsvermögen ist deutlich reduziert – das haben Untersuchungen mit Flugsimulatoren gezeigt. Besonders in den ersten zwei Stunden nach dem Konsum gilt die Fahrtauglichkeit als eingeschränkt. Ob jemand Cannabis zu sich genommen hat, lässt sich über Urin-Tests feststellen, bei regelmäßigem Konsum sogar noch Wochen nach dem letzten Joint. Schon wenn nur kleine Mengen des Wirkstoffs nachgewiesen werden können, gilt das als Ordnungswidrigkeit. Die Führerscheinstellen gehen allen gemeldeten Verdachtsfällen nach, und in der Regel wird der Führerschein sofort entzogen. Danach steht meist eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung auf dem Programm. Darüber hinaus drohen Strafen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Kann Cannabis heilen? In der Heilkunde hat Cannabis eine lange Tradition, in China soll die Hanfpflanze schon vor 6000 Jahren zu Heilmitteln verarbeitet worden sein. Im 20. Jahrhundert jedoch wurde Cannabis nach und nach durch andere Medikamente ersetzt. Seit 2011 sind Cannabisprodukte in Deutschland zur Herstellung von Arzneimitteln verkehrsfähig, cannabishaltige Fertigarzneimittel sind verschreibungspflichtig. Cannabis wird eingesetzt gegen Übelkeit bei Krebs- und Aids-Patienten, zur Appetitsteigerung bei Krebs und Aids, zur Muskelentspannung bei Multipler Sklerose, zur Reduzierung des Augeninnendrucks bei einem Glaukom und zudem als Schmerzmittel. Wegen der psychoaktiven Nebenwirkungen wird Cannabis aber oft erst dann verschrieben, wenn alle anderen Therapiemaßnahmen versagen.

Die Informationen gehen zurück auf die Cannabis-Basisinformationen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen.

Quelle: n-tv.de, asc

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