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Plötzlicher Herztod beim LaufenWie gefährlich ist ein Marathon fürs Herz?

05.07.2026, 10:15 Uhr Hedviga-NyarsikVon Hedviga Nyarsik
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Ein Marathonlauf ist für das Herz eine extreme Belastung. (Foto: picture alliance / ANP)

Regelmäßiges Ausdauertraining schützt das Herz - das steht fest. Doch die extreme Belastung eines Marathons kann unter bestimmten Umständen auch zur Gefahr werden. Sportmediziner warnen deshalb vor unentdeckten Herzkrankheiten, Infekten und falschem Ehrgeiz.

Früher war Laufen eher ein Nischensport, heute liegt Joggen absolut im Trend. Und die Königsdisziplin ist der Marathon. 1970 starteten beim ersten New York City Marathon gerade einmal 127 Läufer - nur 55 erreichten das Ziel. Vergangenes Jahr überquerten 59.226 Menschen aus fast 130 Ländern die Ziellinie. Marathonlaufen ist also beliebter denn je, schließlich gilt es als gesunder Extremsport.

Doch es gibt auch immer wieder Berichte über Läufer, die auf der Strecke sterben oder mit einem Herzstillstand zusammenbrechen. Vergangenes Jahr traf es bei verschiedenen Marathonläufen den US-Amerikaner Charles Rogers, den Letten Roland Liinar und die Irin Ellen Cassidy - alle waren junge, gesunde und fitte Menschen. Wie gefährlich ist es also für das Herz, mehr als 42 Kilometer am Stück zu laufen?

Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen

Die bislang größte aktuelle Analyse dazu stammt aus den USA und wurde 2025 im "Journal of the American Medical Association" (JAMA) veröffentlicht. Erfasst wurden 29,3 Millionen Zieleinläufe bei Marathons und Halbmarathons zwischen 2010 und 2023. In dieser Zeit kam es zu 176 Herzstillständen und 59 Todesfällen. Umgerechnet entspricht das etwa einem Todesfall auf rund 500.000 Läufer. Die gute Nachricht: Im Vergleich zu den 2000er-Jahren ist die Sterblichkeit deutlich gesunken. Damals starb statistisch noch etwa ein Läufer pro 256.000 Teilnehmern. Die Autorinnen und Autoren führen die positive Entwicklung unter anderem auf schnellere Reanimation und den raschen Einsatz automatischer Defibrillatoren zurück.

Laut Studie war das Risiko für Herzstillstände bei Männern höher als bei Frauen und bei Marathons höher als bei Halbmarathons. Außerdem ereigneten sich die meisten Zwischenfälle im letzten Viertel des Rennens, besonders häufig nahe der Ziellinie. Als häufigste bekannte Ursache nannten die Autoren eine koronare Herzkrankheit - also verengte Herzkranzgefäße, die gerade bei älteren Läufern oft lange unbemerkt bleiben.

Dass die Schlussphase eines Rennens besonders heikel sein könnte, stützt auch eine aktuelle französische Studie vom Februar 2026. Sie erfasste in Paris über zehn Jahre 1,2 Millionen Läuferinnen und Läufer bei Ausdauerwettbewerben. Dabei registrierten die Forschenden 17 plötzliche Herzstillstände, davon 15 bei Männern. Neun der Notfälle passierten auf dem letzten Kilometer, acht davon bei Männern. Die Autorinnen und Autoren können nach eigenen Angaben zwar nicht sicher belegen, dass der Schlusssprint der Auslöser war. Das Muster sei aber auffällig.

Dass Männer übermäßig betroffen sind, zeigt sich auch in anderen Studien. Eine systematische Übersichtsarbeit im Fachmagazin "Sports Medicine" kam 2025 zu dem Ergebnis, dass plötzlicher Herztod oder Herzstillstand im Wettkampfsport bei Männern mehr als fünfmal häufiger auftritt als bei Frauen. Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden Unterschiede in der Herzstruktur, in der Anpassung des Körpers an intensives Training und im Wettkampfverhalten. Im Männersport könnten demnach sowohl Biologie als auch Risikoverhalten eine Rolle spielen.

"Vor dem Ziel ging der Ehrgeiz mit ihnen durch"

Der Münchner Sportkardiologe Martin Halle hält beide Erklärungen für plausibel. Seine Vermutung: Viele Läufer teilten sich ihre Kräfte zunächst gut ein, "aber kurz vor dem Ziel ging der Ehrgeiz mit ihnen durch und sie sprinteten los", sagt er der "Ärzte Zeitung". Wer eine unerkannte Herzerkrankung habe, könne dann genau in diesem Moment einen Zusammenbruch des Herz-Kreislauf-Systems erleiden. Ähnlich argumentiert der Bayreuther Kardiologe Christian Stumpf. Sein Rat an Patienten sei klar: "Rennen Sie mit konstanter Geschwindigkeit und verkneifen Sie sich das Sprinten", sagt er der Zeitung.

Beide Experten betonen, dass Marathonlaufen nicht per se schädlich für das Herz ist. Im Gegenteil. Regelmäßiges Ausdauertraining senkt langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Problem ist eher die extreme Belastung am Wettkampftag - vor allem bei Menschen mit unentdeckten Risiken. Die neue deutsche sportmedizinische Leitlinie empfiehlt deshalb Erwachsenen, die neu mit Sport beginnen oder ihr Training deutlich intensivieren wollen, eine sportmedizinische Untersuchung. Dazu gehören Anamnese, körperliche Untersuchung und ein Ruhe-EKG. Ein Belastungs-EKG kann je nach individuellem Risiko und Beschwerden ergänzt werden.

Gerade für Läufer über 35 ist so ein Checkup Experten zufolge relevant. In dieser Altersgruppe steht hinter einem plötzlichen Herztod beim Sport häufig keine seltene Erbkrankheit mehr, sondern klassische Arteriosklerose, also eine Verkalkung oder Verengung der Arterien durch Ablagerungen an den Gefäßwänden. Genau deshalb rät Kardiologe Stumpf, vor Beginn intensiven Trainings auch die üblichen Risikofaktoren konsequent abzuklären: Blutdruck, Blutfette, Diabetes, familiäre Vorbelastung.

Auch die Psyche muss fit sein

Hinzu kommt ein oft unterschätzter Punkt bei überhöhtem Ehrgeiz: Man sollte nie mit einem Infekt laufen. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie warnt, dass sportliche Belastung bei Herzmuskelentzündung tabu ist. Diese kann Rhythmusstörungen und im Extremfall sogar plötzlichen Herztod auslösen. Auch eine Übersichtsarbeit von 2020 betont, dass Entzündungen des Herzmuskels eine wichtige Ursache für Herzrhythmusstörungen und plötzlichen Herztod bei körperlich aktiven Menschen sein können. Wer Fieber, Gliederschmerzen, starken Husten, Durchfall oder ungewöhnliche Erschöpfung hat, sollte nicht einmal trainieren, geschweige denn einen Marathon laufen.

Nichtsdestotrotz, in den allermeisten Fällen ist ein Marathon für das Herz ungefährlich, aber nicht automatisch. Wer gut trainiert ist, Warnzeichen ernst nimmt, nicht krank an den Start geht und sein Risiko vorher prüfen lässt, senkt die Gefahr deutlich. Wer dagegen mit Infekt läuft, Schmerzen wegdrückt oder auf dem letzten Kilometer um jeden Preis noch die Bestzeit erzwingen will, geht unnötig ein Risiko ein.

Quelle: ntv.de

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