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Immungedächtnis schwankt Wie lange ist man nach Corona immun?

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Für die Studie war den Probanden in bestimmten Abständen immer wieder Blut abgenommen worden.

(Foto: imago images/Eibner)

Bisher war eher unklar, wie lange man nach einer Corona-Infektion immun gegen eine erneute Ansteckung ist. Mit Daten von US-Forschern lässt sich der Zeitraum nun erstmals genauer eingrenzen. Allerdings kann es dabei erhebliche Abweichungen geben.

Bei aller Sorge, die man vor einer Corona-Infektion haben sollte, einen Vorteil hat sie - der Körper kommt mit dem Virus in Kontakt und kann darauf eine Immunantwort bilden. Allerdings war bisher sehr unklar, wie lange die dadurch gewonnene Immunisierung gegen das Virus anhält. Eine US-Studie legt dazu nun neue Daten vor. Demnach sind bei den meisten Patienten auch acht Monate nach einer überstandenen Infektion wichtige Komponenten des Immungedächtnisses nachweisbar.

Das Forschungsteam vom La Jolla Institute for Immunology verfolgte für seine im Magazin Science erschienene Studie über acht Monate hinweg das Immungeschehen bei 188 Covid-19-Patienten. Die 80 Männer und 108 Frauen kamen aus Kalifornien oder New York. Die meisten hatten einen "milden" Verlauf von Covid-19, bei dem kein Krankenhausaufenthalt erforderlich war. Lediglich 7 Prozent der Probanden wurden im Krankenhaus behandelt, einige auch auf der Intensivstation.

Über Blutproben ermittelten die Wissenschaftler den Gehalt der für das Spike-Protein von Sars-CoV-2 spezifischen Antikörper, von B-Gedächtniszellen, von CD4+-T-Zellen und von CD8+-T-Gedächtniszellen. Dabei handelt es sich um vier Komponenten des sogenannten Immungedächtnis. B-Gedächtniszellen bewahren sozusagen die "Bauanleitung" für die virenspezifischen Antikörper auf und ermöglichen bei erneutem Virenkontakt schnell die Produktion großer Mengen dieser Antikörper. CD4+- und CD8+-T-Gedächtniszellen "merken" sich ebenfalls bestimmte Proteine oder Proteinteile des Virus und fördern bei einer Zweitinfektion unter anderem die Aktivierung von T-Killerzellen und von T-Helferzellen, die dann antivirale Botenstoffe freisetzen.

Gutes Immungedächtnis

95 Prozent der Patienten in der Studie trugen noch fünf bis acht Monate nach der überstandenen Infektion mindestens drei dieser Komponenten in sich. Die Menge der neutralisierenden Antikörper nahm zwar bei den meisten Probanden über die Zeit langsam ab, bei einigen waren beispielsweise die virusspezifischen Immunglobulin-G-Antikörper nach knapp drei Monaten nur noch in geringen Mengen nachweisbar.

90 Prozent der Patienten wurden jedoch auch nach sechs bis acht Monaten noch positiv auf neutralisierende Antikörper gegen Sars-CoV-2 getestet, berichten Jennifer Dan und ihr Team. Lange erhalten bleiben demnach auch meist die Abwehr- und Gedächtniszellen. Die B-Gedächtniszellen nahmen in den vier Monaten nach der Infektion sogar noch weiter zu und blieben dann auf einem hohen Niveau. "Basierend auf unseren Beobachtungen ist das B-Zell-Gedächtnis robust und wahrscheinlich lange anhaltend", stellen die Forscher fest.

Auch die CD4+-T-Gedächtniszellen konnten bei 92 Prozent der Probanden noch sechs Monate nach der Infektion nachgewiesen werden. Die virusspezifischen CD8+-T-Zellen nehmen hingegen schneller ab. Nach einem Monat waren sie noch bei 70 Prozent der Teilnehmenden nachweisbar, nach sechs Monaten nur noch bei der Hälfte. Trotzdem gehen die Forscher davon aus, dass der Immunschutz gegen Sars-CoV-2 bei sehr vielen Menschen mindestens sechs bis acht Monate anhält. In dieser Zeit ist man nach ihrer Ansicht auch zumindest gegen schwere Verläufe von Covid-19 geschützt.

Die Ärzte und Wissenschaftler vermuten, dass ihre Ergebnisse auch auf Schutzimpfungen übertragbar sind. Das wisse man aber erst sicher, wenn man dazu ähnliche Daten erhoben hat. Allerdings zeige die Studie auch, wie unterschiedlich die Immunantwort ausfallen kann, die sich dann auch im Immungedächtnis widerspiegelt. In der Untersuchung gab es einen Anteil von unter fünf Prozent der Probanden, bei denen dieses Immungedächtnis eher schwach ausfiel. Sie könnten relativ schnell wieder anfällig für eine Re-Infektion werden, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle: ntv.de, sba