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Effekt nach 15 Minuten messbarWieso Patienten in der Notaufnahme VR-Brillen tragen sollten

26.09.2026, 02:27 Uhr
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Eine virtuelle Landschaft über VR-Brille und klassischer Musik kann einen entgleisten Blutdruck in der Notaufnahme schnell sinken lassen. (Foto: picture alliance / Zoonar)

Menschen mit plötzlich stark erhöhtem Blutdruck landen oftmals in der Notaufnahme. Dort treffen Ungewissheit, grelles Licht und akuter Stress aufeinander - und der Blutdruck bleibt hoch. Eine virtuell erzeugte Landschaft in Kombination mit Musik kann das ändern.

Das Betrachten einer virtuellen Landschaft und das gleichzeitige Hören bestimmter klassischer Musik können dazu führen, dass der hohe Blutdruck bei Patienten und Patientinnen in der Notaufnahme sinkt. Das hat ein Forschungsteam aus der Türkei herausgefunden. Das deutliche Absinken des Blutdrucks tritt bereits nach 15 Minuten ein, schreiben die Notfallmediziner, die ihre Studienergebnisse auf dem Europäischen Kongress für Notfallmedizin in Paris vorgestellt haben.

Für die Untersuchung wurden insgesamt 130 Erwachsene gewonnen, die mit einem plötzlichen, starken Anstieg des Blutdrucks, der ohne Organschäden einhergeht, in eine Notaufnahme eingeliefert wurden. Die Betroffenen erhielten alle blutdrucksenkende Medikamente und wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Kontrollgruppe erhielt nur die Medikamente. Die Studienteilnehmer der anderen Gruppe bekamen eine Virtual-Reality-Brille (VR-Brille), wie sie auch in Videospielen benutzt werden.

Angst und Ungewissheit können Blutdruck erhöhen

Eine Entgleisung des Blutdrucks wird auch als hypertensive Krise bezeichnet. Sie kann zu Kopfschmerzen oder starkem Druck im Kopf, Herzklopfen, Schwindelgefühl und Unsicherheit führen. Hinzu kommen Übelkeit und Erbrechen, ein starkes Hitzegefühl und innere Unruhe. Mögliche Krankheitszeichen sind auch Nasenbluten, Zittern sowie innere Unruhe. Oftmals spielen Angst und sogar Panik eine Rolle.

"Das ist nicht nur emotional, sondern auch medizinisch relevant, denn Angst führt zur Ausschüttung von Stresshormonen, die die Blutgefäße verengen und den Blutdruck weiter in die Höhe treiben", erklärt Safa Dönmez, Erstautor und Professor für Notfallmedizin an der Universität für Gesundheitswissenschaften in Ankara, laut einer Mitteilung. Die Atmosphäre in der Notaufnahme und die Unsicherheit könnten den Zustand der Betroffenen weiter verschlimmern.

Die Forschenden wollten herausfinden, ob es eine Möglichkeit gibt, die Patienten und Patientinnen in der Notaufnahme zu beruhigen und wie sich eine solche Beruhigung auf den Blutdruck auswirkt. Die Studienteilnehmer in der VR-Gruppe wurden in eine virtuelle Realität mit einer friedlichen Naturlandschaft mit hohen Bäumen, einer Hängebrücke und einem Fluss, der durch einen Wald fließt, geführt. Gleichzeitig hörten sie ausgewählte klassische Musik, die sie weiter beruhigen sollte.

Die Forschenden maßen bei allen Studienteilnehmenden den Blutdruck nach 15, 30, 60, 90 und 120 Minuten und ermittelten daraufhin den sogenannten mittleren arteriellen Druck MAP (Mean Arterial Pressure). Ein normaler MAP liegt bei etwa 70 bis 100 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg). Die Patienten und Patientinnen dieser Studie kamen mit MAP-Werten von 130 bis 138 mmHg in die Notaufnahme.

Weil Angst ein Blutdrucktreiber sein kann, wurden zudem alle Probanden und Probandinnen aufgerufen, in standardisierten Fragebögen anzugeben, wie ängstlich sie im Moment sind und wie ängstlich man sonst als Person ist. Die Skalenwerte reichen von 20 bis 80, wobei ein höherer Wert auch stärkere Angst beschreibt.

Maßnahme wirkt auf Angst und Blutdruck

Bei der Auswertung aller Daten zeigte sich: "Nach 15 Minuten wiesen die Patienten der VR-Gruppe sowohl einen niedrigeren absoluten Blutdruckwert als auch eine stärkere Blutdrucksenkung gegenüber dem Ausgangswert auf als die Kontrollgruppe", erklärte Kadir Yenal, Facharzt für Notfallmedizin am Bilkent City Hospital in Ankara, der an der Untersuchung beteiligt war, laut Mitteilung. Der Blutdruck der VR-Gruppe sank zu Anfang um vier bis fünf mmHg stärker als der Kontrollgruppe. Anschließend verringerte sich der Unterschied. Nach 60 Minuten seien die Werte beider Gruppen im Wesentlichen gleich gewesen, so Yenal.

Auch bei der Verringerung der Angstwerte zeigten sich relevante Unterschiede. Die Personen in der VR-Gruppe starteten zwar mit insgesamt höheren Angstwerten, das Ansehen der Landschaft in Kombination mit klassischer Musik führte jedoch zu einer Verringerung der Angst um durchschnittlich acht Punkte. In der Kontrollgruppe hingegen lag dieser Wert bei vier Punkten. Da die Personen aus der VR-Gruppe von einem insgesamt höheren Angstniveau kamen, sei die Verringerung der Angst "umso bemerkenswerter", so Yenal. Nach dem Beobachtungszeitraum von zwei Stunden hatten beide Gruppen ein ähnliches Angstniveau erreicht.

Positiver Effekt verblasst mit der Zeit

Die Ergebnisse der Untersuchung liefere aussagekräftige Beweise dafür, dass der Ansatz sicher, durchführbar und vorteilhaft bei der Reduzierung von Angstzuständen und Blutdruck sei, so Dönmez. "In einer stark frequentierten Notaufnahme ist eine rasche Blutdruckkontrolle wichtig - sowohl für die Patientensicherheit als auch für den effizienten Ressourceneinsatz. Wenn eine nicht-medikamentöse Maßnahme diesen Prozess auch nur geringfügig beschleunigen kann, ist sie von praktischem Nutzen", fasst der Notfallmediziner zusammen. Der mit der Zeit abnehmende Effekt deute jedoch darauf hin, dass die Maßnahme eher die anfängliche Stabilisierung als die langfristige Blutdruckkontrolle unterstütze.

Für die Zukunft sind weitere Untersuchungen in mehr Krankenhäusern mit längerer Nachbeobachtungszeit geplant. Dabei sollen die Effekte von VR und klassischer Musik getrennt untersucht werden. Zudem wollen die Forscher herausbekommen, ob es einen Unterschied macht, wenn Patienten und Patientinnen ihre eigene Musik auswählen können. Bei der Untersuchung wurden Stücke von Bach, Mozart, Debussy, Vivaldi und Tschaikowsky verwendet.

Quelle: ntv.de, jaz

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