Fall eines Happy-Heart-SyndromsZu viel empfundenes Glück kann das Herz brechen

Vom sogenannten Broken-Heart-Syndrom haben schon viele gehört. Doch es gibt auch das wesentlich weniger bekannte Gegenstück dazu. Eine Fallstudie gibt Aufschluss darüber.
Mediziner und Medizinerinnen in den USA haben über die Erkrankung einer Patientin berichtet, die Herzprobleme bekam, weil sie Glück im Übermaß empfand. Die Krankheitsgeschichte der Frau, die im Fachjournal "Oxford Medical Case Reports" veröffentlicht wurde, wird mit Happy-Heart-Syndrom und damit als Gegenstück zum bekannteren Broken-Heart-Syndrom bezeichnet. Damit soll auf die Besonderheiten des Zustandes, der durch positive Emotionen ausgelöst wird und in der Akutphase lebensbedrohlich sein kann, aufmerksam gemacht werden.
Im beschriebenen Fall geht es um eine 65-jährige Frau, die wegen Atemnot, Brustschmerzen und einem akuten Notfallzeichen im EKG mit Verdacht auf einen Herzinfarkt in die Notaufnahme einer Klinik überwiesen wurde. Die Beschwerden der Frau traten anfallsartig auf und nahmen ihren Angaben zufolge bei körperlicher Belastung zu.
Verdacht auf Herzinfarkt konnte nicht bestätigt werden
Im Krankenhaus wurden mehrere Untersuchungen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass das Herz der Patientin tatsächlich schlecht durchblutet wurde. Minderdurchblutungen dieser Art werden typischerweise von Blutgerinnseln ausgelöst. Doch die Ärzte und Ärztinnen konnten keines finden und schlossen damit einen Herzinfarkt aus. Stattdessen sahen sie auf den Bildern der Herzkatheteruntersuchung eine eigenartige Ausbuchtung der linken Herzkammer, die zu den Beschwerden der Patientin führte.
Die Veränderungen in der linken Herzkammer ließen die Ärzte und Ärztinnen der Frau schließlich erkennen, dass es sich bei den Beschwerden um das sogenannte Takotsubo-Syndrom oder um die Takotsubo-Kardiomyopathie, kurz TTS, handelte. Also um eine seltene und oft übersehene Krankheit, bei der sich die Struktur des Herzgewebes verändert, was wiederum zu einer Einschränkung der Pumpleistung und schließlich zur Herzschwäche führt. Die Krankheitszeichen bei der Störung sind denen, die bei einem Herzinfarkt auftreten, überaus ähnlich und erschweren deshalb die Diagnose.
Erstbeschreibung der Störung in Japan
1983 wurde erstmals diese Art der Störung im Krankenhaus der japanischen Stadt Hiroshima dokumentiert. Die Beschreibung des Syndroms als eigenständige Erkrankung gelang 1990 einer japanischen Kardiologengruppe um Hikaru Sato. Das auch als Stress-Kardiomyopathie bezeichnete Syndrom wird durch intensive emotionale Erlebnisse - negative wie positive - oder außerordentliche körperliche Belastungen ausgelöst. Wo genau die Ursachen dafür liegen, konnte bisher jedoch nicht geklärt werden.
"Takotsubo" stammt aus dem Japanischen und heißt "Tintenfischfalle". Die Forschenden entschieden sich dafür, weil die linke Herzkammer der betroffenen Patientinnen und Patienten in der Akutphase der Erkrankung eine bauchige Form mit einem engen Hals annimmt, die stark an diese traditionellen japanischen Oktopusfallen erinnert.
Akutphase kann lebensgefährlich sein
Auch wenn sich die Veränderungen am Herzen sowie die Herzfunktionen bei der Mehrzahl der Betroffenen nach einigen Wochen wieder normalisieren, kann die Störung im Akutstadium ernste und sogar lebensbedrohliche Komplikationen nach sich ziehen. Betroffene sollten sich deshalb so schnell wie möglich in ärztliche Behandlung begeben und von außerordentlichen emotionalen Zuständen berichten.
Auch die 65-jährige Patientin, deren Happy-Heart-Syndrom geschildert wurde, erholte sich vollständig von ihren Herzproblemen. Die behandelnden Ärzte gehen davon aus, dass ein Übermaß an Glück und Freude bei der Hochzeit ihrer Tochter zu außergewöhnlichem Stress geführt hat, der sich auch in ihrem Herzen und schließlich in Form des TTS bemerkbar gemacht hat. Den berichtenden Ärzten zufolge freue sich die genesene Patientin darauf, "in den kommenden Jahren die schönsten Meilensteine ihrer anderen Kinder mitzuerleben". Das Risiko für ein erneutes Auftreten des Syndroms scheint dem aktuellen Wissensstand zufolge gering zu sein.