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Der Ford Focus hat einen hohen Nutzwert und bietet mehr Platz als die meisten Konkurrenten in seiner Klasse.
Der Ford Focus hat einen hohen Nutzwert und bietet mehr Platz als die meisten Konkurrenten in seiner Klasse.(Foto: n-tv.de/Busse)

Ford Focus Turnier 2,0-TDCi: Wenn schon kein Van …

von Axel F. Busse

Ein Kombi wie der Ford Focus Turnier ist für viele Käufer das ideale Spar-Auto. Die Kunden suchen mehr Platz als das, was kompakte Limousinen gewöhnlichen bieten, ersparen sich aber den Wechsel in eine höhere Klasse. Wenn es schon kein Van sein soll oder aus finanziellen Gründen nicht sein kann, dann doch wenigstens ein Familienlaster, der reichlich Nutzwert bei überschaubaren Ausmaßen bietet. In der Basisversion und als Benziner ist dieser Ford immerhin schon für 18.650 Euro zu haben. Ein Diesel kostet mindestens 2100 Euro mehr.

Die für diesen Praxistest ausgewählte Modellvariante verfügte über einen Zweiliter-Dieselmotor mit 163 PS. Im Unterschied zum 115 PS starken 1,6 Liter Diesel ist dieser Motor nicht mit einem Start-Stopp-System zu haben. In der Titanium-Ausstattung kostet der 2,0-TDCi-Fünftürer ohne zusätzliche Extras 27.250 Euro.

Bis zu 600 Kilogramm Zuladung

Mit 490 Liter Ladevolumen, das bei umgelegter Rückbank auf beachtliche 1516 Liter wächst, kann der Focus Turnier sich sehen lassen.
Mit 490 Liter Ladevolumen, das bei umgelegter Rückbank auf beachtliche 1516 Liter wächst, kann der Focus Turnier sich sehen lassen.(Foto: n-tv.de/Busse)

Wer einen Kombi kauft, der will den Laderaum, sonst würde er sich wohl für eine Limousine entscheiden. Deshalb sei zuerst auf die Transportkapazität geschaut. 490 Liter Volumen sind es, wenn alle fünf Plätze gebraucht werden, bis zu 1516 Liter kann man nutzen, wenn man die zweite Sitzreihe umklappt. Das geht bequem und schnell. Die Ladehöhe ist mit 59 Zentimetern angenehm niedrig. Mit einer Tiefe von knapp 1,60 Metern kann man zwar keine Surfbretter transportieren, für die meisten anderen Aufgaben reicht es, zumal eine Breite von 1,10 Metern ausgenutzt werden kann. 600 Kilogramm erlaubter Zuladung sind für dieses Fahrzeugsegment eine Größenordnung, die sich sehen lassen kann. Unter der geöffneten Klappe riskiert man bis 1,88 Meter Körpergröße keine Beule am Kopf.

Die im Cockpit gebotene Fülle an Informationen kann für den Fahrer störend wirken.
Die im Cockpit gebotene Fülle an Informationen kann für den Fahrer störend wirken.(Foto: n-tv.de/Busse)

Abgesehen davon, dass der Knopf zum Starten des Motors für manche Fahrer im Schatten des Lenkradkranzes liegt, fällt die Grob-Orientierung im Cockpit nicht schwer. Zwischen den beiden Rundinstrumenten ist ein farblich etwas gewagtes, aber klar ablesbares Display platziert, über das Bordcomputer-Daten ebenso abrufbar sind wie Musiktitel aus der Audio-Anlage. Sie gehört ab der Ausstattungslinie "Trend" zum Lieferumfang. Was trotz guter Absichten leicht ins Gegenteil umschlagen kann ist die Fülle der Informationen und die große Zahl der abrufbaren Funktionen. Die zentrale Konsole erweckt den Eindruck, als habe der Kommandostand des Raumschiffs Enterprise als Vorbild gedient. Überladen wirkt auch das Multifunktionslenkrad, wo dem Anschein nach die Designverliebtheit vor die tatsächlichen Erfordernisse gestellt wurde. Rund 20 verschiedene Funktionen müssen dort nun wirklich nicht konzentriert werden.

Bedienbarkeit: Zu viel des Guten

Der 2,0-TDCi-Motor ist mit 163 PS der Zugkräftigste in der Baureihe.
Der 2,0-TDCi-Motor ist mit 163 PS der Zugkräftigste in der Baureihe.(Foto: n-tv.de/Busse)

Fast zwangsläufige Folge des Information-Overloads war in diesem Falle der mehrfach gescheiterte Versuch, ein Bluetooth-Telefon mit dem Bordsystem zu koppeln. Die logisch erscheinenden und naheliegenden Schritte des Anschlusses führten nicht zum gewünschten Ergebnis, eine selbst erklärende Menüführung fehlt. Auch der Anwahl eines Fahrtziels aus dem Navigationsmenüs fehlt die Einfachheit, die die Streckenführung mittels elektronischer Helfer zum Vergnügen macht. Nicht immer sind die gegebenen Informationen nützlich: "Achtung: L 1008 Sperrung!" meldet sich plötzlich die Stimme, die sagt wo’s langgeht. Aber wem nützt das, wenn die Grafik gar nicht zeigt, ob man schon auf der so nummerierten Straße unterwegs ist oder sie noch bevorsteht?

Mit einer kraftvoll-kernigen Stimme meldet sich der Zweiliter-Motor nach dem Kaltstart zu Wort, wird im Laufe der Fahrt aber sanfter und gemütlicher. Mit 340 Newtonmetern Drehmoment stellt diese Variante die zugkräftigste der Baureihe dar. Allerdings werden auch 2000 Umdrehungen gebraucht, um diesen Schub zu entfachen, so dass „unten herum“ noch ein bisschen mehr Temperament wünschenswert wäre. Die 115-PS-Version dieses Motors gibt zum Beispiel schon bei 1500 Umdrehungen 300 Newtonmetern ab. Auf dem Prüfstand begnügte sich der Diesel mit einem Durchschnittsverbrauch von fünf Litern je 100 Kilometer. Auch der Liter mehr, der während dieser Testfahrt verbrannt wurde, stellt keinen schlechten Wert dar.

Als Sparhilfe bietet Ford eine Schaltempfehlung im Display an, die allen nützt, die dazu neigen, zu lange im gewählten Gang zu bleiben. Nicht immer aber ist der höchste Gang die beste Wahl. Wer zwischen 60 und 70 km/h schon im sechsten Gang angekommen ist, wird sich über die brummige Gangart des Motors wundern, dem solch niedrige Drehzahlen offenbar nicht liegen

Der Wohlfühlfaktor stimmt

Das 1446 Kilogramm schwere Gefährt wird laut Hersteller binnen 8,8 Sekunden auf 100 km/h angeschoben. Ebenfalls aus dem Ford-Datenblatt stammt das Versprechen, dass die Fuhre bis auf 218 km/h zu beschleunigen ist. Für den Testwagen traf das nicht zu, ihm ging auch nach mehreren Anläufen bei 205 km/h die Puste aus (GPS-Messung). Nun ist ja ein Kombi auch kein Sportwagen, so dass die Endgeschwindigkeit nur von minderer Bedeutung ist.

Wichtiger dürfte den Insassen der Wohlfühlfaktor sein, für den Ford mit der Focus-Neuauflage einiges getan hat. Die verwendeten Materialien wirken höherwertig, die Polster sind von guter Qualität, die Sitze bieten genügend Seitenhalt. Nur das Verstellrad für die Lehnenneigung der Vordersitze ist ungünstig platziert. Die Lenkung vermittelt guten Kontakt zur Straße, der Federungskomfort gehört zum Besten in der Kompaktklasse.

Das Titanium-Ausstattungspaket lässt kaum Wünsche offen. Bringt schon die Basisversion einen höhenverstellbaren Fahrersitz, den Bordcomputer und Zentralverriegelung mit, sind bei der Topausstattung auch CD-Radio, 2-Zonen-Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Nebelscheinwerfer und weitere Annehmlichkeiten an Bord. Einen automatisch abblendbaren Innenspiegel hat noch nicht einmal jede Premium-Limousine ab Werk dabei. Tempomat, Licht- und Regensensor verstehen sich von selbst.

Fazit: Die Neuauflage des Focus hat auch den Turnier attraktiver gemacht. Mit einem Kombi-Anteil von etwa 53 Prozent in Deutschland, zeigt das Modell aber, dass es eine andere Klientel anspricht als zum Beispiel der größere Bruder Mondeo, wo rund drei Viertel der Kunden die Turnier-Variante wählen. Für junge Familien etwa, wo das einzige Fahrzeug im Haushalt für den Job ebenso gebraucht wird wie für die Urlaubsfahrt, ist ein Auto wie der Focus Turnier eine gute Wahl. Ob es gleich der leistungsstärkste Diesel sein muss, steht auf einem anderen Blatt.

DATENBLATTFord Focus Turnier 2,0 TDCi
Abmessungen4,56 / 1,83 / 1,505 m
Leergewicht (DIN)1446 kg
Sitzplätze5
Anhängelast gebremst/ungebremst1500/720 Kilogramm
Ladevolumen490-1516 Liter
max. Zuladung604 kg
Motor/Hubraum4-Zyl. Diesel-Motor mit 1997 ccm
Getriebe6-Gang manuell
Leistung120 kW / 163 PS
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit218 km/h
max. Drehmoment340 Nm von 2000 - 3250 U/min
Tankinhalt60 l
Beschleunigung 0-100 km/h8,8 s
Normverbrauch (außerorts/ innerorts/ kombiniert)6,3 / 4,2 / 5,0 l
Testverbrauch6,0 l
AbgasnormEU5
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
129 g/km
Grundpreis27.250 Euro
Preis des Testwagens31.920 Euro

Quelle: n-tv.de

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