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Kaufhof, Karstadt, Hertie: Die Geschichte der Warenhäuser

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Kaufhof, ...

Kaufhof, ...

Kaufhof, ...

... Karstadt ...

... und Hertie.

Sie alle haben ihren Platz im Geschichtsbuch Deutschlands.

1879 eröffnete der 30-jährige Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Geschäft für Garne und Stoffe und legte damit den Grundstein für den Kaufhof.

Tietz und die anderen Väter der Warenhäuser führten damals neue Geschäftsideen ein: Festpreise, Barzahlung, Rückgaberecht.

1891 eröffnete Tietz die Filiale an der Kölner Hohen Straße. Er verlagerte die Geschäftszentrale nach Köln, und von dort aus expandierte das Unternehmen.

Sein Cousin Oscar Tietz gründete 1882 unter dem Namen "Tietz" sein erstes Warenhaus in Gera. Daraus ging später die Kaufhauskette Hertie hervor.

1927 übernahm "Tietz" das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin.

Die Gründungsgeschichte von Karstadt geht auf das Jahr 1881 zurück. Rudolph Karstadt eröffnete damals in Wismar das "Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft Karstadt".

1912 ließ er das erste Großstadt-Warenhaus bauen - in der Hamburger Mönckebergstraße. Heute ist es eines der Aushängeschilder des Konzerns.

Anfang des 20. Jahrhunderts klingelten bei den Warenhäusern kräftig die Kassen. Schnell wuchsen die Imperien.

Dieser Höhenflug hielt an bis zur Machtergreifung durch die NSDAP.

Die Familie Tietz war jüdisch und wurde durch das Hitlerregime im Zuge der "Arisierung" enteignet.

Damals entstand auch der Name Hertie. Schon vor der Enteignung war der Name "Tietz" verboten worden. So benannte man das Unternehmen nach dem Onkel von Oscar, HERmann TIEtz.

35 der 40 Kaufhof-Häuser wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Ähnlich erging es Karstadt und Hertie.

Es folgte der Wiederaufbau - und die Warenhäuser wurden zum Symbol des Wirtschaftswunders.

Die Kunden rannten Kaufhof, Karstadt und Co. die Geschäfte ein.

Durch ihr breites Sortiment waren die Warenhäuser besser ausgestattet als die kleinen Tante-Emma-Läden.

In den 50er und 60er Jahren sonnten die Konzerne sich in ihrer Vormachtstellung in Deutschland.

Die Warenhäuser drangen in die Innenstädte kleinerer Städte vor. Doch damit verspekulierten sich die Konzerne.

Die Kunden strömten nicht mehr wie gewünscht in die Geschäfte.

Statt dessen wuchsen am Stadtrand, auf der grünen Wiese, ...

... neue Einkaufszentren aus dem Boden.

Mit ihrem Erfolg zog es die neuen Riesen samt Fachgeschäften und Edelboutiquen bald auch in die Innenstädte.

Seitdem brannte es in den Chefetagen der Kaufhaus-Konzerne.

Warenhäusern im ganzen Land gingen die Kunden aus.

Besonders Hertie musste viele Filialen wieder schließen.

1993 wurde Hertie von der Karstadt AG aufgekauft.

Zwar erlebte Hertie im neuen Jahrtausend eine Renaissance als Karstadt-Kompakt, doch 2005 verkaufte Karstadt die meisten Häuser an die englische Investorengruppe Dawnay Day.

Den Absturz von Hertie konnten auch die Briten nicht aufhalten. Stattdessen musste Hertie im Juli 2008 Insolvenz anmelden.

Insolvenzverwalter Biner Bähr hat seitdem die Aufgabe, einen Ausweg aus der Pleite zu finden. Er versucht, die fast 5000 Arbeitsplätze zu retten.

Bähr scheitert. Im August 2009 schließen die letzten Filialen für immer ihre Pforten. "Verhindert wird eine Sanierung einzig und allein durch Dawnay Day als Gesellschafter und zugleich Vermieter", schreibt Bähr in einem Brief an Hertie-Mitarbeiter.

Bei Hertie verlieren 2600 Beschäftigte ihren Job. Auch viele Karstadt-Mitarbeiter sehen sich mittlerweile auf dem Weg in Richtung Arbeitsamt.

In seiner Zeit als Karstadt-Chef muss der Manager Thomas Middelhoff muss immer wieder schlechte Geschäftszahlen offenbaren.

Der Kaufhof AG, die zur Düsseldorfer Metro Group gehört, geht es besser. Sie schreibt schwarze Zahlen.

Trotzdem möchte Eckhard Cordes, Vorstandschef der Metro Group, die Geschäftssparte Kaufhof am liebsten verkaufen.

Karstadt-Chef Middelhoff signalisiert Interesse an einer Übernahme. Allerdings fehlte ihm wohl aber schlicht und ergreifend ...

... das nötige Kleingeld dazu.

Ende Februar 2009 muss der glücklose Arcandor-Manager gehen. Die Staatsanwälte schauen sich seinen Umgang mit der Arcandor-Tochter Karstadt genauer an.

Als Middelhoffs Nachfolger steigt der frühere Telekom-Vorstand Karl-Gerhard Eick auf die Leiter. Weil Berlin jegliche Staatshilfe verweigert, schwört er die Karstadt-Mitarbeiter auf einen harten Kampf um die Arbeitsplätze ein.

Wenige Monate später gibt Eick auf. September 2009 eröffnet das Amtsgericht Essen die Insolvenzverfahren über die Gesellschaften des Handels- und Touristikkonzern Arcandor.

Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg übernimmt. Er muss sich besonders um die Arcandor-Töchter Quelle und Karstadt kümmern.

Mit Karstadt und Kaufhof stehen im Juni 2010 zeitgleich zwei große Warenhausketten in Deutschland zum Verkauf.

Während Karstadt ein Jahr nach der Pleite einen Retter sucht, könnte der Handelsriese Metro die Gunst der Stunde nutzen.

Metro-Chef Eckhard Cordes lotet den Verkauf seiner profitablen Tochter Kaufhof aus. Dazu käme die Übernahme eines Teils der Karstadt-Filialen. Kaufhof nicht ungelegen.

Die Warenhäuser stehen in vielen deutschen Städten in bester Lage. Mit den Sahnestücken aus der Karstadt-Kiste könnten Metro den Paketverkaufspreis für Kaufhof nach oben treiben.

Die Filialen von Karstadt und Kaufhof locken im Durchschnitt zusammen mehr als drei Millionen Kunden an - und das pro Tag.

Mehrere große Investoren melden Interesse an: Karstadt in einem Stück kaufen möchte zum Beispiel die deutsch-schwedische Beteiligungsgesellschaft Triton. Für Triton verhandelt Johannes Maret (Mitte).

Auch Immobilieninvestor Nicolas Bergruen - Sohn des während der Nazi-Zeit emigrierten Berliner Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen - möchte die "Kultmarke Karstadt" und die 25.000 Arbeitsplätze erhalten.

In letzter Minute gibt auch noch Highstreet ein Gebot ab. DAs US-Konsortium um die Großbank Goldman Sachs besitzt bereits rund zwei Drittel der 120 Karstadthäuser.

Die hatte der damalige Chef der Karstadt-Konzernmutter Arcandor, Thomas Middelhoff, verkauft, um Schulden abzubauen. Die nach dem Verkauf anfallenden Mietzahlungen gelten als einer der Gründe für die Insolvenz der Warenhauskette.

Immerhin: Das Konsortium, das auch Fonds der Deutschen Bank sowie den Immobilieninvestor Pirelli Re umfasst, kennt den Konzern gut - und mit dem Kaufhausbetreiber Borletti ist auch ein Branchenkenner dabei.

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