Politik
Gauland (r.) mit seinem Freund Björn Höcke bei einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt in Magdeburg.
Gauland (r.) mit seinem Freund Björn Höcke bei einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt in Magdeburg.(Foto: imago/Christian Ditsch)
Freitag, 15. September 2017

Genug an Holocaust erinnert: Gauland ist stolz auf die Wehrmacht

Von Nora Schareika

AfD-Spitzenkandidat Gauland setzt abermals auf seine Methode der unbeabsichtigt-gezielten Provokation. Beim Treffen des rechtsnationalen "Flügels" in Thüringen bekennt er sich zu seinem Stolz auf die Wehrmacht.

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland will einen Schlussstrich unter die Nazi-Vergangenheit ziehen und die Taten deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg neu bewertet sehen. In einer bislang wenig beachteten Rede sagte Gauland am 2. September beim seit 2015 jährlich stattfindenden "Kyffhäuser-Treffen" der AfD in Thüringen, kein anderes Volk habe "so deutlich mit einer falschen Vergangenheit aufgeräumt wie das deutsche". Mit Blick auf die NS-Zeit von 1933 bis 1945 fügte Gauland hinzu: "Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen."

Wenn Franzosen und Briten stolz auf ihren Kaiser oder den Kriegspremier Winston Churchill seien, "haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen", sagte der 76-Jährige. Zur deutschen Geschichte zählten der Hitler-Attentäter Stauffenberg ebenso wie der General Erwin Rommel oder "das Schlachthaus von Verdun". "Das ist deutsche Geschichte und die lassen wir nicht von einer türkischstämmigen Deutschen entsorgen", sagte Gauland und spielte damit auf seine eigene, vieldiskutierte Aussage an, man möge die Bundesintegrationsbeauftragte Aydan Özoguz in Anatolien "entsorgen".

Großer Andrang beim Treffen der Rechten

Abermals verteidigte der brandenburgische Landeschef die Formulierung. "Ja, das Wort entsorgen war eine Provokation, ich gebe zu, unbeabsichtigt, im Eichsfeld, völlig unbeabsichtigt. Aber, liebe Freunde, wie die Reaktionen zeigen, völlig richtig." Erst nach seinem Tabubruch beschäftigten sich die Medien "mit dieser Frau" und stellten die Frage danach, was denn die deutsche Kultur sei. "Von der 'FAZ' bis zur 'taz' wird plötzlich dieses Thema aufgenommen", sagte Gauland und tat so, als bedauere er, dass seine Partei Tabubrüche brauche. Es ist anzunehmen, dass Gauland die Aussagen zur Wehrmacht ebenso "völlig unbeabsichtigt" aufzeichnen ließ wie die Aussage zu Özoguz. Inhaltlich neu ist Gaulands Forderung übrigens nicht: Im Januar hatte bereits der thüringische AfD-Chef und Rechtsaußen Björn Höcke eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert.

Gauland gehört zum nationalkonservativen Teil der Partei. Zu dem Treffen lädt die Parteiformation "Der Flügel" ein, der unter anderem von Höcke gegründet wurde. Auf dem Kyffhäuser treffen sich nicht nur die sogenannten Nationalkonservativen der Partei, sondern auch AfD-ler, die gleichzeitig Anhänger der Identitären Bewegung sind, wie der sachsen-anhaltinische Landtagsabgeordnete Hans Thomas Tillschneider. Der Flügel hat die Reden mehrerer Parteipolitiker auf seiner Facebookseite veröffentlicht, darunter Höcke, Gauland, Jörg Meuthen und André Poggenburg. Höcke warnte in seiner Rede in gewohnter Dramatisierung vor einem "Kultur- und Zivilisationsbruch historischen Ausmaßes, einer kulturellen Kernschmelze", vor der "unser Deutschland" bewahrt werden müsse. Nach eigenen Angaben wollten in diesem Jahr weit mehr AfD-Mitglieder am Treffen des rechten Parteiflügels teilnehmen, als es Plätze gab.

Quelle: n-tv.de

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