Ratgeber

Tipps zum Fahrradkauf: Vieles ist überflüssig

Isabell Noé

Wer dachte, ein Auto zu kaufen sei schwer, der wird seine Meinung spätestens beim Fahrradkauf revidieren. Die Auswahl im Fahrradladen ist mittlerweile riesig und man sollte schon sehr genau wissen, was man will - und was nicht.

Je mehr Gänge, desto besser? Irrtum.
Je mehr Gänge, desto besser? Irrtum.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Trekking-, Touren- oder Mountainbike, Crossrad, Faltrad oder Citybike – oder doch das gute alte Hollandrad? Wer sich angesichts des nahenden Frühlings ein neues Fahrrad zulegen möchte, hat des wahrlich nicht leicht. Wenn man früher ein Fahrrad für den Alltagsgebrauch suchte, stellte sich allenfalls die Frage nach Alu- oder Stahlrahmen, Naben- oder Kettenschaltung. Heute muss man eine ziemlich genaue Vorstellung davon haben, was man mit dem Rad alles machen will. Denn in den letzten Jahren haben sich zwischen Rennrad, Mountainbike und Alltagsrad zahlreiche Hybridformen entwickelt.

Wer längere Radtouren unternimmt, braucht ein Trekking- oder Reiserad, auf dem sich viel Gepäck unterbringen lässt. Cityräder sind für den täglichen Einsatz auf kürzeren Strecken konzipiert. Der tiefe Einstieg ist bequem und die aufrechte Sitzposition schont den Rücken. Sportlichere Fahrer bewegen sich mit einem Crossrad durch den Alltag, einem Allrounder, der Merkmale von Rennrad und Mountainbike kombiniert. Für Pendler oder Menschen, die ihr Rad gerne auch auf Reisen dabeihaben, gibt es mittlerweile hochentwickelte Falträder, die sich in wenigen Sekunden zusammenklappen lassen.

Gutes Rad ist teuer

Unabhängig von der Typenfrage gilt: Gutes Rad ist teuer. Das passt nicht so ganz zusammen mit den Preisvorstellungen des Durchschnittskäufers, der gerade mal 570 Euro für sein Zweirad ausgeben möchte. In dieser Preisklasse wird man durchaus fündig, kann aber nicht allzu hohe Qualität erwarten. Vielfahrer, die mehrere Tausend Kilometer pro Jahr zurücklegen, müssen mehr investieren, so das Fazit des ADFC-Mitgliedermagazins "Radwelt", das entsprechende Angebote getestet hat. 

Wer mit seinem Rad lange glücklich sein will, der muss auf die Qualität der Komponenten achten. In der Werbung werden oft einzelne Highlights herausgestellt, etwa die Schaltung oder manchmal auch die Bremsen. Da wird dann beispielsweise die relativ hochwertige "Shimano Deore"-Schaltung angepriesen, während bei Kettengarnitur, Bremsen oder Laufrädern Teile aus schlechteren Komponentengruppen verbaut werden. Also: immer auf das Gesamtbild achten, denn eine gute Schaltung macht noch kein gutes Fahrrad.      

Gänge: Je mehr, desto besser?

Apropos Schaltung: Früher kam man mit drei Gängen aus, heute müssen es im Normalfall schon mindestens 21 sein - ohne dass die Landschaft bergiger geworden wäre. Mehr Gänge müssen aber nicht unbedingt mehr Komfort bedeuten, im Gegenteil: Man muss öfter schalten und dabei immer aufpassen, dass man mit der richtigen Übersetzung fährt und die Kette nicht zu schräg läuft. Zudem gibt es bei mehreren Kettenblättern immer auch Überschneidungen zwischen den Gängen. Von 27 Gängen sind letztlich nur 15 oder 16 Schaltmöglichkeiten nutzbar. Entscheidend ist deshalb weniger die Anzahl der Gänge, sondern der Abstand zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Gang. Wer auf fein abgestufte Gänge verzichten kann, ist unter Umständen mit einer Nabenschaltung besser bedient. Die ist zwar nicht so bergtauglich wie die Kettenschaltung, dafür aber auch nicht so wartungsaufwendig.

Federung kein Muss

Auch bei der Federung gilt im Zweifel: Weniger ist mehr. Wer nicht mehr als 600 Euro ausgeben möchte, verzichtet besser auf Federgabel und -sattelstütze. Billige Modelle halten selten lange durch und machen das Rad nur unnötig schwer. Eine Alternative zur Federung sind die relativ neuen Ballonreifen. Die extra-dicken Reifen dämpfen Unebenheiten genauso gut ab wie eine Federung – allerdings nur bei relativ geringem Luftdruck.    

Es werde Licht

Licht ist Pflicht, und beim Alltagsfahrrad sollte es möglichst fest installiert sein. Zwar gibt es mittlerweile auch sehr leistungsfähige Akkuleuchten, die muss man aber auch immer dabei haben, wenn's drauf ankommt. Seitenläufer-Dynamos sind nur eine Notlösung, sie versagen bei Regen oft ihren Dienst. Am zuverlässigsten sind Nabendynamos, die in die Vorderradnabe integriert sind. Bei Leuchtmitteln sind Halogenlampen mittlerweile Standard. Wer öfter im Finsteren unterwegs ist und es sich leisten kann, wählt LEDs. Hochleistungs-LED-Strahler können für  wahre Flutlichtbeleuchtung sorgen.  

Keine Chance für Diebe

Das schönste Fahrrad nützt wenig, wenn ein anderer damit herumfährt. Ein gutes Schloss ist ein Muss, aber leider nicht ganz billig. Faustregel: Zehn Prozent des Fahrradpreises sollte man investieren. Bewährt haben sich hochwertige Bügelschlösser und massive Kettenschlösser. Praktisch sind Faltschlösser, die wie ein Zollstock zusammengeklappt werden können. Wenn Diebe nicht das ganze Rad mitnehmen können, begnügen sie sich oft auch mit Laufrädern oder Sattel. Schnellspanner machen ihnen die Arbeit einfach. Gegen Gelegenheitsdiebe hilft es schon, die Schnellspanner gegen Schrauben zu tauschen. Professionelle Fahrraddiebe wird das aber nicht abhalten. Zuverlässigen Schutz bietet die "Pitlock"-Schnellspannsicherung, eine Art Codesystem für Fahrradteile.

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Quelle: n-tv.de

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