Technik
Mittwoch, 02. März 2011

Tastatur hin oder her: Tablets nur zum Spaß da?

Sind Tablets nur reine Spaß-Geräte? Oder können sie eines Tages Desktop-Rechner und Notebooks im Büro-Einsatz verdrängen. Der Usability-Experte Tim Bosenick hat da seine ganz eigene Meinung, die nicht unbedingt jeder teilen muss.

Die Idee kommt von Slider-Handys: Wenn Tipparbeit gefragt ist, lässt sich beim Samsung Sliding PC 7 die Tastatur ausziehen.
Die Idee kommt von Slider-Handys: Wenn Tipparbeit gefragt ist, lässt sich beim Samsung Sliding PC 7 die Tastatur ausziehen.(Foto: Samsung)

Tablet-PCs werden nach Expertenansicht in erster Linie Geräte zur Unterhaltung bleiben. "Schreiben ist damit auf Dauer ein Krampf", sagt Tim Bosenick. Die On-Screen-Tastatur eigne sich nur zum Tippen vergleichsweise kurzer Nachrichten. "Tablets sind wunderbar für aktive Entertainment-Nutzung wie Videos schauen oder spielen und die passive Business-Nutzung wie Mails lesen."

Dass Tablets derzeit trotzdem auf vielen Schreibtischen liegen, sei eine Lifestyle-Erscheinung. Das Tablet-Revier sei sonst eher die Couch, sagt Bosenick, der Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Sirvaluse ist. Gearbeitet werde dann aber am Laptop.

"Sieben Zoll ist ein gutes Format"

Die Display- und damit die Gerätegröße ist bei Tablets entscheidend für ihre Vielseitigkeit. "Sieben Zoll ist ein gutes Format, das passt gerade noch in die Jackentasche", sagt Bosenick. "Mit Headset ist es auch ein Handyersatz, wenn das Tablet UMTS hat."

Das Motorola Xoom ist derzeit vielleicht das beste Android-Tablet.
Das Motorola Xoom ist derzeit vielleicht das beste Android-Tablet.(Foto: Motorola)

Bei den Tablet-Betriebssystemen sieht Bosenick ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Apples iOS und Googles Android. "Ein Vorteil von Android ist die Offenheit des Betriebssystems", sagt der Experte. Außerdem seien Android-Geräte günstiger. Aber: "Die Rücknavigation funktioniert inkonsistent." Beim iPad könne man gezielt Schritte zurückgehen.

Dafür sei die Benutzerführung beim iPad wegen unangepasster iPhone-Apps, die für ein viel kleineres Display optimiert sind, oft nicht perfekt. "Da passiert gerade eine Menge Müll", sagt Bosenick. Einen eindeutigen Gewinner oder Verlierer gebe es bei iOS und Android derzeit aber nicht: "Das hält sich die Waage." Google befinde sich mit Android 3.0 (Honeycomb), das erstmals für Tablets optimiert ist, auf dem richtigen Weg. Ein wenig abgeschlagen seien hingegen Tablets mit Windows 7: Ihnen fehle die Leichtigkeit, sagt der Experte, die Bedienung sei noch "zu klobig".

Anstecken besser als ausziehen

Neue Tablet-Konzepte - zum Beispiel Geräte mit einer Tastatur zum Ausziehen - sieht Bosenick kritisch: "Da würde ich viel eher eine Tastatur anschließen." Denn bei solchen Hybriden sei eine gute Verarbeitung schwieriger - und auch die sei für die Anwender wichtig. Denn bei gut verarbeiteten Tablets stelle sich "ein haptisches Glücksgefühl" ein.

Auch das Galaxy Tab 10.1 von Samsung hat Chancen auf die Android-Tablet-Krone.
Auch das Galaxy Tab 10.1 von Samsung hat Chancen auf die Android-Tablet-Krone.(Foto: Samsung)

"Was wir gerade erleben, ist der Übergang vom GUI zum NUI", sagt der Usability-Experte. GUI stehe für Graphical User Interface und bezeichne das Konzept einer Bedienoberfläche, bei der jede Aktion über bestimmt Knöpfe ausgelöst werden muss. NUI bedeute hingegen Natural User Interface und mache auf Touch- oder Multitouchscreens durch intuitive Bedienung den Umweg über Knöpfe und Verknüpfungen überflüssig, so Bosenick. "Man macht es einfach, Anfassen und Verschieben zum Beispiel."

Netbooks vom Aussterben bedroht

Weil sie in der Regel keine Touchscreens besitzen und wegen ihrer kleinen Tastatur und des kleinen Displays auch kein Notebook ersetzen, könnten Netbooks zu einer aussterbenden Spezies gehören. "Netbooks haben sich sowieso nie so richtig durchgesetzt", sagt Bosenick. Die Statistik zumindest weist darauf hin, dass die Tablets den Netbooks den Rang ablaufen. Deren Absatz sinkt dieses Jahr um 15 Prozent auf 1,2 Millionen, hat der IT-Branchenverband Bitkom hochgerechnet. Der Verkauf von Tablet-PCs wird sich dieses Jahr mit 1,5 Millionen Stück dagegen nahezu verdoppeln. Die Touchscreen-Flundern kommen schon auf einen Anteil von zehn Prozent am gesamten PC-Markt.

Bilderserie
Video

Quelle: n-tv.de