Auto

Eine Ausfahrt mit dem Fiat Freemont Der Italo-Western kehrt zurück

Ein langes Leben auf dem deutschen Markt war dem Dodge Journey nicht vergönnt. Nach zuletzt kaum 900 verkauften Exemplaren wurde der Verkauf eingestellt. Doch der in aller Stille Verblichene kehrt zurück: Als Fiat Freemont soll die Großraumlimousine gleich drei andere Modelle ersetzen.

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Nanu, den kenn ich doch? Der Fiat Freemont war zuletzt ein Dodge Journey.

(Foto: Fiat)

Was auf der Kino-Leinwand prächtig funktionierte, versucht die Verschmelzung der Konzerne Fiat und Chrysler jetzt für die Auto-Industrie: Als Italo-Western präsentiert sich der fast 4,90 Meter lange Fünftürer, laut Fiat-Sprecher Roberto Corradi eine " Teamarbeit auf beiden Seiten des Atlantiks". Bis auf Weiteres ist der Wiedergänger nur mit Diesel- und Frontantrieb zu haben, später soll eine Allradversion folgen.

Für die Hochdachlimousine Croma und die beiden Vans Multipla und Ulysse hat Fiat keine direkten Nachfolger entwickelt. Unumwunden geben die Verantwortlichen zu, dass die Neuauflage eines Fahrzeuges dieser Größenordnung die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Fiat-Konzerns überfordert hätte. Im Rahmen der fortschreitenden Integration der Firma Chrysler in den europäischen Konzern wird der serienmäßig mit sieben Sitzen ausgestattete ehemalige Dodge Journey nun als Vielzweck-Auto für die unterschiedlichsten Bedürfnisse präsentiert.

Vierzylinder mit zwei Leistungsstufen

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Der Hersteller inszeniert die Großraumlimousine als Auto für jede Gelegenheit.

(Foto: Fiat)

Dabei gibt sich Fiat redlich Mühe, das wieder belebte Vielzweckmobil nicht als Untoten erscheinen zu lassen. Bei der im Hinblick auf europäische Kundenerwartungen erfolgten Überarbeitung habe das Fahrzeug "deutlich an Profil gewonnen", sagt Roberto Corradi. Modifikationen habe es an der Frontgestaltung, dem Innenraum, dem Fahrwerk und der Lenkung gegeben.

Abseits aller möglichen PR-Lyrik ist objektiv festzustellen, dass der Freemont nun wohl mehr Fiat ist, als der Dodge je ein Chrysler war. Immerhin wird das Kraftfahrzeug jetzt von einem Motor bewegt, auf dessen Herkunft schon das Markenlogo am Kühlergrill hinweist. Das war bei dem mit einem VW-Dieselmotor ausgestatteten Dodge Journey nicht der Fall. Der Fiat-Diesel mit Multijet-Einspritzung ist in zwei Leistungsstufen zu haben. Bei jeweils zwei Litern Hubraum leistet der Vierzylinder wahlweise 40 PS oder 175 PS. Die deutsche Vertretung des Turiner Konzerns schätzt, dass sich hierzulande etwa 60 Prozent mit der geringeren Leistung zufrieden geben, dafür aber neun von zehn Kunden die höhere Ausstattungsstufe "Urban" wählen.

Da die früheren Kunden von drei Modellen bedient werden sollten, ist das Verkaufsziel für den amerikanischen Freund recht ambitioniert. Europaweit sollen in einem vollen Jahr etwa 30.000 Fahrzeuge absetzbar sein, wovon auf den deutschen Markt etwa 7.500 Stück entfallen dürften Wer weiß, dass der Dodge Journey in seinem letzten Jahr in Deutschland nicht einmal 900 Neuzulassungen schaffte, kann dieses Ziel nur für sehr ambitioniert halten.

Felgen bis 19 Zoll Größe ab Werk

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Bis zu 19 Zoll große Alufelgen geben dem Freemont einen wuchtigen Auftritt.

(Foto: Fiat)

Stattliche 4,89 Meter Außenlänge erhalten ihren wuchtigen Auftritt durch eine hohe Motorhaube und eine kantige Linienführung. Von Hause aus ist der Wagen mit 17-Zoll-Alufelgen und Reifen mit 65er-Querschnitt bestückt, was zur selbstbewussten Optik beiträgt. Auf Wunsch sind sogar 19-Zoll-Felgen zu haben. Auch die Fahrerperspektive ist nicht dazu angetan, den vorderen Insassen allzu viel Bescheidenheit einzuflößen. Es herrscht ein üppiges Raumgefühl, Verkleidungen und Instrumententräger sind in einem weiten Bogen um die Passagiere herum gespannt, die hohe Sitzposition trägt ein Übriges zur gefühlten Großzügigkeit des Innenraums bei.

Die Polster der zweiten Reihe sind etwas höher montiert als die Vordersitze, so dass auch die Passagiere dort einen kommunikationsfreundlichen Platz einnehmen und gute Sicht auf die Umgebung haben. Die nochmalige Anhebung der dritten Reihe nach dem System der "Kinobestuhlung" soll diesen Vorteil weiter reichen, jedoch stößt der Anspruch durch die nach hinten etwas abfallende Dachlinie der Karosserie bald an ihre Grenzen. Immerhin ist das Zustiegssystem für die dritte Reihe so geregelt, dass die äußeren Sitze der zweiten mit wenigen Handgriffen minimal zusammengefaltet werden und eine ausreichend Lücke für die Hinterbänkler bieten.

Mit einem soliden Ausstattungsniveau versucht Fiat, das Auto den europäischen Kunden schmackhaft zu machen: Ab Werk sind bereits Alufelgen und CD-Radio, Drei-Zonen-Klimaautomatik und Nebelscheinwerfer, schlüsselloses Zugangssystem, Tempomat und Alarmanlage vorhanden. Auf auf Isofix-Kindersitzbefestigungen braucht man nicht zu verzichten, für die etwas älteren Sprösslinge sind ausklappbare Zusatzpolster in die Sitze der zweiten Reihe integriert. Die teurere "Urban"-Ausstattung bietet obendrein Parksensoren hinten, elektrisch verstellbaren Fahrersitz, Dachreling und Multifunktionslenkrad. Das alles ist ab 25.990 Euro zu haben. Der Dodge kostete bei seiner Einführung 2008 knapp 24.000 Euro.

Ein amerikanischer Freund

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Vorn herrscht ein üppiges Raumgefühl, die Cockpitgestaltung ist unspektakulär und praktisch.

(Foto: n-tv.de/Busse)

Obwohl nach Aussage von Roberto Corradi an Aufhängung und Lenkung eifrig geschraubt wurde, kann der Freemont seine amerikanische Herkunft nicht verleugnen. Die Abstimmung ist kommod und komfortorientiert, auch die Direktheit der Lenkung, die für viele europäische Produkte typisch ist, sucht man hier vergebens. Der Schalthebel des manuellen Sechsganggetriebes sitzt so weit hinten, dass Fahrer, die aufgrund ihrer Körpergröße Nähe zu den Padeln suchen müssen, in einem ungünstigen Winkel zum Knauf sitzen. Ein Automatikgetriebe ist derzeit nicht erhältlich, sie soll aber zum Jahresende in Verbindung mit einer Allrad-Variante des Freemont angeboten werden.

Der 140-PS-Diesel ist dem mit knapp 1900 Kilogramm recht stattlichen Gewicht des Fahrzeugs durchaus gewachsen. Vom stärkeren Motor sollte man einen deutlichen Temperamentsgewinn nicht erwarten, da beide Aggregate mit 350 Newtonmetern auf das gleiche maximale Drehmoment kommen. Lediglich der Zugkraftverlauf ist beim stärkeren Motor über eine größere Drehzahlbreite gedehnt. Die vom Hersteller zu den Modifikationen gezählte bessere Geräuschdämmung ließ sich auf den ersten Testkilometern nicht hörbar machen. Stattdessen erwies sich der 140-PS-Motor als etwas knurriger Geselle, vor allem, wenn man ihm zum Beschleunigen mehr als 3000 Umdrehungen pro Minute abverlangt. Der brummige Schallpegel veranlasst dann zu schnellem Hochschalten, was die Chancen erhöht, in der Endabrechnung in die Nähe des werksseitig vorgesehenen Verbrauchs von 6,4 Litern je 100 Kilometer zu kommen.

Quelle: ntv.de

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