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Audi hat sein Elektro-SUV, den E-Tron, dem Publikum erstmals in Paris vorgestellt.
Audi hat sein Elektro-SUV, den E-Tron, dem Publikum erstmals in Paris vorgestellt.(Foto: Holger Preiss)
Montag, 08. Oktober 2018

Mischen sich die Karten neu?: Die neuen Tesla-Jäger kommen

Audi, Mercedes und Jaguar haben ihr Premium-Elektro-SUV bereits in Stellung gebracht. BMW will 2020 mit dem iX3 ebenfalls ein Model X-Gegner auf Kurs bringen. Der entscheidende Unterschied dürfte aber der Preis sein mit dem man gegen Tesla anfährt.

Seit gut sechs Jahren rollt Tesla den Luxusautomarkt mit seinen Elektromodellen auf. Nun wollen die deutschen Hersteller einer Antwort auf den Premium-Usurpator aus Kalifornien gefunden haben: In den kommenden Monaten starten mit Audi E-Tron, Mercedes EQC und dem 2020 startenden BMW iX3 gleich drei Modelle, die ganz klar das Tesla-SUV Model X ins Visier nehmen. Ein kurzer Vergleich des Platzhirschs mit seinen Herausforderern.

Optisch hat sich Mercedes beim EQC stark am GLC orientiert.
Optisch hat sich Mercedes beim EQC stark am GLC orientiert.

Dass die deutschen Premium-Anbieter zunächst das Model X und nicht etwa die Limousine Model S als Gegner auserkoren haben, verwundert nicht. SUVs liegen weltweit im Trend, bieten ausreichend Platz für große Akkus und sind generell so teuer, dass auch der E-Technik-Aufpreis nicht übermäßig ins Gewicht fällt. Audi und Co. greifen allerdings ein Fahrzeugklasse niedriger an. Während das Model X mit fünf Metern Länge in der SUV-Oberklasse fährt, sind die neuen Konkurrenten eine knappe Unterarmlänge kürzer und eher im mittelgroßen Crossover-Segment zuhause. Das passt zum einen besser in die europäische Straßenlandschaft, ermöglicht aber vor allem einen günstigeren Einstiegspreis. Während der Tesla mindestens 95.830 Euro kostet, liegen die Deutschen im Bereich von 73.000 Euro (EQC) bis 80.000 Euro (E-Tron). Wie beim Model X dürfte die Optionsliste die Preise aber problemlos in den sechsstelligen Bereich treiben.

Reichweite und Leistung etwa gleich

Schaut man auf die technischen Daten und Fahrleistungen, fallen bei allen Elektro-SUV starke Gemeinsamkeiten auf. So hat sich offenbar ein PS-Wert um die 400er-Marke als Branchenstandard eingependelt. Konkret: Der Audi kommt auf 408 PS, der Mercedes auf exakt den gleichen Wert, BMW dürfte in einem ähnlichen Bereich landen und der bereits erhältliche Jaguar I-Pace, der 77.850 Euro kosten soll, vermeldet in seinem Datenblatt 400 PS. Eher gering fallen auch die Unterschiede bei der Reichweite aus. Sowohl der Basis-Tesla als auch die Herausforderer aus Deutschland und Britannien liegen alle im Bereich von etwa 400 Kilometern, wobei ein genauer Vergleich durch die unterschiedlichen Messverfahren erschwert wird. Audi hat für seine über 400 Kilometer genau wie Jaguar (480 Kilometer) den strengeren WLTP-Modus herangezogen, während Mercedes (450 Kilometer) und Tesla (417 Kilometer) für ihre offiziellen Dokumente die alte NEFZ-Norm nutzen, die etwas optimistischere Ergebnisse liefert.

Der Jaguar I-Pace ist bereits im Verkauf und soll 77.850 Euro kosten.
Der Jaguar I-Pace ist bereits im Verkauf und soll 77.850 Euro kosten.(Foto: REUTERS)

Der wichtigste technische Unterschied liegt aber an anderer Stelle. Während das Model X - und auch der Jaguar - echte Elektroautos sind, die von Grund auf für den Einsatz von Strommotor und Batterie konzipiert wurden, sind die deutschen Modelle mehr oder weniger aufwendig umgebaute Verbrenner-Modelle. Unter der aufgehübschten Fassade des E-Tron steckt ein Q5, der EQC ist im Grunde ein GLC ohne Kühlergrill. Am ehrlichsten tritt noch der BMW auf, der seine Verwandtschaft zum X3 bereits mit dem Namen kundtut.

Teilegleichheit reduziert Kosten

Die reinen Elektroauto-Plattformen der drei Hersteller sind in der Mache, werden aber erst gegen Ende des Jahrzehnts erste Modelle tragen. Bis dahin bleiben die E-Autos immer ein wenig kompromissbehaftet. Andererseits trägt die Teilegleichheit deutlich zur Kostenreduzierung bei. Einer der wichtigsten Punkte: Aufgrund der konventionellen Konstruktion kann der Verzicht auf den Verbrennungsmotor, seine Aggregate und mechanischen Mitspieler nicht vollständig in Raumgewinn für Passagiere und Gepäck umgemünzt werden. Das Model X ist innen etwas luftiger als die neue Konkurrenz.

Für den Audi E-Tron verlangen die Ingolstädter gut 80.000 Euro.
Für den Audi E-Tron verlangen die Ingolstädter gut 80.000 Euro.(Foto: Holger Preiss)

Die größten alltagspraktischen Unterschiede dürfte es zunächst aber noch beim Aufladen der Batterie geben, vor allem auf Langstrecke. Dort kann sich der Tesla auf das dichte und gut funktionierende Netz an Superchargern verlassen, während die deutsche Autoindustrie noch mit dem Aufbau ihres gemeinsamen Schnellladeverbundes beschäftigt ist. Aktuell ist in Deutschland erst eine der Gemeinschafts-Stationen in Betrieb, sieben weitere sind im Bau. Immerhin: Bis 2020 sollen europaweit 400 Ladestationen stehen, die dann mit bis zu 350 Kilowatt Ladeleistung potenziell deutlich schneller wären als die aktuellen Tesla-Säulen.

Allerdings können Audi und Mercedes diese Power gar nicht nutzen, nehmen sie doch maximal 150 Kilowatt (Audi) beziehungsweise sogar nur 110 kW (Mercedes) auf und sind damit in der Praxis wohl auch nicht wirklich schneller als das Model X (bis zu 120 kW). Bei allen Elektro-SUV sollten Fernreisende daher eine Pause von 30 bis 40 Minuten einplanen, um die Akkus unterwegs wieder ausreichend aufzufüllen. Beim langsameren, aber deutlich weiter verbreiteten Wechselstrom-Laden in der Innenstadt oder der eigenen Garage kann sich Audi hingegen leicht von der Konkurrenz absetzen: Einerseits dank einer General-Ladekarte für 80 Prozent aller Stationen, andererseits über das schnellste Ladegerät, das (gegen Aufpreis und erst im Laufe des nächsten Jahres) bis zu 22 kW tankt. Bei Tesla sind es maximal 16,5 kW, Mercedes begnügt sich mit schwachen 7,4 kW. Über Nacht zuhause aufladen ist somit nur für Langschläfer möglich.

Mische sich die Karten neu?

Mit knapp 96.000 Euro ist das Model X von Tesla das teuerste Elektro-SUV.
Mit knapp 96.000 Euro ist das Model X von Tesla das teuerste Elektro-SUV.(Foto: REUTERS)

Unterm Strich mischen sich die Karten auf dem E-SUV-Markt durch den Start der Deutschen nicht komplett neu. Rein elektrotechnisch können sie den Tesla trotz seines höheren Alters kaum distanzieren, zudem haben die Kalifornier einen Vorsprung, was Ladeinfrastruktur und Langzeiterfahrung mit der neuen Technik angeht. Kunden muss man aus Sicht der Deutschen also vor allem mit dem weniger protzigen Design und dem guten Namen locken, vielleicht noch mit Langzeitqualität, Verarbeitung und Innenraumgestaltung. Den einen oder anderen Tesla-Verächter, der nur auf ein Angebot der etablierten Hersteller gewartet hat, könnte man so gewinnen. Wenn er nicht bereits einen Jaguar I-Pace gekauft hat.

Insgesamt hat aber wohl keines der europäischen Modelle revolutionäres Potenzial. Letztlich übertragen Audi, Mercedes, Jaguar wie schon Tesla das bekannte Premiumauto-Geschäftsmodell einfach auf den Elektroantrieb. Der zu vermutende absolute Vorteil könnte aber bei den etablierten Premiumherstellern darin bestehen, dass sie die Autos die sie anbieten auch schnell in den Verkauf bringen. Und genau dieser Punkt, dass Tesla mit der Auslieferung hinterherhingt, könnte Audi und Co. gegenüber den Kaliforniern in die Karten spielen.

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Quelle: n-tv.de