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Die Frage, ob der Ferrari 458 als Träger eines Dieselherzes in Frage kommt, bleibt offen.
Die Frage, ob der Ferrari 458 als Träger eines Dieselherzes in Frage kommt, bleibt offen.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 19. Januar 2012

Es brummt gewaltig: Hersteller machen Diesel Beine

von Holger Preiss

Bis Mitte der 1990er Jahre galten Diesel als sparsam, zuverlässig und langlebig. In Bezug auf die Fahrleistungen hinkten sie den Benzinern aber immer hinterher. Inzwischen hat sich das geändert und selbst Sportwagenhersteller und die Bauer von Edelkarossen sind dem Ölbrenner verfallen.

Es wird gemunkelt, dass Ferrari und Bentley an Dieselmotoren für ihre Modelle arbeiten. Interessanter Gedanke, denn bisher haben die beiden den brummigen Kraftprotz für ihre Fahrzeuge nicht im Visier gehabt. Oder doch? Ein Blick in die Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) nährt die Vermutung, der Selbstzünder könnte bei der britischen VW-Tochter, aber auch bei der Sportwagenschmiede aus Maranello im Gespräch sein.

Tatsächlich führt das KBA in seiner Jahresstatistik für 2011 zwei Bentley mit Dieselmotoren auf. Auch bei Ferrari gibt es einen Selbstzünder. Da das KBA die Zahlen nur von den Zulassungsstellen übermittelt bekommt, kann man in Flensburg keine weiteren Angaben zu diesem Thema machen.

Bei Bentley könnte es sich um in Deutschland angemeldete Versuchsträger handeln. Der Bentley Continental nutzt bekanntlich große Teile der Technik des VW Phaeton. Ein Aggregattausch wäre also denkbar. Ferrari hingegen fehlte ein angemessenes Spenderorgan aus dem Fiat-Konzern.

Dort werden zwar erfolgreich kompakte Pkw-Diesel verwendet, einen Motor, der einen Sportwagen aus Maranello selbstzündend beflügeln könnte, fehlt allerdings im Repertoire. Selbst der 3,0-Liter-V6- Diesel aus dem zur Fiat-Gruppe gehörenden Jeep Grand Cherokee dürfte mit seinen 177 kW/239 PS dem aufrechten Ferrari-Piloten als nicht ausreichend für standesgemäße Fahrleistungen erscheinen.

BMW präsentiert M 550 xDrive

Doch so abwegig ist der Gedanke nicht. Auch bei BMW haben die Tuner der M GmbH das scheinbar eherne Gesetz gebrochen, niemals einen Diesel unter die Haube eines ihrer getunten Monster zu stecken. In Zukunft wird es aber eine 5er Limousine und einen Touring mit dem stolzen Namen M 550 xDrive geben, der von einem dreifach aufgeladenen Dieselmotor angetrieben wird. Mit Hilfe des dritten Laders steigt die Leistung des Sechszylinders von bislang 230 kW/313 auf 280 kW/381 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 740 Nm.

Gekoppelt ist der Rüpel mit einer Achtgangautomatik und Allradantrieb, der die unbändige Kraft gleichmäßig auf die Räder verteilt. Und das ist gut so, andernfalls würden sich die Pneus bei einem Kickstart wohl in Rauch auflösen. Der Verbrauch des Top-Diesels soll bei moderaten 6,3 Litern auf 100 Kilometern liegen. Die Höchstgeschwindigkeit gibt BMW mit 250 km/h an, dann wird abgeregelt. Erstmals vorgestellt wird der Power-Diesel auf dem Genfer Autosalon im März 2012.

AMG hat sich von der Diesel-Power verabschiedet

Mit einer Achtgangautomatik und Allradantrieb zügelt der M 550 xDrive seine Kraft.
Mit einer Achtgangautomatik und Allradantrieb zügelt der M 550 xDrive seine Kraft.(Foto: ka.plewka)

Mercedes AMG hat bereits Erfahrungen mit den rasenden Ölbrennern gemacht. Bereits 2002 hatten die Tuner den 2,7-Liter-Motor des C-Klasse-Coupés gepimpt. Um das Leistungsspektrum den sportlichen Ansprüchen anzupassen, wurde der Reihen-Fünfzylinder aus seinem Winterschlaf geweckt. Am Ende schöpfte er aus drei Litern Hubraum 169 kW/231 PS und ein bäriges Drehmoment von 540 Nm zwischen 2000 und 2500/min.

Da jeder dieser Diesel-Sportler aber handgefertigt wurde, war auch sein Preis überdurchschnittlich. Mercedes rief für die Grundausstattung 45.240 Euro auf. Trotzdem sich der Wagen in Italien, Frankreich und teilweise auch in Deutschland gut verkaufte, hat man sich schnell wieder von ihm verabschiedet. Sein größtes Problem war wohl, dass er lediglich die Euro-3-Norm erfüllte. Heute wird er nicht mehr gebaut. "Wir prüfen regelmäßig die Optionen, aber einen Markt für diese Technik sehen wir bei uns nicht", sagt AMG-Chef Ola Källenius.

Selbstzünder sind längst keine Exoten mehr

Der Sport-Diesel ist aber längst kein Exot mehr. Ohne die Tuner von AMG hat Mercedes erstmals im SLK 250 CDI einen Selbstzünder angeboten. Der schöpft aus 2,1 Litern Hubraum 150 kW/204 PS und beschleunigt den Roadster auf maximal 243 km/h. Dabei kostet der Selbstzünder knapp 2500 Euro weniger als der Benziner. Nach knapp 6,7 Sekunden ist Tempo 100 erreicht.

Im Jahr 2010 verbucht Audi für sich, der erste Autobauer der Welt zu sein, der einen Diesel in einem Sportwagen verbaut. Der Audi TT wird mit einem starken Vierzylinder auf den Markt gebracht, der immerhin 125 kW/170 PS leistet und die Fuhre in 7,5 Sekunden an die 100 km/h-Marke schnellen lässt. Die Spitze liegt bei 226 km/h. Auch Peugeot offeriert sein kompaktes Coupé RCZ mit einem 120 kW/163 PS starken Selbstzünder. Auch Mini stattet seine Modelle Roadster und Coupé mit einem 105kW/163 PS Diesel aus.

Selbst die oberste Leistungsliga ist kein Tabu mehr. Das zeigen die Rennsporterfolge von Audi und Peugeot in Le Mans. Die 700 PS starken Diesel-Boliden feiern dort bereits erste Gesamtsiege. Ergebnis dieses Engagements ist bei Audi der V12-Diesel mit 368 kW/500 PS Leistung und einem Drehmoment von 1000 Nm. Zum Einsatz kommt der Ölbrenner allerdings nicht in einem Sportwagen, sondern im SUV Q7. Der hier angebotene Leistungsüberschuss ist aber purer Luxus und Fragen nach dem Sinn erübrigen sich.

Der Diesel fristet also auch in sportlicher Hinsicht kein Schattendasein mehr. Den Ritterschlag hat er aber bislang noch nicht erhalten. Sollte Ferrari aber tatsächlich einen seiner roten Straßen-Boliden in Zukunft mit einem Selbstzünder anbieten, hat es das einst nur in "Arbeitstieren" befindliche Antriebsaggregat endgültig geschafft.

Quelle: n-tv.de