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Six-Appeal für die F6C Honda bringt Sechzylinder-Bike zurück

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Die Faszination der Ur-F6C ist mit der gleichnamigen Honda wieder auferstanden.

Bereits vor 17 Jahren war die F6C ein Traum. Jetzt bringt Honda das Motorrad mit dem Sechszylinder-Triebwerk erneut auf die Straße. Und wie damals besteht die Gefahr, dass der Fahrer ihr hoffnungslos verfällt.

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Der mächtige Sechzylinder-Boxermotor ist das Markenzeichen der F6C.

Die F6C gehört zu den mächtigsten Motorrädern, die im Land der aufgehenden Sonne je gebaut wurden. Anfang 1997 kam die Honda auch nach Deutschland. Das Kürzel steht für "Flat Six Custom" und steht für den Sechszylinder-Boxermotor, der das Monster antreibt. Im Großserienmotorradbau hatte man ein solch massives Motorrad vorher noch nie gesehen. Sechs Zylinder, 1520 Kubikzentimeter Hubraum, fast 1,70 Meter Radstand und ein Gewicht auf Harley-Niveau, dazu potente 98 PS. Das war vor 17 Jahren. Jetzt präsentiert Honda ein völlig neues Motorrad, das exakt die Modellbezeichnung von damals trägt: wieder sechs Töpfe, aber diesmal 1832 Kubikzentimeter Hubraum. Dazu deutlich stärker, nur wenig schwerer, mit weitaus besserem Fahrwerk - und mit derselben Faszination wie anno dazumal. Bereits nach 20 Metern Testfahrt ist der zweite Gang eingelegt und man empfindet dasselbe wie vor 17 Jahren. Die Faszination der Ur-F6C ist auferstanden.

Böser Blick in Schwarz

Leider gibt es die neue F6C nur in Schwarz. Offiziell nennt Honda die Farbe Graphite Black. Die macht das Bike aber optisch unnahbar. Hinzu kommt eine Frontmaske, als zöge sie die Stirn böse in Falten. Anziehend ist anders. Und dennoch, die F6C will man spätestens dann haben, wenn man auf ihr Platz genommen hat und das potente Sechszylinder-Triebwerk durch Knopfdruck zum Leben erweckt. Wem dabei nicht ein Schauer der Freude über den Rücken läuft, kann nur völlig blutleer sein. Im Leerlauf erinnert der Flat-Six ein wenig an einen lastfrei blubbernden V8, bei höheren Drehzahlen ist er nicht weit vom Kreischen alter luftgekühlter Porsche 911 entfernt.

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Trotz mehr als 300 Kilogramm Kampfgewicht lässt sich die F6C sehr einfach händeln.

Damit ist klar, die Honda F6C, Abkömmling der legendären Goldwing, lässt sich nicht nach dem üblichen Schema beurteilen: Motor, Fahrwerk, Bremsen, Ergonomie, Ausstattung, Verarbeitung entziehen sich schnöden Vergleichen. Der Japan-Hammer steht allein über allen anderen. Wer sonst baut so ein Viech? Klar, Triumph hat seine dreizylindrige Rocket, mit mehr PS und mehr Drehmoment. Ihr fehlen aber drei Zylinder. Denn die Sechs der Honda, die bringen es. Da reichen auch 117 PS und 168 Newtonmeter Drehmoment. Blitzschnell geht es bei Bedarf durchs Drehzahlband. Seidenweich läuft die Maschine. Im dritten Gang bergauf anfahren - kein Problem. Mit Tempo 30 im Vierten rechtwinklig abbiegen - auch keines. Stets nimmt der Flat-Six sauber Gas an, reagiert spontan auf den Dreh des Fahrers am Gasgriff. Bei Bedarf zieht die F6C im fünften Gang auch die Arme des Fahrers lang.

Stolzer Fahrer, stolzer Preis

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Unter der Chromklappe verbirgt sich der Tankstutzen.

Der große Vorteil der 342 Kilogramm schweren F6C ist der, dass sie sich unglaublich leicht beherrschen lässt - egal ob bei Unterschritttempo oder 200 km/h. Honda ist es in bester Firmentradition auch bei der F6C gelungen, das Fahrwerk sauber abzustimmen, ohne bei den Bauteilen technisch tief in die Trickkiste greifen zu müssen. Selbst Kurvenfahrten fallen unerwartet leicht, solange die Biegungen nicht im Halbsekundentakt aufeinanderfolgen. Und bremsen kann die F6C auch ganz prima, erstaunlicherweise ohne Kombi-Bremssystem, wie es Mütterchen Goldwing aufweist. Drei mächtige Bremsscheiben sowie insgesamt elf Bremskolben sind hier eine sichere Bank.

Ganz anders als einst vor 17 Jahren fällt der Blick des Fahrers auf nur noch ein einziges eckiges und digitales Kombiinstrument; damals gab es zwei, und die waren rund. Leichter ablesbar waren sie auch. Aber zugegeben: Die einzig relevante Angabe auf der F6C ist die Geschwindigkeit. Alles andere (Uhrzeit, Drehzahl, Umgebungstemperatur, Durchschnittsverbrauch, Reifendruck, Servicetermin etc.) interessiert unterwegs nicht die Bohne.

Geerdet wird der Interessent einer Honda F6C wahrscheinlich durch den Preis: 21.345 Euro sind eine Ansage. Die gute Nachricht: Das sind rund 10.500 Euro weniger als eine Goldwing kostet. Aber auch wenn die dicke Wing mehr Komfort, mehr Ausstattung und mehr Platz für den Sozius offeriert: Mehr Erlebnis bietet die F6C.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x