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Demnächst ganz ohne Lenkrad?Luxuslimousine Mercedes EQS startet mit innovativem Lenksystem

25.09.2026, 07:20 Uhr imageVon Patrick Broich, Südtirol
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Hier ist der Mercedes EQS mit großem Zentralstern unterwegs. Je nach Line ist er aber auch mit dem Haubenstern als Kühlerfigur erhältlich. (Foto: Mercedes)

Im Rahmen der EQS-Modellüberarbeitung führt Mercedes die Steer-by-Wire-Lenkung ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rad ein. Und damit jeder auch weiß, dass diese Technik verbaut wird, gibt es ein fancy Lenkrad. ntv.de ist damit gefahren.

Können Sie sich noch an das inzwischen längst ausgemusterte Tesla Model S Plaid erinnern? Es dürfte so ziemlich das erste Fahrzeug ohne vollwertiges Lenkrad gewesen sein. Dieses sogenannte "Yoke" war ergonomisch nicht so der Knaller. Über die Lenkung muss man gar nicht erst reden. Inzwischen hat auch Lexus diese Lenkrad-Form - und Mercedes.

Die Schwaben verknüpfen es bis dato mit einer ziemlich außergewöhnlichen Lenkung, bei der die über den Lenkkranz beziehungsweise in diesem Fall das Steuerelement ausgeführten Befehle bloß als Signal ankommen. Den Lenkwinkel am Rad stellt ein Aktuator ein, während die Rückmeldung durch einen Widerstandssimulator erzeugt wird - mal ganz vereinfacht ausgedrückt.

ntv.de durfte das System jetzt erstmals erleben im Rahmen einer Testfahrt mit den überarbeiteten EQS-Modellen. Diese verfügen erstmals über ein 800-Volt-Bordnetz und sollen daher schneller laden. Wie schnell genau, wird zu einem späteren Zeitpunkt noch zu testen sein. Spannend auch während der Fahraktivitäten zu beobachten ist das zwecks Effizienzsteigerung eingesetzte Zweiganggetriebe, doch dazu später mehr.

Erst einmal auf die weich gepolsterten Ledersessel fallen lassen und die "Lenksteuerung" in die Hand nehmen, denn Lenkrad kann man ja streng genommen gar nicht mehr sagen. Fahrstufe "D" rein und losgerollt - und dann! Dann spürt man schon sofort das neue Lenksystem, sobald man um die Ecke rollt. Und zwar in Form einer merklich angepassten Lenkübersetzung: Schon ein kurzes Zuppeln am Steuerelement lässt die Lenkung sehr weit öffnen, sodass man um die Ecke fahren kann.

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Warum eine Hightech-Lenkung ein ergonomisch schlechteres Lenkrad benötigt, muss man erst einmal sachlich darlegen. Konventionell wäre in diesem Fall besser. (Foto: Mercedes)

Bei steigendem Tempo verändert sich das Verhältnis zwischen Lenkeinschlag und Lenkwinkel am Rad kontinuierlich. Das merkt man durchaus, allerdings eher subtil. Die große Karosse liegt bei hohen Tempi merklich ruhig, wenn die Lenkung sehr indirekt wird. Und hier ist die Spannbreite einfach riesengroß auch im Vergleich zu den bisher wenigen angebotenen mechanischen Lenkungen mit variabler Übersetzung.

Diverse Südtiroler Passstraßen lassen sich mit dem 5,23 Meter langen Luxustourer ziemlich agil abhandeln, wobei in diesem Package immer auch automatisch die um 10 statt 4,5 Grad einlenkende Hinterachse enthalten ist, was den EQS obendrein noch wahnsinnig rangierfähig macht. Nur 10,9 Meter beträgt der Wendekreis, das ist Kleinwagen-Level.

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Seine enorme Außenlänge von 5,23 Metern sieht man dem elektrischen Mercedes EQS nicht unbedingt an. (Foto: Mercedes)

Und wenn das System mal ausfällt? Es gibt diverse Rückfallebenen - grundsätzlich ist das System redundant ausgelegt. Tritt der ziemlich unwahrscheinliche Totalausfall ein, wird die Querführung über Bremseingriffe plus Hinterachslenkung vollbracht. Das soll zumindest reichen, um das Fahrzeug sicher abzustellen für den Moment.

Die Sache mit dem Steuerelement

Doch da wäre noch die Sache mit dem Steuerelement. Letztlich sei dem Interessenten angeraten, das System ausgiebig Probe zu fahren. Problematisch ist, dass der rechteckig-liegend ausgeführte Lenker keine gute Ruheposition für die Arme bietet - das kristallisiert sich insbesondere auf langen Geradeaus-Abschnitten heraus. Mercedes sollte darüber nachdenken, das für den EQS etwa 3500 Euro extra kostende Hightech-Feature einfach mit einem konventionellen Lenkrad anzubieten.

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Den Mercedes EQS 580 4Matic sieht man meist von hinten, so dynamisch ist er. (Foto: Mercedes)

Zum Schluss vielleicht noch ein Wort zu den überarbeiteten EQS-Antrieben. Im Zuge der Modellpflegemaßnahmen stiegen die Leistungswerte der hier zur Verfügung stehenden Modelle 500 respektive 580 4Matic von 449 auf 476 PS. Und 580er-Kunden bekommen ab sofort 585 statt bisher 544 PS.

Und dank Zweiganggetriebe, dessen Arbeit mit einem kurzen "plopp" nachgewiesen wäre, kann der Mercedes nicht nur effizienter, sondern womöglich auch sportiver nach vorn galoppieren. Brauchte der 500er bisher knapp unter fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h, sind es jetzt 4,5 Sekunden. Das Topmodell handelt diese Disziplin gar binnen 4,1 Sekunden ab. In der Spitze werden beide bis zu 210 km/h schnell - hier hätte man ruhig draufsatteln können, zumal der 250 Sachen schnelle AMG wegfällt. Und an der Übersetzung wäre es sicherlich nicht gescheitert. Mächtig Druck im Kreuz verspüren die Passage unter voller Last aber in jedem Fall.

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Ein großes Panoramadach sorgt für einen lichtdurchfluteten Innenraum. (Foto: Mercedes)

Und sonst? Der bequeme 2,7-Tonner gehört mit 122 kWh (!) Netto-Batteriekapazität zu den Modellen mit den höchsten Stromspeichern. Mercedes nennt für die starken Allradler rund 900 Kilometer WLTP-Reichweite. Dass WLTP mit der Realität nur wenig zu tun hat, sieht man jedoch an der Reichweite-Anzeige: Laut dieser ist nach etwas weniger als 500 Kilometern Schluss - und das, obwohl die Oberklasse hier in diesem regionalen Umfeld kaum hohe Dauerspeed machen musste.

Immerhin soll das Ladetempo jetzt stimmen. Für den Hub von 10 auf 80 Prozent nennt das Werk bei 350 kW Peakladeleistung 27 Minuten - da geht einfach viel Strom hinein. Und viel Geld. Wenn man die Vorzüge des leistungsstarken Allradlers genießen möchte, läuft unter 126.000 Euro nichts. Mit ein bisschen Ausstattung lässt sich der Betrag noch mal um den eines ganzen Kleinwagens erhöhen. EQS ist eben waschechte Oberklasse. Mit der Hightech-Lenkung gibt es diese übrigens ab Anfang 2027.

Quelle: ntv.de

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