Praxistest

81.000 Euro, 326 PS Audi bringt den stärksten Diesel

Keine Krone, nach der die Ingolstädter nicht greifen: Jetzt ist es der stärkste Pkw-Dieselmotor der Welt. 326 PS aus acht Zylindern und 4,2 Litern Hubraum – Rudolf Diesel wäre begeistert, was aus seiner jahrzehntelang im Schattendasein schlummernden Erfindung wurde.

Im Spitzenmodell A8 wird das Aggregat, das gegenüber dem Vorgänger um 200 ccm zusätzlichen Hubraums und 51 PS Mehrleistung aufgerüstet wurde, ab sofort angeboten und ab Herbst ausgeliefert. Außerdem haben alle Modelle der 8er-Baureihe künftig den aggressiv wirkenden "Single-Frame-Grill". Die gewaltige Kraft von 650 Newtonmetern Drehmoment bringen alle vier Räder auf die Straße, den großen Diesel gibt es nur mit Quattro-Antrieb. Das hat gewiss Traktionsvorteile gegenüber der Heckgetriebenen Konkurrenz von BMW und Mercedes, die allerdings mit 700 Nm und mehr aufwarten. Laut Richard Bauder, Chef der TDI-Motorenentwicklung bei Audi, ist aber das Potential des Vier-Ringe-Aggregats "noch nicht ausgereizt."

Sowohl bei geringer Drehzahl wie auch bei plötzlichem Leistungsabruf erwies sich der Motor auf den ersten Testkilometern als souverän und von kultiviertem Lauf. Die Geräuschentwicklung blieb dabei gering und einer Oberklassen-Limousine angemessen. Man muss schon sehr genau hinhören, um ihn überhaupt als Selbstzünder zu identifizieren. Nur bei Kickdown ließ es der knapp über zwei Tonnen wiegende Luxusliner an dem Temperament fehlen, das die von zwei Turboladern erzeugte Zwangsbeatmung der Brennräume verheißt: Die Ansprechverzögerung, mit der die Fahrstufe herunter- und die Drehzahl hinauf getrieben wird, kratzt ein wenig am Bild des dynamischsten unter den Edel-Schlitten.

So oder so: Ohne elektronische Assistenzsysteme wie Anti-Schlupf-Regelung, ESP und ABS wäre diese Kraft ohnehin nicht auf der Straße zu halten. Audi bietet darüber hinaus serienmäßig auch die adaptive Luftfederung an, die sich individuell auf die Bedürfnisse der Insassen anpassen lässt. Auch wer die sportliche Abstimmung wählt, braucht auf die gediegene und entspannte Atmosphäre im Innern nicht zu verzichten. Kein Wunder, denn bei 200 km/h läuft der Achtzylinder lediglich mit 3.000 Umdrehungen, so dass bei höherem Tempo lediglich die Windgeräusche ein wahrnehmbares Niveau erreichen.

Kaum zu erwarten, dass die Ingolstädter mit dem neuen Motor bei den Kunden schlechter ankommen, als bisher. Offenkundig wird ihnen im Bereich der V8-Diesel die größte Kompetenz zugemessen und die Fahrer anderer Premium-Marken bevorzugen Benziner. Mehr als zwei Drittel der weltweit abgesetzten V8-Pkw-Diesel stammen von Audi. Der Hersteller gibt den Normverbrauch seinen Spitzen-TDI mit 9,4 Litern je 100 Kilometer an, so dass eine Reichweite von 1.000 Kilometern von vielen Fahrern erreicht werden dürfte. Allerdings sind auch 81.000 Euro Grundpreis zu entrichten, die sich durch jetzt neu angebotene Extras wie digitaler Radio- oder TV-Empfang leicht noch steigern lassen. Das gilt auch für das neue Bang & Olufson-Soundsystem, das mit Beginn nächsten Jahren 1.000 Watt Verstärkerleistung unter anderem aus versenkbaren Linsenhochtönern im Armaturenbrett an die Ohren der Insassen bringt.

Eine Besonderheit, die künftig den Fahrern der Zwölfzylinder-Modelle vorbehalten bleibt, ist die Keramikbremse. Sie verspricht Standfestigkeit auch bei hoher Beanspruchung, Langlebigkeit der Scheiben für bis zu 300.000 Kilometer Laufleistung und Gewichtsersparnis. Das mehr aus optischen Gründen als aus technischen Erfordernissen heraus gelochte Keramikbauteil wiegt weniger als die Hälfte der herkömmlichen Stahl-Bremsschreibe.

Axel F. Busse

Quelle: ntv.de

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