mit Uladzimir ZhyhachouDas war Freitag, der 12. Mai 2023
Liebe Leserinnen und Leser, das war's für heute. Hier noch ganz kurz ein paar Themen, die heute wichtig waren:
50 Stunden fährt kaum ein Zug - Ultimatum abgelaufen - Bahnstreik ist besiegelt
"Für Russland nur Fleisch" - Wagner-Söldner erhalten Suizid-Befehl
Ermittler finden Waffen - Ratingen: Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen
Ukrainische Gegenangriffe - Moskau räumt Rückzug nordwestlich von Bachmut ein
Ihre Männer sind gefallen - Warum ukrainische Kriegswitwen an die Front ziehen
Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht und ein schönes Wochenende! Tschüss!
König Harald muss länger im Krankenhaus bleiben
Der norwegische König Harald V. muss wegen einer Infektion noch etwas länger im Krankenhaus bleiben. Der Monarch sei nun noch vorläufig bis einschließlich Dienstag krankgeschrieben, teilte das norwegische Königshaus mit. Der 86-Jährige befinde sich weiterhin auf dem Weg der Besserung, werde aber noch einige Tage im Reichskrankenhaus in Oslo bleiben.
Harald war am Montag ins Krankenhaus gekommen. Grund dafür war eine erneute Infektion, die eine Behandlung notwendig machte. Erst im Dezember war der König wegen einer Infektion im Reichskrankenhaus gewesen, konnte dieses damals aber schon nach zwei Tagen wieder verlassen. Auch in der Zeit davor hatte er mehrere Male mit Erkrankungen zu kämpfen gehabt, die dort häufiger behandelt werden mussten.
Synchronsprecher und Schauspieler Peter Weis gestorben
Fernsehzuschauer kennen ihn als Stimme der Gangsterfigur Paulie Gualtieri aus der Serie "Die Sopranos", andere haben ihn mal in einem der bekannten Europa-Kinderhörspiele erlebt: Der Schauspieler und Sprecher Peter Weis ist gestorben. Das teilte seine Agentur mit. Den Angaben zufolge starb er bereits am 5. Mai. Weis wurde 85 Jahre alt.
Der Hamburger synchronisierte neben dem "Sopranos"-Schauspieler Tony Sirico noch eine Reihe anderer US-Darsteller, auch Trickfilmfiguren. Als Schauspieler war er oft im Theater zu sehen, er wirkte zudem prominent dem frühen "Tatort"-Krimi "Auf offener Straße" (1971) mit. Beim Hörspiellabel Europa war Weis unter anderem der Erzähler der "Abenteuerserie" nach Vorlagen der Kinderbuchautorin Enid Blyton. Auch bei "Die drei ???" und "TKKG" hatte er Auftritte.
Geständnis vor Gericht: Enkel ersticht schlafende Großmutter
Ein 26 Jahre alter Mann hat in einem Verfahren am Landgericht Aschaffenburg in Bayern zugegeben, seine 91 Jahre alte Großmutter im Drogenwahn mit Messern attackiert und letztlich tödlich verletzt zu haben. Er könne sich nicht mehr vollends an die Tat erinnern, ließ der Mann über seinen Verteidiger erklären.
Eine durch den Konsum von halluzinogenen Pilzen und weiteren Drogen verursachte Psychose habe rund sieben Wochen angehalten, gab der Anwalt in dem Sicherungsverfahren zu Protokoll.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beschuldigte zum Zeitpunkt der Tat schuldunfähig war und erhob deshalb keine Anklage. Ziel des Verfahrens ist es, den Mann in einer Entzugsklinik unterzubringen.
Die alte, kranke Frau habe einen Sterbewunsch gehabt, wurde aus der Einlassung deutlich. Der junge Mann habe sich deshalb auch an die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben gewandt - jedoch ohne weiteres Ergebnis.
Portugals Parlament erlaubt aktive Sterbehilfe
Nach langen und heftigen politischen Auseinandersetzungen hat das portugiesische Parlament ein Gesetz zur Legalisierung von aktiver Sterbehilfe verabschiedet. Damit wird Portugal eines der wenigen Länder, in denen es Menschen mit einer unheilbaren Krankheit erlaubt wird, ihrem Leid ein Ende zu setzen. Schätzungen portugiesischer Medien zufolge könnte das Gesetz im Herbst in Kraft treten. Die Regelung gilt nur für Portugiesen und andere Menschen, die dauerhaft und legal im Land leben. Sterbehilfe ist in einigen wenigen europäischen Ländern erlaubt, darunter in den Benelux-Ländern, der Schweiz und in Spanien.
Orban vergleicht Europa-Projekt mit Hitlers Weltherrschaftsplänen
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat das europäische Einigungsprojekt der EU mit den Weltherrschaftsplänen von Adolf Hitler verglichen. Seit dem Ende des Römischen Imperiums habe es das Bestreben gegeben, auf dessem Gebiet das Reich wiederherzustellen, sagte der Rechtspopulist in der westungarischen Stadt Veszprem. "Byzanz, Karl der Große, (der deutsche Kaiser) Otto, Napoleon und Hitler - sie alle träumten, auf jeweils anderen Grundlagen, von der europäischen Einheit." Auch heute sei das nicht anders, fügte Orban hinzu. "Die selbständige nationale Existenz und der Reichsgedanke sind gleichzeitig präsent. Die nationale Kultur und die europäischen Werte. Die Souveränität und - wie sie es in Brüssel ausdrücken - die 'ever closer union'". Letzterer Begriff - zu deutsch: die zu schaffende "immer engere Union" - steht in der Präambel des EU-Grundlagenvertrags von Lissabon, der für alle Mitgliedsstaaten gilt.
Zur neuerlichen Entgleisung des Regierungschefs meinte der ungarische Oppositonsführer Ferenc Gyurcsany: "Dieser Mensch ist krank." Hitler zusammen mit der europäischen Idee zu erwähnen, sei "ein kranker, widerlicher Gedanke", schrieb Gyurcsany auf seiner Facebook-Seite.
Zahlungsausfall der USA droht Anfang Juni
Nach Schätzungen des unabhängigen Budgetbüros des US-Kongresses droht der Regierung in Washington ohne Anhebung der Schuldenobergrenze in den ersten beiden Juniwochen ein Zahlungsausfall. Bei unveränderter Schuldenobergrenze bestehe ein erhebliches Risiko, dass die Regierung irgendwann in den ersten beiden Juniwochen nicht mehr in der Lage sein werde, alle ihre Verpflichtungen zu erfüllen, teilte das Congressional Budget Office mit.
Wenn die Schuldenobergrenze nicht angehoben oder ausgesetzt werde, bevor die Reserven des Finanzministeriums erschöpft seien, werde die Regierung die Zahlungen für einige Aktivitäten aufschieben müssen, ihre Schuldverpflichtungen nicht erfüllen können - oder beides.
Sollten die sogenannten außerordentlichen Maßnahmen des Finanzministeriums hingegen ausreichen, die Regierungsgeschäfte bis 15. Juni zu finanzieren, könnten die dann erwarteten neuerlichen Steuereinnahmen etwas Spielraum verschaffen. Dann drohe ein Zahlungsausfall erst Ende Juli. Zuletzt hatte Finanzministerin Janet Yellen gewarnt, dass ein solcher Ausfall bereits am 1. Juni möglich sei.
Kindsmörder 31 Jahre nach der Tat in England verurteilt
Mehr als 30 Jahre nach dem Mord an einem siebenjährigen Mädchen ist ein Mann in England für die Tat schuldig gesprochen worden. Wie die britische Nachrichtenagentur PA meldete, konnte der inzwischen 55 Jahre alte Mann durch eine Analyse von DNA-Spuren an den Kleidern seines Opfers überführt werden. Das Mädchen war im Jahr 1992 tot in einem leerstehenden Warenhaus in der nordostenglischen Stadt Sunderland entdeckt worden. Ihr lebloser Körper war mit Stichen übersäht, zudem war sie mit einem Backstein angegriffen worden. Das Strafmaß soll am 23. Mai verkündet werden.
Zwei Tote nach Stickstoff-Austritt in Hamburg
Nach dem Einatmen von Stickstoff bei einem Arbeitsunfall sind in Hamburg zwei Männer gestorben. Wie das betroffene Unternehmen mitteilte, erlag ein Mitarbeiter am Donnerstagabend in einer Klinik seinen Verletzungen. Ein 49-Jähriger war bereits kurz nach dem Unfall in der Nacht zum Donnerstag gestorben, ein dritter ist weiterhin im Krankenhaus und befindet sich in einem lebensbedrohlichen Zustand.
Die drei Arbeiter hatten in einer Kupferhütte im Hamburger Stadtteil Veddel eine Stickstoffleitung repariert. Aus noch unklarer Ursache kam es zu einem Gasaustritt, durch den die Männer bewusstlos wurden. Die Werksfeuerwehr brachte sie aus dem Gefahrenbereich. Gleichzeitig wurde die Leitung abgesperrt, damit kein weiteres Gas austreten konnte. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauerten an.
Einsatzkräfte in Ratingen wurden gezielt angegriffen
Bei der Explosion in einem Hochhaus in Ratingen soll es sich um eine gezielte Attacke auf die Einsatzkräfte gehandelt haben. Der Bewohner soll die Wohnungstür geöffnet und gezielt eine brennende Flüssigkeit auf die Kräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst geschleudert haben, sagte Dietmar Henning von der Polizei Düsseldorf. "Die Einsatzkräfte haben dann, selber brennend, den Ort verlassen."
Im Rahmen des Einsatzes sei ein Gefäß gefunden worden, aus dem der Verdächtige die brennbare Flüssigkeit auf die Einsatzkräfte geschleudert haben soll, sagte Heike Schultz von der Polizei. Bei der Flüssigkeit soll es sich nach ersten Erkenntnissen um Benzin gehandelt haben, möglicherweise seien auch weitere Stoffe dazugemischt worden.
UN: Soldaten und "bewaffnete weiße Männer" massakrierten 500 Menschen in Mali
Malische Soldaten haben nach UN-Angaben zusammen mit "bewaffneten weißen Männern" in dem westafrikanischen Land im vergangenen Jahr ein Massaker angerichtet. Danach seien mindestens 500 Menschen in dem Ort Moura in Zentralmali exekutiert worden, teilte das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte mit. Dutzende weitere Menschen seien vergewaltigt oder gefoltert worden.
Die Identität der an dem Massaker beteiligten "weißen Männer" bleibe ungeklärt, sagte ein UN-Sprecher. Westliche Regierungen haben sich in der Vergangenheit besorgt über die Anwesenheit von Mitgliedern der russischen Söldnergruppe Wagner in Mali geäußert. Das Massaker habe sich am 27. März 2022 ereignet, heißt es in dem UN-Bericht. Die Soldaten und ausländische Kräfte seien mit Hubschraubern gekommen und hätten das Feuer auf flüchtende Dorfbewohner eröffnet. In den folgenden Tagen seien Hunderte erschossen und die Leichen in Gräben verscharrt worden. "Das sind sehr verstörende Ergebnisse", sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, die den Tatbestand der Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit erfüllen könnten.
Mysteriöse Geräusche in Stratosphäre - Forscher rätseln
Mysteriöse Geräusche aus der Stratosphäre stellen Forschende vor ein Rätsel. Mithilfe spezieller Ballons werden sie in mehr als 21 Kilometer Höhe aufgezeichnet. Auf den Aufnahmen sind unter anderem Meereswellen und Motorenlärm zu hören. Doch sie enthalten auch Klänge bislang unbekannten Ursprungs.
Fünf Einsatzkräfte nach Ratinger Explosion in künstlichem Koma
Einen Tag nach der Explosion in einem Ratinger Hochhaus befinden sich fünf schwer verletzte Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst in künstlichem Koma. Sie seien in Spezialkliniken für Brandverletzte nach Köln, Duisburg, Dortmund, Düsseldorf und Bochum gebracht worden. "Die Kollegen erlitten Verbrennungen von bis zu 40 Prozent der Körperoberfläche", teilte die Feuerwehr in Ratingen mit.
Unter dem Eindruck der Explosion forderte ein Verbandssprecher der Feuerwehren ein konsequenteres Vorgehen der Justiz gegen Gewalttäter. "Unsere Einsatzkräfte sind immer dann irritiert, wenn Ermittlungsverfahren gegen Gewalttäter sehr früh und lapidar einfach eingestellt werden. Sie wünschen sich ein starkes Ausnutzen der vorhandenen strafrechtlichen Möglichkeiten", sagte Christoph Schöneborn, Geschäftsführer des Verbandes der Feuerwehren in NRW, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.
Schichtwechsel
Sabine Oelmann sagt "Tschüss", ich sage "Hallo". Mein Name ist Uladzimir Zhyhachou, ich übernehme den "Tag" und bin bis zum späten Abend für Sie da. Haben Sie einen schönen Nachmittag!
Ja zu Gesetzentwurf für bessere Integration behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt
Der Bundesrat hat am Freitag grünes Licht für einen Gesetzentwurf für die bessere Integration behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt gegeben. Das Gesetz soll Anfang 2024 in Kraft treten und sieht insbesondere vor, dass Firmen ab 2025 höhere Abgaben zahlen, wenn sie trotz Verpflichtung keine Menschen mit Behinderung beschäftigen. Die Mittel sollen für die Förderung der Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen auf dem Arbeitsmarkt eingesetzt werden.
Geändert wird die sogenannte Ausgleichsabgabe. Diese müssen Firmen zahlen, wenn sie keine Schwerbehinderten beschäftigen, obwohl sie dazu verpflichtet sind: Für Arbeitgeber mit mindestens 60 Arbeitsplätzen gilt künftig, dass sie pro nicht besetztem Pflichtarbeitsplatz 720 Euro monatlich zahlen müssen - bislang ist es die Hälfte. Für kleinere Unternehmen gibt es Sonderregelungen.
Außerdem sehen die Pläne eine Genehmigungsfiktion für Anträge beim Integrationsamt vor. Entscheidet das Amt nicht innerhalb von sechs Wochen, gelten die Anträge dann als genehmigt. Die Arbeitgeber sollen zudem durch einheitliche Ansprechstellen unterstützt und beraten werden.
"Ja, ich will, einen Korn und dich" - heiraten in der Kneipe
Das gibt es vermutlich nur auf der Hamburger Reeperbahn: Unter dem Motto "Auf ein Bier und ein Jawort" können sich heiratswillige Paare in einer Kneipe auf St. Pauli kirchlich trauen lassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Partner Mitglieder in der evangelischen Kirche sind oder standesamtlich verheiratet sind, teilt die Agentur St. Moment mit. Die kirchliche Ritualagentur gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.
"Wir wollten einfach dahin, wo Menschen gerne sind, wo sie sich wohlfühlen und gerne feiern", sagt Pastorin Angelika Gogolin. Kleiderordnung, lange Planung oder hohe Kosten, all das spielt dabei keine Rolle. Eines der Paare, die am Donnerstagabend in der Kneipe "Zum Windjammer" - direkt gegenüber der berühmten Herbertstraße - mitmachen, sind Katja und Uwe Molzahn. Die beiden Hamburger haben vergangenes Jahr Silberhochzeit gefeiert und wollten sich erneut segnen lassen.
"Die Kirche wird modern. Das finde ich gut", findet der Bräutigam. Direkt am Tresen, auf dem zwei große Biere, ein Strauß weißer Rosen und eine Kerze stehen, lauschen die beiden den Worten von Pastorin Gogolin. "Mit Gottes Liebe wollen wir eure Ehe segnen", sagt die Pastorin, die neben ihrem schwarzen Talar auch noch einen bunten Regenbogenschal umgelegt hat. Auch Sina Hökendorf und Daniel Krensk, die am Samstag standesamtlich heiraten möchten, haben sich spontan getraut. "Wir sind beide nicht in der Kirche", sagt Daniel Krensk. Es sei aber toll, seine Liebe segnen zu lassen. "Im Standesamt ist alles so bürokratisch", ergänzt seine zukünftige Ehefrau Sina Hökendorf.
Deutscher wegen Unterstützung einer dschihadistischen Gruppe verurteilt
Weil er die dschihadistische Gruppe Hajat Tahrir al-Scham unterstützte, ist ein Deutscher in Stuttgart zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Das Oberlandesgericht verhängte am Freitag außerdem eine Bewährungsauflage von 50.000 Euro gegen den 43-Jährigen. Es sprach ihn der Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung schuldig.
Zwischen 2017 und 2020 habe er einem Kämpfer in Syrien insgesamt 4600 Euro zukommen lassen, erklärt das Gericht. Bei dem Kämpfer handle es sich um einen langjährigen Freund des Angeklagten, der als Dschihadist in Syrien für die Errichtung eines Gottesstaats kämpfe. Der Angeklagte war geständig. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Revision zum Bundesgerichtshof ist möglich.
Homophobe Beleidigungen und Schläge in Berlin
In Berlin haben drei Unbekannte zwei 23 und 26 Jahre alte Männer homophob beleidigt, mit Flaschen beworfen und geschlagen. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, wurden die beiden am Donnerstagabend vor einem Café im Bezirk Neukölln durch die Tatverdächtigen im Vorbeigehen homophob beleidigt.
Im weiteren Verlauf der daraus resultierenden Auseinandersetzung wurde der 23-Jährige mit einer Flasche beworfen und am Bein verletzt. Die Angegriffenen flüchteten, die Tatverdächtigen folgten ihnen und schlugen dem 26-Jährigen mit der Faust gegen den Hinterkopf. Anschließend entfernten sie sich in Richtung eines S-Bahnhofs. Die Ermittlungen übernahm der polizeiliche Staatsschutz.
Sechs Jahre Haft für Frankfurter Oberstaatsanwalt in Korruptionsprozess
In einem Prozess um Korruption bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main ist ein hessischer Oberstaatsanwalt zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Das Frankfurter Landgericht sprach ihn am Freitag der Bestechlichkeit in 86 Fällen und des Subventionsbetrugs schuldig.
Ein mit dem Angeklagten befreundeter Unternehmer erhielt vor Gericht eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten wegen Bestechung und Steuerhinterziehung.
Die Bahn kommt - nicht: EVG-Ultimatum abgelaufen
Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn stehen die Zeichen weiter auf einen bundesweiten Warnstreik in der kommenden Woche. Ein Ultimatum der Bahn-Gewerkschaft EVG für ein neues Tarifangebot seitens der Deutschen Bahn ist am Freitagmittag um 12.00 Uhr ohne erkennbare Annäherung abgelaufen.
Die Gewerkschaft hatte dem bundeseigenen Konzern noch einmal Zeit gegeben, das Angebot anzupassen, um einen Ausstand zu verhindern. Bis zuletzt deutete sich allerdings keine Annäherung an - es ist damit sehr wahrscheinlich, dass die Bahn ab Sonntagabend 50 Stunden lang bestreikt wird.
Die EVG hat die Beschäftigten für die Zeit von Sonntagabend, 22.00 Uhr, bis Dienstagabend, 24.00 Uhr, zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Die Bahn wird in dieser Zeit den Fernverkehr komplett einstellen. Auch bei DB Regio wird im Streikfall kaum ein Zug fahren. Zentraler Knackpunkt ist derzeit der Mindestlohn, den etwa 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der DB nur über Zulagen erreichen. Die EVG will den gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro zunächst in die Tabellen aufnehmen, damit alle weiteren Verhandlungsergebnisse dann auf diesen Wert berechnet werden. Die Bahn hat das teilweise zugesagt.
ESC - bleibt Deutschland dieses Mal eine Schlappe erspart dank Lord of the Lost?
Der Eurovision Song Contest (ESC) 2023 geht am Samstag in Liverpool ins Finale. Für Deutschland tritt die Hamburger Dark-Rock-Gruppe Lord Of The Lost mit dem Lied "Blood & Glitter" an. ESC-Experten räumen der Band recht gute Chancen ein - Deutschland könnte erstmals seit 2018 eine Platzierung unter den Schlusslichtern erspart bleiben. Allerdings hatte Sänger Chris Harms kurz vor dem Finale mit einer angeschlagenen Stimme zu kämpfen und verbrachte die Tage in Liverpool außerhalb der Proben nahezu stumm, um sich für Samstagabend zu schonen.
Der ESC steht 2023 unter dem Motto "United by Music" (Vereint durch Musik). Der ESC-Tradition zufolge hätten normalerweise die Ukrainer als Vorjahressieger diesen Wettbewerb ausgetragen. Großbritannien nimmt als zweitplatziertes Land des Vorjahres diese Aufgabe wahr, weil die Ukraine wegen des russischen Angriffskrieges kein sicherer Ort ist. Um den Wettbewerb nicht weiter zu politisieren, gibt es nach Angaben der Veranstalter kein Grußwort des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Der Staatschef hatte sich angeblich beim Finale mit einer Videobotschaft an die Zuschauerinnen und Zuschauer wenden wollen. Doch die austragende Europäische Rundfunkunion (EBU) sprach sich dagegen aus.
In einem BBC-Interview sagte Selenskyj, er hätte es besser gefunden, wenn der Wettbewerb in ein ukrainisches Nachbarland wie Polen oder die Slowakei verlegt worden wäre. Dann wäre es für Ukrainer einfacher gewesen, hinzureisen oder sich nahezufühlen, so Selenskyj. Die Europäische Rundfunkunion betonte, die ukrainische Musik, Kultur und Kreativität spielten bei der Show eine wichtige Rolle. "Nicht weniger als elf ukrainische Künstler, darunter Vorjahresgewinner Kalush Orchestra, werden auftreten." Auch würden 37 Orte der Ukraine in Kurzfilmen gezeigt. Explizite politische Aussagen sind laut den Statuten verboten.
Dänemark lockert Grenzkontrollen
Berufspendler und Reisende auf dem Weg nach Dänemark müssen von nun an seltener ihren Ausweis vorzeigen. In der Nacht zum Freitag traten Lockerungen der vor Jahren eingeführten dänischen Grenzkontrollen in Kraft. Die Änderungen sollen letztlich dafür sorgen, dass man an den Grenzübergängen auf dem Weg nach Norden deutlich seltener kontrolliert wird.
Geplant ist nach Angaben des dänischen Justizministeriums, dass die dadurch frei werdenden Polizeiressourcen in die Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität fließen. Die Grenzkontrollen zu Dänemarks nördlichem Nachbarn Schweden fallen komplett weg. Im Schengen-Raum, dem 27 europäische Länder angehören, gibt es eigentlich keine stationären Personenkontrollen an den Grenzen. Im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 hatten mehrere Länder aber vorübergehende Kontrollen eingeführt, die alle sechs Monate verlängert werden müssen. Dänemark hatte sie Anfang Januar 2016 erst an der Grenze zu Deutschland aufgenommen und ab Mitte November 2019 dann auch an der Grenze zu Schweden.
Am stark frequentierten Übergang Kruså war es am Freitagmorgen für Pendler und andere Reisende spürbar leichter, über die Grenze zu kommen: Bodenschwellen wurden abgebaut und eine zweite Spur für den Autoverkehr freigegeben. Es gab vereinzelte Kontrollen, aber trotz des morgendlichen Berufsverkehrs in der eng miteinander verbundenen Grenzregion keinen Stau.
Schweigeminute für Schussopfer in Sindelfingen
Nach den tödlichen Schüssen bei Mercedes soll es am Montag eine Schweigeminute in dem Werk in Sindelfingen bei Stuttgart geben. Außerdem gebe es vor Ort einen Trauerraum zur Erinnerung an die Opfer, wie ein Mercedes-Sprecher am Freitag mitteilte. Wie der genaue Ablauf am Montag sein wird, konnte der Sprecher zunächst nicht sagen.
Am Donnerstagmorgen soll ein 53-Jähriger zwei Kollegen - allesamt Mitarbeiter der Logistikfirma Rhenus - erschossen haben. Ein Haftrichter beim Amtsgericht Stuttgart erließ Haftbefehl wegen Totschlags in zwei Fällen gegen den Türken. Dieser kam in Untersuchungshaft in ein Gefängnis. Bei den beiden Toten handelt es sich den Angaben zufolge um zwei 44 Jahre alte Männer.
Appell an China für Freilassung von taiwanischem Verleger Fu Cha
Mit einem gemeinsamen Appell haben sich Unterstützer für den in China inhaftierten taiwanischen Verleger Fu Cha eingesetzt. Mehr als 350 Wissenschaftler, Autoren, Verleger und Medienschaffende unterzeichneten einen am Freitag in Taipeh veröffentlichten Brief, in dem China aufgefordert wurde, der Familie und den Anwälten von Fu Cha Zugang zu ihm zu gewähren. Die chinesische Justiz hatte Ende April Ermittlungen gegen den im März verhafteten Verleger Li Yanhe, besser bekannt als Fu Cha, eingeleitet. Er werde der Gefährdung der nationalen Sicherheit verdächtigt.
Der in der Volksrepublik geborene Fu Cha hatte 2009 in Taiwan den Verlag Gusa Press gegründet und Bücher veröffentlicht, die die Kommunistische Partei kritisieren oder Tabuthemen in China berühren. Die Verhaftung werde "den kulturellen Austausch zwischen Taiwan und China gefährden", so Joshua Wang, ein ehemaliger Mitarbeiter von Gusa Press und enger Freund von Fu Cha, auf einer Pressekonferenz in Taipeh.
"Wir fordern das Regime in Peking auf, detaillierte Informationen über seinen Aufenthaltsort bekannt zu geben und sicherzustellen, dass er unverzüglich zu seiner Familie nach Taiwan zurückkehren kann", fordert Cédric Alviani, Leiter des Ostasienbüros von Reporter ohne Grenzen in Taipeh. Die Festnahme von Fu Cha wurde als Warnung Pekings an Taiwan verstanden, das eine selbstverwaltete Demokratie ist, aber von China als Teil seines Territoriums betrachtet wird.
Von Sonne bis Gewitter - alles ist möglich
Das Wetter in Deutschland ist wirklich vielseitig: Im Nordosten bleibt es bei Temperaturen von bis zu 23 Grad auch am Freitag sommerlich. Passend dazu gibt es einige Sonnenstunden. Eher ungemütlich wird es dagegen in Westdeutschland, vereinzelt sind sogar Gewitter möglich.
Das wird heute wichtig
Ein Routine-Einsatz, der ein schreckliches Ende nimmt für ausgerechnet jene, die helfen wollten, hat uns gestern schockiert: Eine Explosion in einem Ratinger Hochhaus lässt viele schwerst verletzte Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr zurück - und viele offene Fragen, die heute hoffentlich geklärt werden können. Warum wurde die Detonation ausgelöst und wer ist in der Wohnung des festgenommenen 57-Jährigen gestorben? Der Fall macht nicht nur die Menschen in Ratingen sprachlos, denn erneut werden Frauen und Männer, die sich täglich für die Sicherheit ihrer Mitmenschen einsetzen, im Einsatz zu Opfern. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen heute vor allem herausfinden, welche Gesinnung der Mann hatte und ob er die Einsatzkräfte womöglich gezielt in einen Hinterhalt lockte. Ich versuche das mit den guten Nachrichten, versprochen, aber es wird nicht einfach. Wenn Sie sich heute Abend dann endlich mal was Schönes angucken wollen - die Deutsche Filmakademie vergibt ihre Lolas. Einer der Favoriten: "Sonne und Beton". Der mit vier Oscars ausgezeichnete Antikriegsfilm "Im Westen nichts Neues" geht bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises in Berlin allerdings mit den meisten Nominierungen ins Rennen: mit 12. Falls Sie der Schuh drückt: dertag@n-tv.de
Was steht sonst an?
Bei den in Bachmut kämpfenden russischen Truppen herrscht nach Darstellung eines Kriegskorrespondenten des russischen Staatsfernsehens höchste Alarmstufe. Wegen der ukrainischen Angriffserfolge an den Flanken der in der Stadt kämpfenden Söldnertruppe Wagner drohe eine umfassende Einkesselung. Der ukrainische Armeesprecher Serhij Tscherewatyj berichtete am Abend von Versuchen der russischen Militärs, das weitere Vordringen der Ukrainer mit massiven Artillerieschlägen und Luftangriffen aufzuhalten.
Der Bundesrat beschäftigt sich heute mit zwei wichtigen energiepolitischen Vorhaben: Die Länderkammer will (ab 9.30 Uhr) über die umstrittenen Pläne zum Heizungstausch diskutieren und ein Gesetz für die raschere Verbreitung intelligenter Stromzähler verabschieden.
Die Außenminister der EU-Staaten beraten heute bei einem informellen Treffen in Schweden über die jüngsten Entwicklungen im Krieg in der Ukraine. Im Mittelpunkt der Gespräche steht die weitere Unterstützung für das von Russland angegriffene Land. Zumindest am Rande dürfte es zudem um Vorschläge der EU-Kommission für ein elftes Paket mit Russland-Sanktionen gehen.
Der Bundestag widmet sich zu Beginn seiner Debatte ab 9 Uhr dem 75. Jahrestag von Israel. Für Deutschland ist die Sicherheit Israels angesichts der Ermordung von sechs Millionen Juden durch Nazi-Deutschland Staatsräson. Die Parlamentarier diskutieren ferner über den Hafenstandort Deutschland, die Städtebauförderung, das Recht zum Wohnungstausch und die Rückgabe der Benin-Bronzen.
Für Hertha BSC geht das große Zittern im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga weiter. Auch im Auswärtsspiel beim 1. FC Köln (20.30 Uhr) müssen die Berliner gewinnen, um noch realistische Chancen auf den Klassenerhalt zu haben. Als Tabellenschlusslicht haben die Berliner drei Spieltage vor Saisonende fünf Punkte Rückstand auf den FC Schalke 04, der den rettenden 15. Platz belegt.
Ohne Angehörige würde Pflegesystem kollabieren
Patientenschützer Eugen Brysch hat zum "Tag der Pflegenden" an diesem Freitag auf die Menschen hingewiesen, die pflegebedürftige Angehörige zu Hause versorgen. "Ohne die aufopfernde Unterstützung der meist weiblichen und betagten Angehörigen wäre das System Altenpflege schon längst kollabiert", sagt der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Er nennt diese Gruppe den "größten Pflegedienst Deutschlands", der nicht vergessen werden dürfe.
Für die häusliche Versorgung der vier Millionen Pflegebedürftigen sehe die geplante Pflegereform keine Entlastungen vor, beklagte Brysch. Er forderte unter anderem einen Rechtsanspruch auf Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Auch müsse das Pflegegeld um mindestens 340 Euro monatlich pauschal erhöht und dann jährlich dynamisiert werden. "Seit sechs Jahren warten die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen auf diese Anpassungen", sagte Brysch.
Mickey Rourke über Til Schweiger: Er wurde "gekreuzigt"
Ungeahnter Beistand: Nach den Vorwürfen eines angeblichen Fehlverhaltens von Til Schweiger am Set von "Manta Manta - Zwoter Teil" steht ihm sein Schauspielkollege Mickey Rourke zur Seite. Auf Instagram schreibt Rourke, ihm sei zu Ohren gekommen, dass Schweiger zuletzt "in den Boulevardblättern gekreuzigt" worden sei.
Schweiger sei für ihn nicht nur "ein lieber Freund", sondern auch "das vielleicht größte Talent als Schauspieler, Regisseur und Produzent". Er habe schon mit seinem Kollegen zusammengearbeitet und respektiere Schweigers Arbeitsprozess als "sehr kreativer und angenehmer Mann". Er wolle ihm beistehen und wisse, dass der 59-Jährige "ein starker, smarter, loyaler Mann" mit Substanz sei, der es liebe, Filme zu drehen. Manchmal benötigt man eben einen Freund - und Rourke will dieser Freund für Schweiger sein. Schweiger arbeitete als einer der Regisseure an dem Episodenfilm "Berlin, I Love You" von 2019 mit, in dem auch Rourke eine der Rollen übernommen hatte. In einem kommenden Film werden Rourke und Schweiger offenbar vor der Kamera zu sehen sein.
Zu den Anschuldigungen von Crewmitgliedern, die der "Spiegel" Ende April öffentlich gemacht hat, hatte sich Constantin-Chef Martin Moszkowicz in der vergangenen Woche geäußert. "Ich nehme die Vorwürfe sehr ernst, und wir haben mit einer intensiven Aufklärung begonnen", erklärte er. Schweiger sei am betreffenden Drehtag "augenscheinlich stark alkoholisiert von einem Mitarbeiter der Constantin Film daran gehindert worden, mit der Arbeit am Drehort zu beginnen. In der anschließenden Auseinandersetzung kam es zu einer Tätlichkeit."
"Augstein & Blome" - der neue Podcast
Seit mehr als zehn Jahren schon befinden sich Jakob Augstein und Nikolaus Blome im politischen Dauerstreit. Ab sofort sind die hitzigen Diskussionen der beiden Journalisten endlich auch als Podcast verfügbar: In der ersten Folge streiten der Publizist und der ntv-Politikchef über die deutsche und die europäische Asylpolitik. Sie diskutieren, ob die Grünen mittlerweile wie die CDU sind. Und, was leistet Altkanzler Gerhard Schröder eigentlich noch für Deutschland, dass er ein Büro im Bundestag verdient hätte?
Schöner streiten und lauter lachen mit "Augstein & Blome" - ab sofort immer freitags auf RTL+ Musik und überall, wo es Podcasts gibt.
Einigung in Sudan: Zivilisten sollen geschützt werden
Die Konfliktparteien im Sudan haben sich nach US-Angaben auf den Schutz der Zivilbevölkerung und die Ermöglichung von humanitärer Hilfe geeinigt. Eine Waffenruhe konnte zunächst nicht ausgehandelt werden. Gespräche über eine mehrtägige Feuerpause sollen nun folgen - und voraussichtlich schon am Freitag beginnen, wie die "New York Times" unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Quelle im Außenministerium berichtete.
Die Vereinbarung mit dem Namen "Verpflichtungserklärung zum Schutz der Zivilbevölkerung des Sudan" sei mithilfe von Diplomaten aus den USA und Saudi-Arabien bei Gesprächen im saudi-arabischen Dschidda ausgehandelt worden, hieß es aus Washington. Darin verpflichten sich die Konfliktparteien unter anderem dazu, humanitäre Hilfe in das nordostafrikanische Land zu lassen, Krankenhäuser sowie Wasser- und Elektrizitätswerke zu räumen und nicht für militärische Zwecke zu nutzen und es der Bevölkerung zu ermöglichen, ihre Toten zu bestatten.
In dem Land am Horn Afrikas war ein lange schwelender Machtkampf am 15. April gewaltsam eskaliert. Die Armee unter dem Kommando von De-facto-Präsident Abdel Fattah al-Burhan kämpft gegen die paramilitärischen Einheiten seines Vizes Mohammed Hamdan Daglo. Die beiden Generäle hatten sich 2021 gemeinsam an die Macht geputscht. Vereinbarte Waffenruhen wurden im Sudan schon mehrfach gebrochen.
12.000 Migranten pro Tag: Andrang an der Südgrenze der USA
Mit großer Ungewissheit bangen Zehntausende Migranten an der südlichen Grenze der USA um ihre Zukunft. Mit der Aufhebung des Corona-Notstandes in den Vereinigten Staaten endete in der Nacht zum Freitag auch eine umstrittene Abschiebepraxis, die in den vergangenen Jahren unter Verweis auf die Pandemie eine schnelle Zurückweisung von Migranten ermöglicht hatte.
Viele der Migranten aus Mittel- und Südamerika hatten sich durch den Wegfall der sogenannten Titel-42-Regelung einst bessere Chancen für eine Aufnahme in den USA erhofft, sind aber zunehmend desillusioniert. Denn die US-Regierung hat zahlreiche Maßnahmen erlassen, um dem Andrang an der Grenze entgegenzusteuern:. US-Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas versuchte am Donnerstag, falsche Erwartungen zu dämpfen - und betonte einmal mehr, dass die Grenze nun mitnichten offen sei. US-Präsident Joe Biden sagte, die Situation an der Grenze werde noch "für eine Weile chaotisch" bleiben.
Die Titel-42-Regelung ermöglicht es, Menschen von der Einreise in die USA abzuhalten, wenn durch Einschleppung von Krankheiten eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit besteht. Im März 2020 - unter dem Eindruck der Corona-Pandemie - wurden die Grenzschutzbehörden unter dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump angewiesen, diese Regel anzuwenden. So wurde unter Verweis auf die Pandemie eine schnelle und unbürokratische Zurückweisung von Migranten möglich - noch bevor diese überhaupt einen Asylantrag stellen konnten. 2,8 Millionen Abschiebungen soll es binnen drei Jahren unter Anwendung der Titel-42-Regelung gegeben haben. Eigentlich sollte die Regelung bereits im vergangenen Jahr auslaufen, doch mehrere US-Bundesstaaten, darunter Arizona und Texas, erhoben Einspruch - und bekamen recht. Illegale Einreiseversuche werden nun geahndet und die USA kehren zur Anwendung der sogenannten Titel-8-Regelung zurück. Der administrative Aufwand für die Grenzschützer ist damit höher, denn Migranten dürfen nicht mehr ohne reguläres Verfahren abgeschoben werden. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass sich ihre Chancen für einen positiven Asylbescheid erhöhen.