mit Uladzimir Zhyhachou"Der braune Dreck": Polizei-Hochschuldozentin verliert nach Tweet Lehrauftrag
Eine Dozentin an der Polizei-Hochschule in Gelsenkirchen hat nach einem Tweet ihren geplanten Lehrauftrag an der Hochschule verloren. Ein bestehender Lehrauftrag sei ausgelaufen, aber eine weitere Beauftragung sei zum kommenden Semester geplant gewesen, sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums mit Verweis auf die Leitung der Hochschule. Dies sei von der Hochschulleitung nun nach Prüfung ihrer Äußerungen gestoppt worden. Der Tweet von Dozentin Bahar Aslan lautet: "Ich bekomme mittlerweile Herzrasen, wenn ich oder meine Freund*innen in eine Polizeikontrolle geraten, weil der ganze braune Dreck innerhalb der Sicherheitsbehörden uns Angst macht. Das ist nicht nur meine Realität, sondern die von vielen Menschen in diesem Land", hatte die Dozentin Bahar Aslan am Samstag getwittert. Der Tweet sorgte für reichlich Wirbel.
Fake-Foto von Explosion am Pentagon sorgt für Aufregung
Ein gefälschtes Foto einer Explosion am Pentagon in den USA hat für Aufregung in sozialen Medien und kurzzeitig für einen Kurseinbruch an den Börsen gesorgt. Das vermutlich von einer Künstlichen Intelligenz (KI) erzeugte Bild wurde von zahlreichen Nutzern geteilt, so dass sich das US-Verteidigungsministerium zu einer Stellungnahme gezwungen sah. "Wir können bestätigen, dass es sich um eine Falschmeldung handelt und das Pentagon heute nicht angegriffen wurde", sagte ein Sprecher.
Das massiv geteilte Bild sorgte dafür, dass die Aktienmärkte für ein paar Minuten taumelten: Der Index S&P 500 brach im Vergleich zu seinem Schlusskurs am Freitag um 0,29 Prozent ein, bevor er sich wieder erholte.
Bremer SPD sondiert mit Grünen und Linkspartei
Auf der Suche nach einem Regierungsbündnis für Bremen hat der Wahlsieger SPD mit den bisherigen Partnern Grüne und Linkspartei gesprochen. "Ich freue mich, dass wir in dieser Runde tagen", sagte der SPD-Landesvorsitzende Reinhold Wetjen. Es gebe einige Punkte zu diskutieren und abzuhaken. Man kenne sich gut, sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte von der SPD über die Dreierkonstellation. Nun wolle man sehen, ob man auch Zukunftsthemen zusammen meistern könne. Die SPD hält sich bisher bedeckt zu ihren Plänen. Der Landesvorstand will am Mittwoch entscheiden, mit welchen Partnern über eine Koalition verhandelt werden soll.
Das in Westdeutschland einmalige Bündnis aus SPD, Grünen und Linken könnte nach der Bürgerschaftswahl vom 14. Mai weiterregieren. Mit beiden Partnern hat die SPD einzeln sondiert.
Frauenleiche auf Schulhof - 17-Jähriger festgenommen
Die 19-Jährige, die heute Morgen tot auf einem Schulhof in Recklinghausen entdeckt wurde, ist offenbar Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Wie die Polizei und die Staatsanwaltschaft mitteilten, sei die junge Frau erdrosselt worden. Die Ermittler nahmen einen Tatverdächtigen fest, er ist 17 Jahre alt und soll die 19-Jährige länger gekannt haben. Die Ermittlungen dauern an.
Bericht: Reeder Bertram Rickmers stirbt nach Unfall in seiner Villa
Bertram Rickmers, einer der bekanntesten Reeder Deutschlands, ist laut einem Medienbericht nach einem Unfall in seiner Villa gestorben. Der Unternehmer sei in der Nacht zu Montag - am 60. Geburtstag seiner Frau - eine Treppe hinabgestürzt, berichtete die "Bild"-Zeitung. Demnach erlag der 71-Jährige seinen schweren Verletzungen.
Rickmers war Spross der berühmten Reeder-Dynastie. Jahrzehntelang leitete er die von ihm gegründete Rickmers Holding AG, bis sie 2017 insolvent ging. Die Reederei-Gruppe beschäftigte mehr als 2.000 Mitarbeiter in elf Ländern. 2015 gründete Rickmers zudem die Asian Spirit Company, zu der zuletzt elf Schiffe gehörten.
Nur neun Prozent der Briten halten Brexit für Erfolg
Nur neun Prozent der Menschen in Großbritannien halten den EU-Austritt ihres Landes bisher für einen Erfolg. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov hervor. Beinahe zwei Drittel - 62 Prozent - sehen im Brexit hingegen einen Misserfolg. Die übrigen antworteten mit "weiß nicht" oder "weder noch".
Unterschiede gibt es bei der Einschätzung, was der Grund für den Misserfolg ist. Während mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) glaubt, dass der Brexit schon von Anfang zum Scheitern verurteilt war, findet immerhin noch ein Drittel (33 Prozent), der EU-Austritt habe das Potenzial zum Erfolg gehabt. Dieses sei aber von verschiedenen Regierungen verspielt worden.
Die Entscheidung zum Austritt beim Referendum im Jahr 2016 halten rückblickend inzwischen nur noch 31 Prozent der Briten für richtig, gleichzeitig sind 56 Prozent der Meinung, dass es ein Fehler war.
Mann ermordet eigenen Sohn - schuldunfähig
Im Prozess um einen heimtückischen Mord an seinem sechsjährigen Sohn hat das Kieler Landgericht die Unterbringung des 40-jährigen Vaters auf unbestimmte Zeit in der Psychiatrie verfügt. Die Staatsanwaltschaft ging bei der Tat von heimtückischem Mord im Zustand der Schuldunfähigkeit aus. Sie hatte in dem Sicherungsverfahren die dauerhafte Unterbringung des Mannes aus Hamburg in einer Psychiatrie gefordert. Der Deutsche ist dort bereits seit der Tat untergebracht.
Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft tötete der Vater seinen Sohn am 25. September 2022 auf dem Campingplatz Bösdorf in Schleswig-Holstein in der wahnhaften Überzeugung, dass ein Atomkrieg unmittelbar bevorstehe und die Bomben bereits fielen. Er habe das Gesicht des schlafenden Sechsjährigen bedeckt, seine Kehle zerschnitten und mehrfach in den Oberkörper gestochen, wobei er auf das Herz gezielt habe. Dann habe der Mann selbst die Polizei gerufen. Der Sohn verblutete.
Scholz über Klima-Kleber: "Völlig bekloppt"
Bundeskanzler Olaf Scholz hat die Anklebe-Aktionen von Klima-Demonstranten der Letzten Generation scharf kritisiert. "Ich finde das völlig bekloppt, sich irgendwie an ein Bild festzukleben oder auf der Straße", sagte Scholz in einer Schule im brandenburgischen Kleinmachnow. Er habe den Eindruck, dass es auch nicht dazu beitrage, dass irgendjemand seine Meinung ändere, sondern es ärgerten sich vor allem alle. "Das ist eine Aktion, von der ich glaube, dass sie nicht weiterhilft", sagte Scholz. Zum EU-Projekttag besuchte der Kanzler die Eigenherd-Schule und stellte sich Fragen von Schülerinnen und Schülern.
Nationalist Ogan unterstützt Erdogan bei Stichwahl in Türkei
Der in der ersten Runde gescheiterte türkische Präsidentschaftskandidat und Ultranationalist Sinan Ogan sagt Staatschef Recep Tayyip Erdogan für die Stichwahl am Sonntag seine Unterstützung zu. "Ich rufe die Wähler, die im ersten Wahlgang für uns gestimmt haben, auf, im zweiten Wahlgang für Erdogan zu stimmen", sagte Ogan. Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt stehen sich am Sonntag Amtsinhaber Erdogan und Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu gegenüber.
Flugzeugabsturz bei Karlsruhe - zwei Tote
Bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Karlsruhe sind am Sonntagabend zwei Menschen ums Leben gekommen. Das Wrack des Kleinflugzeugs sollte noch im Laufe des Montags aus einem schwer zugänglichen Uferbereich eines Baggersees in der Nähe von Linkenheim-Hochstetten in Baden-Württemberg geborgen werden, teilte die Polizei mit. Der Ultraleichtflieger mit den beiden 44 und 58 Jahre alten Piloten an Bord war am Sonntagabend gegen 19 Uhr am Flugplatz Rheinstetten gestartet und hätte gegen 20.30 Uhr dort wieder landen sollen. Warum das Flugzeug abstürzte, muss nun die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung klären.
Scholz findet Biden "besser" als Trump
Im November kommenden Jahres wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Bundeskanzler Olaf Scholz hat schon einen Favoriten. Das ist – wenig überraschend – der Demokrat Joe Biden.
Gefragt, was er von einem möglichen Gegenkandidaten Donald Trump halte, sagte Scholz: "Ich finde den jetzigen Präsidenten besser, und deshalb hoffe ich auch, dass er wiedergewählt wird." Biden sei schon lange in der Politik und wisse genau, "was man machen muss, damit es in der Welt nicht zu einer kriegerischen Auseinandersetzung kommt", sagte Scholz im brandenburgischen Kleinmachnow. Biden habe auch "für sein eigenes Land ein Gefühl", fuhr der Kanzler fort.
Auch in Deutschland sei wichtig, dass die Gesellschaft zusammenhalte. "Wenn alle Leute nur gegeneinander sind, dann kann es keine gute Zukunft geben, und deshalb steht der frühere Präsident sicher für eine große Spaltung in dem Land", sagte Scholz mit Blick auf Trump. "Das wäre weder gut für die USA noch für uns." In den USA wird im November kommenden Jahres ein neuer Präsident gewählt.
Armenien: Bereit zur Anerkennung Bergkarabachs als Teil Aserbaidschans
Im seit Jahrzehnten schwelenden Streit um die Region Bergkarabach hat Armenien Aserbaidschan einen Lösungsvorschlag unterbreitet. Sein Land sei bereit, die Enklave als Teil Aserbaidschans anzuerkennen, zitierten russische Medien Armeniens Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan. Bedingung sei, dass Aserbaidschan die Sicherheit der armenischen Bevölkerung garantiere. Die überwiegend von Armeniern bewohnte Enklave zählt aus UN-Sicht zu Aserbaidschan. Sie hat aber 1991 ihre Unabhängigkeit von der Regierung in Baku erklärt.
"Zu den 86.600 Quadratkilometern aserbaidschanischen Territoriums gehört Berg-Karabach", sagte Paschinjan den Berichten zufolge auf einer Pressekonferenz. "Wenn wir uns richtig verstehen, dann erkennt Armenien die territoriale Integrität Aserbaidschans innerhalb der genannten Grenzen an, und Baku die territoriale Integrität Armeniens auf 29.800 Quadratkilometern." Er sei zur Akzeptanz der international anerkannten Grenzen Aserbaidschans bereit, wenn die Rechte der Armenier in Berg-Karabach garantiert würden. Diese Frage solle in Gesprächen zwischen beiden Ländern erörtert werden.
Kinder entdecken tote 19-Jährige am Schulhof
In Recklinghausen haben Kinder am Schulhof ihrer Grundschule die Leiche einer 19-jährigen Frau entdeckt. Die Todesursache ist noch unklar. Bei der Toten könne es sich aber wegen des Alters nicht um eine Schülerin der Schule handeln, teilte die Polizei mit. Die Schüler entdeckten die leblose Frau gegen 7:00 Uhr. Ein Notarzt konnte nur noch ihren Tod feststellen. Notfallseelsorger kümmerten sich anschließend um die Kinder. Wegen der unklaren Situation wurde eine Mordkommission eingesetzt.
Schichtwechsel
Sabine Oelmann sagt "Tschüss", ich sage "Hallo". Mein Name ist Uladzimir Zhyhachou, ich übernehme den "Tag" und bin bis zum späten Abend für Sie da. Ich wünsche Ihnen einen schönen, entspannten Nachmittag!
20 Tote in Südamerika bei Brand in Schulschlafsaal
Bei einem Brand in einem Schlafsaal an einer Schule im südamerikanischen Guyana sind mindestens 20 Menschen gestorben. Mehrere Menschen seien verletzt worden. Angaben zum Alter der Opfer machten die Behörden zunächst nicht. Das Feuer habe sich an der weiterführenden Schule Mahdia Secondary School in der Region Potaro-Siparuni im Zentrum des Landes ereignet. Sieben Kinder werden für die medizinische Versorgung in die Hauptstadt Georgetown gebracht, wie es weiter hieß.
Fünf Flugzeuge seien bereits auf dem Weg nach Mahdia, um unter anderem medizinische Hilfsgüter in die betroffene Region zu bringen. Die Regierung bat in ihrer Mitteilung um Gebete für die Kinder, deren Familien und die Gemeinde. Schlechte Wetterbedingungen hatten die Eindämmung des Feuers erschwert, hieß es in einer früheren Mitteilung. Örtlichen Medien zufolge war das Feuer in der Nacht zum Montag aus bisher ungeklärter Ursache ausgebrochen. Der Staat mit 800.000 Einwohnern ist eines der ärmsten Länder Südamerikas.
Wer kann sich die höchsten Mieten in Europa leisten?
Mieter und Mieterinnen im österreichischen Graz können sich einer Studie zufolge im Europa-Vergleich durchschnittlich die größten Wohnungen leisten. Am wenigsten Mietwohnraum bekommen dagegen die Menschen in den polnischen Städten Breslau und Krakau für das dort im Schnitt verfügbare Haushaltseinkommen, wie eine Studie der Immobilienberatung Catella belegt. Die Analysten haben dafür die aktuellen Marktpreise für Mietwohnungen untersucht und sind davon ausgegangen, dass 25 Prozent des zur Verfügung stehenden Nettoeinkommens für Kaltmiete als noch erschwinglich gelten können.
Unter diesen Bedingungen kann sich ein Durchschnittshaushalt in Breslau nur weniger als 45 Quadratmeter, einer in Graz dagegen fast 136 Quadratmeter leisten. In Deutschland ist das Verhältnis zwischen Durchschnittsmiete und -einkommen besonders gut in Düsseldorf, das nach Graz, dem belgischen Antwerpen und Stockholm auf Platz vier liegt. Hohe Durchschnittseinkommen führen auch dazu, dass Mieter in Genf - der Stadt mit den nach London zweithöchsten Mieten in Europa - noch mehr Wohnraum für das ihnen zur Verfügung stehende Geld bekamen als der Europa-Durchschnitt. Frankfurt und München rangierten knapp darunter.
Zahl der Unwetter-Toten gesunken, Zahl der Katastrophen durch Klimawandel höher
Unwetterkatastrophen haben nach UN-Angaben in den vergangenen 50 Jahren stark zugenommen und immer größere Schäden verursacht - die Zahl der Todesopfer ist dank besserer Frühwarnsysteme aber erheblich gesunken. Wie die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mitteilt, wurden von 1970 bis 2021 insgesamt 11.778 wetter- oder klimabedingte Katastrophen verzeichnet. Mehr als zwei Millionen Menschen kamen dabei ums Leben, die Schäden beliefen sich auf 4,3 Billionen Dollar (knapp vier Billionen Euro).
Mehr als 90 Prozent der weltweit gemeldeten Todesfälle aufgrund von Katastrophen wie Stürmen, Überflutungen und Dürren wurden dem WMO-Bericht zufolge seit 1970 in Entwicklungsländern verzeichnet. Verbesserte Frühwarnsysteme und ein koordiniertes Katastrophenmanagement hätten die Zahl der Todesopfer über die Jahre aber erheblich gesenkt - von jährlich mehr als 50.000 Todesfällen in den 70er Jahren auf unter 20.000 Todesfälle in den Jahren nach 2010. 2020 und 2021 wurden zusammengenommen nur noch 22.608 Todesfälle verzeichnet.
Lebenslange Haftstrafen für Mord südlich von Stockholm
Vier Männer sind in Schweden wegen der Beteiligung am Mord an einem mutmaßlichen früheren PKK-Mitglied zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Es habe sich um eine reine Hinrichtung einer unbewaffneten und ahnungslosen Person gehandelt, teilt das Amtsgericht Södertörn in Huddinge südlich von Stockholm mit. Drei der Verurteilten werden außerdem auf Lebenszeit aus Schweden ausgewiesen. Zwei weitere Angeklagte wurden freigesprochen. Alle sechs Männer haben ihre Beteiligung an der Tat abgestritten. Der 47-Jährige war im November 2021 in einem Wohngebiet in Huddinge erschossen worden. Schwedische Medien hatten daraufhin von Verbindungen zu der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und dem türkischen Staat berichtet.
Die Zeitung "Aftonbladet" bezeichnete das Opfer unter Berufung auf den Hauptzeugen als einen "PKK-Aussteiger", der vom türkischen Staat angeheuert worden sei, um andere Kurden in Schweden zu ermorden. Als ein solcher Auftragsmord gescheitert sei, habe sich der seit 2015 im Land lebende türkische Staatsbürger bedroht gefühlt und sei schließlich selbst von einem "Mordkommando" getötet worden.
Michelle Yeoh freut sich über breitgefächertes Rollenangebot
Oscar-Gewinnerin Michelle Yeoh bekommt nach eigenen Worten dank des Erfolgsfilms "Crazy Rich Asians" (2018) eine Vielzahl an Rollen angeboten. "Das Beste heute ist, dass ich ein Skript erhalte, in dem die Figur nicht als chinesisch oder asiatisch aussehende Person beschrieben wird", so die 60-jährige Schauspielerin in einem Interview während der Filmfestspiele in Cannes. Die gebürtige Malaysierin gewann im März den Oscar als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle in der Science-Fiction-Komödie "Everything Everywhere All At Once". Der internationale Durchbruch gelang ihr mit der Liebeskomödie "Crazy Rich Asians". Es war der erste Hollywoodfilm seit einem Vierteljahrhundert, für den nur Schauspieler mit asiatischem Hintergrund engagiert wurden.
Unhaltbare Arbeitsbedingungen bei der Spargelernte
Lohndumping, unzureichender Krankenversicherungsschutz und hohe Kosten für Unterkünfte sind bei der Spargel-, Gemüse- und Erdbeerernte in Deutschland laut einer Untersuchung von Oxfam keine Ausnahme. Saisonbeschäftigte in der Landwirtschaft sehen sich mit "systematisch gedrückten Löhnen und einer kaum durchschaubaren Kombination aus Stunden- und Akkordlöhnen konfrontiert", wie es in der neuesten Studie von Oxfam und der Initiative Faire Landarbeit heißt. Zehn Stunden schwere und monotone körperliche Arbeit sind Alltag in der deutschen Landwirtschaft.
Ein weiteres Problemen sind laut Studie hohe Lohnabzüge, beispielsweise für Unterkünfte. "Für eine Baracke ohne Küche verlangt einer der Betriebe 40 Euro pro Quadratmeter. Die durchschnittliche Kaltmiete in der Münchner Innenstadt liegt bei 23 Euro. Hier werden alle Spielräume, Menschen um ihren gerechten Lohn zu bringen, ausgenutzt", kritisierte Steffen Vogel, Oxfam-Referent für globale Lieferketten und Menschenrechte im Agrarsektor. Die Untersuchung belegt laut Oxfam und der Initiative Faire Landwirtschaft außerdem die unzureichende Versicherung der Arbeitenden. Die meisten hätten keinen umfassenden Krankenversicherungsschutz oder gäben an, gar nicht versichert zu sein und ihre Behandlungskosten selbst bezahlen mussten.
Frauen in Cannes werden noch immer anders bewertet
Als erste Frau an der Spitze der Filmfestspiele von Cannes wird es Iris Knobloch ihrer Ansicht nach in mancher Hinsicht anders ergehen als den männlichen Vorgängern. "Ich glaube, eine Frau zu sein, bringt eine weitere Ebene mit rein", sagt Knobloch. "Denn ich glaube, als Frauen werden wir stärker unter die Lupe genommen. Niemand wird kommentieren, welchen Smoking der Präsident trägt. Ich bin mir sicher, ich werde viele Kommentare bekommen", so die Präsidentin der Jury. Was leider stimmt und sich nicht nur auf ihre Kleiderwahl, sondern auch auf die Tatsache, dass sie eine Deutsche ist, bezieht.
Knobloch hat das Amt seit vergangenem Juli inne, sie ist die erste Frau und die erste nicht-französische Person in diesem Amt. Die 60-Jährige arbeitete zuvor lange Zeit als Top-Managerin des Hollywood-Konzerns Warner. Sie habe in ihrer Karriere die Erfahrung gemacht, dass es eine Tendenz gebe, Frauen anders zu bewerten als Männer, so Knobloch. Sie sehe in ihrer Rolle als erste Frau an der Spitze des Festivals eine Chance. Dieses Jahr finden sich mehr Regisseurinnen als je zuvor im Wettbewerb. Festivalleiter Frémaux ergänzt: "Die Leute gratulieren mir, weil wir sieben Frauen im Wettbewerb haben. Aber ich weigere mich, dafür Lob anzunehmen."
Wetter wird wechselhaft
Regen und Gewitter hier, Auflockerungen dort: Das Wetter in Deutschland bleibt in den kommenden Tagen wechselhaft und kühlt im Vergleich zum vergangenen Wochenende etwas ab.
Am Dienstag werden im Westen und Nordwesten zunächst einzelne Schauer erwartet, im Tagesverlauf lockert es aber vermehrt auf und bleibt oft trocken. Im Südosten und in Oder- und Neißenähe ist mit schauerartigem Regen sowie Gewittern zu rechnen. In Alpennähe kann es laut den Meteorologen zu Unwettern mit Starkregen kommen.
Die Höchstwerte liegen in der Südosthälfte bei 19 bis 23 Grad Celsius und in der Nordwesthälfte bei 15 bis 18 Grad. An der Nordsee kann es bei Höchstwerten von um die 13 Grad zu starken bis stürmischen Böen kommen.
Iraner mit doppelter Staatsbürgerschaft dürfen nicht für Parlament kandidieren
Im Iran dürfen künftig Politiker mit einer zweiten Staatsbürgerschaft nicht mehr für das Parlament kandidieren. Ebenso wird Iranerinnen und Iranern, die einen ständigen Wohnsitz in einem anderen Land haben, die Parlamentstätigkeit untersagt. Das iranische Parlament verabschiedete ein entsprechendes Gesetz am Sonntag.
Die Maßnahme zielt darauf ab, Interessenkonflikte zu verhindern, wie Staatsmedien berichten. Bereits im Jahr 2020 wurde ein ähnliches Gesetz verabschiedet, um sicherzustellen, dass nur Kandidaten mit ausschließlich iranischer Staatsbürgerschaft für das Präsidentenamt zugelassen werden. Die jüngste Hinrichtung des britisch-iranischen und ehemaligen Spitzenpolitikers, Aliresa Akbari, hatte international für Entsetzen gesorgt. Er wurde der Spionage beschuldigt und zum Tode verurteilt. Gleichzeitig entbrannte unter iranischen Politikern eine Debatte über Loyalitäten aufgrund seiner britischen Staatsbürgerschaft.
Der unbekannte Royal: Prinz Edward kommt nach Deutschland
Der große Unbekannte im Kreis der Royal Family gewinnt zunehmend an Profil. Denn bei der Neuaufstellung der Royal Family kommt dem jüngsten Bruder von König Charles III. eine besondere Rolle zu. Mit 59 Jahren ist der Herzog von Edinburgh, wie seit Kurzem sein offizieller Titel lautet, einer der jüngeren Vertreter der Kernfamilie. Gut 15 Jahre jünger als Charles und 18 Jahre älter als Thronfolger Prinz William ist Edward ein wichtiges Bindeglied zwischen den royalen Generationen beim aktuellen Umbruch.
Er galt als Mann ohne besondere Eigenheiten, als langweilig. Skandale - Fehlanzeige, in der Rangfolge als Thronanwärter ist Edward mittlerweile auf Rang 13 abgerutscht. Medien berichten, Charles behandele den Jüngsten als "niederen Royal". Zudem lief ihm in der Öffentlichkeit seine Ehefrau Herzogin Sophie den Rang ab. Doch jetzt ist Edward gefragt. Bruder Andrew ist wegen seiner Verwicklung in einen Missbrauchsskandal unbeliebt und ohne royalen Pflichten, Harry und Meghan haben sich aus dem Staub gemacht. Edward hatte immer mehr von Philips Aufgaben übernommen, nun hat er offiziell die Schirmherrschaft über den "Duke of Edinburgh's Award" inne. Im Rahmen dieses internationalen Jugendprogramms wird Edward in Berlin Teilnehmer ehren - Zeit, ihn endlich besser kennenzulernen.
Suche nach vermissten Männern in Oberhavel weiterhin erfolglos
Von den beiden seit Himmelfahrt vermissten Männern im Landkreis Oberhavel fehlt weiterhin jede Spur. Wie eine Polizeisprecherin mitteilt, habe die intensive Suche der letzten Tage bisher keinen Erfolg gebracht. Die beiden 22-Jährigen hatten am Himmelfahrtstag gemeinsam mit Freunden in Zabelsdorf, einem Ortsteil von Zehdenick, gefeiert. Sie seien nach dem Ende der Party am frühen Morgen des nächsten Tages vermutlich zum Ufer des Großen Wentowsees gegangen, gab die Polizei an. Dort fanden die Beamten die Jacke von einem der Männer. Seitdem fehlt von beiden jede Spur.
Seit Freitag laufen die Suchmaßnahmen. Fährtenhunde, Polizeihubschrauber, Boote und Sonartechnik wurden dabei eingesetzt. Dazu, wie die Suche weitergeführt werde, konnte eine Sprecherin am Montag noch keine Angaben machen.
Cher an ihrem 77. Geburtstag: "Wann werde ich mich alt fühlen?"
Anlässlich ihres 77. Geburtstages hat US-Sängerin Cher über ihr Alter sinniert. "Ich höre immer wieder diese Zahlen, aber ich kann sie ehrlich gesagt nicht verstehen", schrieb die Musikerin am Wochenende auf Twitter. Und an ihre Fans gewandt, fragte die Pop-Ikone in ihrem Geburtstagspost: "Wann werde ich mich alt fühlen?" Anschließend bedankte sie sich für die Unterstützung.
Die Musikerin, die am Samstag ihren Geburtstag feierte, ist für Hits wie "Believe" oder "Strong Enough" bekannt. Auch mit 77 Jahren will sie weiter Musik machen. Im März kündigte die Oscar-Preisträgerin ("Mondsüchtig") in einem Interview mit E! News zwei neue Alben an.
Nach Schießerei zwischen Clan und Rockern - Verdächtige festgenommen
Etwa ein Jahr nach einer Schießerei zwischen Hells Angels-Rockern und Angehörigen eines türkisch-libanesischen Clans in Duisburg haben Spezialeinheiten der Polizei zwei Männer festgenommen. Die beiden 38-Jährigen seien dringend tatverdächtigt, "am 4. Mai 2022 auf dem Hamborner Altmarkt mit Pistolen bewaffnet an einem Schusswechsel beteiligt gewesen zu sein", teilt die Polizei in Duisburg mit.
Ihnen wird demnach versuchter Totschlag vorgeworfen. Sie wurden in ihren Wohnungen gefasst. Der eine kommt aus der Rockerszene, der andere aus dem Clan. An der damaligen Eskalation waren mehr als 100 Menschen beteiligt, vier Männer wurden verletzt.
Liebesspiel im Auto setzt Ampel außer Gefecht
Ein Liebespaar im Auto hat in Erfurt eine Ampel außer Gefecht gesetzt - bis die Polizei kam. Die Beamten hätten Freitagnacht festgestellt, dass an einer Ampelkreuzung seit längerer Zeit ein Wagen mit beschlagenen Scheiben mitten auf der Straße steht, teilt die Polizei aus der thüringischen Landeshauptstadt mit. Die Polizisten entschlossen sich, nach dem Rechten zu schauen - "und überraschten dabei die beiden sich liebenden Fahrzeuginsassen, die von der Situation sichtlich peinlich berührt waren", wie es hieß.
Die Fahrzeuginsassen hätten berichtet, dass sie ihr Verlangen aufeinander nicht mehr länger zurückhalten konnten, weil womöglich die Ampel kaputt sei und nicht mehr umschalten wolle. Die lange Rotphase hatten sie allerdings selbst ausgelöst: Der Fahrer war an der bedarfsgesteuerten Ampel zu weit nach vorn gefahren, so dass diese dauerhaft "Rot" zeigte. Nach Zahlung eines Verwarngeldes nahm das Paar die Fahrt wieder auf. Um welche Summe es handelte, teilte die Polizei nicht mit.
Entsetzen über Roger-Waters-Konzert in München
Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat sich entsetzt über das Konzert des umstrittenen Pink-Floyd-Mitbegründers Roger Waters in München gezeigt - und schärfere Gesetze gefordert, die solche Auftritte künftig verhindern.
"Die Hetze gegen Juden hat ganz offenbar einen Platz in diesem Land. Dieser Platz ist heute die Olympiahalle", sagt die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern bei einer Demonstration des Bündnisses "München ist bunt!" am Eingang der Halle unmittelbar vor dem Auftritt des Musikers. Knobloch nannte Waters, der Judenhass-Vorwürfe stets bestritten hat, einen "antisemitischen Brandstifter". Knobloch lieferte sich ein kurzes, aber lautes Wortgefecht mit einem Waters-Fan, der während ihrer Rede immer wieder "Roger Waters" skandierte. "Hör auf, geh rein, hör ihn an, wenn du ihn so liebst", entgegnete Knobloch. Sie betonte: "Judenhass ist keine Meinung, Hass auf Israel ist keine Meinung."
Die Stadt München hatte Möglichkeiten erwogen, das Konzert des 79-Jährigen zu verbieten. Es sei aber aus rechtlichen Gründen nicht möglich, den Vertrag mit dem Konzertveranstalter außerordentlich zu kündigen, hieß es in einem Stadtratsbeschluss dazu. Waters wird unter anderem für seine Nähe zur BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) kritisiert, die zum Boykott des Staates Israel und seiner Güter wegen der Palästina-Politik aufruft. Bei Konzerten ließ er Ballons in Schweineform mit einem Davidstern aufsteigen. Bei seinen bisherigen Deutschland-Konzerten gab es das Schwein noch immer - aber ohne den Davidstern.
Tourismusbranche fordert mehr Tempo bei Visaverfahren
Vor dem Beginn der Haupturlaubssaison fordert die Tourismusbranche von der Politik mehr Tempo und weniger Bürokratie bei Visaverfahren. "Es kann beispielsweise nicht sein, dass Touristen und potenzielle Arbeitskräfte monatelang auf ihre Visa warten müssen", so der Generalsekretär des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft, Sven Liebert. "Touristenströme und Arbeitskräfte werden so schlimmstenfalls an Deutschland vorbei gelenkt."
Andere Länder machten vor, dass Visa auch schneller und digitaler vergeben werden könnten. Vertreter von Reiseunternehmen, Airlines, Bahn- und Busverkehr kommen am Montag in Berlin zu einem Branchentreffen zusammen, bei dem auch Wirtschaftsminister Robert Habeck, Verkehrsminister Volker Wissing und Arbeitsminister Hubertus Heil erwartet werden.
Neben der Digitalisierung der Branche soll auch das Thema Nachhaltigkeit auf der Agenda stehen. Der Bundesverband der Tourismuswirtschaft fordert dabei Investitionen in die Forschung zu alternativen Treibstoffen und Antriebsformen.
Das wird heute wichtig
Guten Morgen. Der Sommer ist endlich da. Ob Robert Habeck den auch genießen kann? Nachdem er Staatssekretär Patrick Graichen in den einstweiligen Ruhestand versetzt hat, könnte man das ja denken, aber es sieht nicht danach aus, dass im Wirtschaftsministerium irgendetwas ruhiger wird, denn nun steht ein weiterer Staatssekretär in der Kritik: Dem für Startups zuständigen Staatssekretär Udo Philipp wird vorgeworfen, an der Berufung eines Beraters beteiligt gewesen zu sein, in dessen Fonds er zuvor Geld investiert hatte. Dabei muss Habeck doch zusehen, dass er statt Personalquerelen volle Aufmerksamkeit für das neue Heizungsgesetz findet - auch, wenn an "heizen" momentan niemand denken möchte.
Und damit zu den weiteren Themen des Tages. Sie können mitmachen, wenn Sie wollen: dertag@n-tv.de
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den G7-Gipfel im japanischen Hiroshima als Erfolg für sein Land verbucht. Washington will die seit Langem von Kiew geforderten Lieferungen westlicher Kampfjets freigeben. Gegensätzliche Standpunkte vertreten Moskau und Kiew bei der Frage, ob Bachmut nun von Russen erobert wurde oder nicht.
Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel kommen in Seoul mit dem südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol zusammen. Beide Seiten wollen unter anderem über die sicherheitspolitische Zusammenarbeit, den gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel und Handelsfragen beraten.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) präsentiert um 9.30 Uhr die Ergebnisse ihrer Konjunkturumfrage unter Unternehmen in Deutschland. Befragt wurden 21.000 Firmen aus verschiedenen Regionen und Branchen in Deutschland unter anderem nach ihren größten Sorgen, ihrer aktuellen Lage und ihren Aussichten für die nächsten zwölf Monate
Die rechtskräftig verurteilte Rechtsterroristin Beate Zschäpe soll heute als Zeugin vom NSU-Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags vernommen werden. Die Befragung findet in der Justizvollzugsanstalt Chemnitz in einer nicht-öffentlichen Sitzung statt.
Der britische Prinz Edward soll zu Besuch nach Berlin kommen. Der jüngste Bruder von König Charles III. will am Nachmittag Jugendliche ehren, die am Jugendprogramm "Duke of Edinburgh's International Award" teilgenommen haben. Das Jugendprogramm, das den Herzogstitel im Namen trägt, wurde ursprünglich von seinem Vater Prinz Philip in den 1950ern gegründet.
Was Söder isst: Salat oder Schlachteplatte?
Als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder letztens mal wieder "auf langen Fahrten durch das Land" unterwegs war, gab es für ihn "nur eine Alternative", wie er auf Instagram schreibt: einen McRib und eine Portion Pommes in sauceverschmierter Pappe. "Ich gebe zu: Mir schmeckt es sehr". Smiley. Unter dem Hashtag "#söderisst" zeigt der CSU-Chef seinen Followern auf Instagram und Facebook schon seit geraumer Zeit, wovon er sich so ernährt - frei nach dem Motto: "Was soll ich heute essen? Salat oder Schlachtplatte?" Auf mehr als 12.800 Likes brachte es der McRib. "Die Idee zu #söderisst kam von Markus Söder selbst. Es sind immer seine Bilder und sein Essen", sagt einer seiner Sprecher.
"Spargel ist mein Lieblingsgemüse" erfahren Follower und sehen Videos von drehenden Brathendln, Schweinshaxen und ein Schoko-Osterlamm. Ernährungsexperten hätten zu den deftigen Essgewohnheiten des 56-Jährigen sicher einiges zu sagen - Kommunikationswissenschaftler auch. "Ein Klassiker, vor allem im Bereich des Populismus" sei das, sagt der Kommunikationswissenschaftler Carsten Reinemann von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Von "Gastropopulismus" oder "Food populism" sei in der Forschung die Rede, wenn Politiker thematisieren, was sie so essen.
"Ziel ist oftmals die Herstellung von Volksnähe", sagt er. "Deshalb lassen sich gerade Populisten auch gern beim gemeinsamen Essen mit Bürgerinnen und Bürgern ablichten." Als Beispiele für "Gastropopulismus" nennt Reinemann unter anderem Donald Trump, der sich demonstrativ Fast Food ins Weiße Haus bestellte - aber auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und sein inzwischen beinahe ikonisches "Hol' mir mal 'ne Flasche Bier (sonst streik' ich hier)".
Suchterkrankungen bleiben Tabuthema
Der Umgang mit Suchterkrankungen ist in Deutschland aus Sicht von Fachleuten immer noch stark von Ausgrenzung geprägt. Die Stigmatisierung betroffener Menschen und ihrer Angehörigen sei weiterhin eher die Regel als die Ausnahme, kritisiert die Geschäftsführerin des Fachverbandes Drogen- und Suchthilfe, Eva Egartner, vor Beginn eines Bundeskongresses in Weimar. "Wir haben das Problem, dass Suchterkrankungen noch immer nicht gleichgestellt sind, etwa mit psychiatrischen und somatischen Diagnosen", so Egartner. So würden Abhängigkeitserkrankungen als Ausdruck persönlichen Fehlverhaltens gesehen und zeuge der Umgang mit den Betroffenen nicht selten von Herablassung und Diskriminierung.
Notwendig sei aber, ihnen Brücken ins Hilfesystem zu bauen, anstatt ihnen den Zugang zu Leistungen zu verwehren. So würden Suchtkranke zum Beispiel kaum eine ambulante Psychotherapie erhalten. Außerdem fühlten sich bei der Umwandlung der Strafe für drogenabhängige Häftlinge in eine Therapie die Krankenkassen oftmals nicht mehr zuständig. "Damit wird unser Klientel aus dem Hilfesystem ausgeschlossen, fühlt sich erneut stigmatisiert und reagiert aus Verzweiflung darüber wieder mit dem Griff zur Flasche oder setzt sich den nächsten Schuss."
Zu einem stigmafreien Umgang gehöre ein uneingeschränkter Zugang für Suchtkranke zur Gesundheitsversorgung. Das gelte gleichwohl für die gesamte gesellschaftliche Teilhabe, zu der auch die Gleichbehandlung etwa auf dem Arbeits- oder Wohnungsmarkt zähle. Nach Einschätzung des Verbandes sind Suchterkrankungen nach der Corona-Pandemie weiter auf dem Vormarsch. Die derzeitige Situation mit Krieg und Krisen und der dadurch empfundenen Ausweglosigkeit lasse viele vermehrt zu Suchtstoffen greifen.