Unterhaltung

Weltruhm für Elendsviertel-Kinder Acht Oscars für "Slumdog Millionaire"

Gleich acht der begehrten Trophäen ergatterte der Film "Slumdog Millionaire" über einen Slum-Bewohner, der es zum Quiz-Millionär bringt - ein Erfolg, der auch den kleinen Laien-Darstellern aus Dharavi zu verdanken ist.

Freunde und Nachbarn von "Azhar" schauen sich gemeinsam die Oscar-Verleihung im Fernsehen an.

Freunde und Nachbarn von "Azhar" schauen sich gemeinsam die Oscar-Verleihung im Fernsehen an.

Es klingt wie das Drehbuch zu einem Kitschfilm, doch für Azharuddin Mohammed Ismail ist es Realität: Gerade noch bestand die Welt des Zehnjährigen aus dem Elendsviertel Dharavi in der indischen Millionen-Metropole Bombay - plötzlich aber findet er sich bei der Oscar-Gala in Hollywood inmitten von Weltstars auf dem roten Teppich wieder. Azharuddin, den seine Freunde Azhar nennen, spielte in "Slumdog Millionaire" mit, dem in Dharavi gedrehten großen Siegerfilm der diesjährigen Oscar-Verleihung. Gleich acht der begehrten Trophäen ergatterte der Streifen über einen Slum-Bewohner, der es zum Quiz-Millionär bringt - ein Erfolg, der auch den kleinen Laien-Darstellern aus Dharavi zu verdanken ist.

Überschwänglich dankte Regisseur Danny Boyle den Bewohnern von ganz Bombay bei der Oscar-Verleihung: "Ihr lasst sogar diesen Kerl hier als Zwerg erscheinen", rief er und hielt seine Oscar-Trophäe in die Höhe. Azhar und seiner kleinen Kollegin, der neunjährigen Rubina Ali, allerdings hat "Slumdog Millionaire" außer Ruhm bislang nichts gebracht: Sie leben weiter in Armut in Dharavi, dem größten Slum Indiens.

"Ich lebe wie eine Null"

Zwar besuchen Azhar und Rubina mittlerweile eine Schule für benachteiligte Kinder und haben, wenn sie volljährig werden, Zugriff auf einen Treuhandfonds. Das Geld, das Azhar mit den Filmarbeiten verdiente, ging aber sofort für den Lebensunterhalt drauf, wie sein Vater Mohammed Ismail Mohammed Usman berichtet. Der Mann, der sein bisschen Geld mit dem Verkauf von Pappe verdient, sagt: "Das einzige, was passiert ist, ist dass ich durch meinen Sohn sehr bekannt geworden bin - das ist alles." Nichts sonst habe sich geändert: "Mein Kind ist ein Held, und ich lebe wie eine Null."

Die Eltern von Rubina, die die Jugendliebe von "Slumdog"-Hauptfigur Jamal spielt, schauen daheim in Dharavi fassungslos die Oscar-Übertragung im Fernsehen an. Zur Feier des Tages schieben sie sich gegenseitig Süßigkeiten in den Mund und verteilen sie an Freunde und Nachbarn. Die tanzen begeistert, als die Sieger in Hollywood verkündet werden. Für einen Moment herrscht zu Hause bei Rubinas Eltern und draußen in den Gassen, wo sich Dutzende jubelnde Menschen um klapprige Fernseher scharen, nichts als Freude: Die Menschen reißen die Arme in die Höhe und strahlen übers ganze Gesicht, als sie die Geschehnisse in Los Angeles verfolgen. Vergessen die klapprigen Hütten mit Dächern aus Bambus oder Blech, stinkende Abwässerkanäle und Müllhaufen.

Nicht nur eitel Sonnenschein

Doch in Dharavi herrscht nicht nur eitel Sonnenschein: Wer am Montag, dem Tag nach der Oscar-Verleihung, über die Brücke an Bombays Mahim-Bahnhof nach Dharavi kommt, sieht als erstes ein riesiges Plakat, auf dem in Hindi zu lesen ist "Wir sind keine Slumdogs". "Sie haben in Dharavi gedreht und es geht um Dharavis, aber dieser Name "Slumdog"... Sie nennen uns Hunde, und deshalb fühle ich mich mies", sagt die 23-jährige Varsha Jitendra Bhosle, die in Dharavi aufgewachsen ist. "Der Film wird rein gar nichts an unserem Leben ändern", meint die sechsfache Mutter Manjula, als sie in Dharavi Wasser an der Pumpe holen geht. Regisseur und Produzenten des Films aber, da ist sie sicher, werden viel Geld mit dem Streifen machen.

Prashant Dighe aus Dharavi dagegen ist begeistert, dass der Film ein solcher Erfolg ist: "Ich mochte den Film - es war so, als hätte ich mein eigenes Leben auf der Kino-Leinwand angeschaut", sagt er. A.R. Rahman, der die Musik für den Film komponiert hat und dafür mit gleich zwei Oscars geehrt wurde, rühmte "Slumdog Millionaire" in seiner Dankesrede in Hollywood gar als ein Werk "über den Optimismus und die Macht der Hoffnung". Hoffnung kann der kleine Azhar dieser Tage dringend brauchen - die Stadt Bombay ließ kürzlich das ganze Wohnquartier der Familie einfach plattmachen. "Ich hoffe, dass es uns gelingt, ein Haus zum Leben zu finden", sagt er.

Quelle: ntv.de, Karishma Vyas, AFP

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