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Zum 20. Todestag von Kurt Cobain Der König des Grunge

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Kurt Cobain bei einem Auftritt am 13. Dezember 1993 in Seattle.

(Foto: AP)

1991 erscheint mit "Nevermind" eines der wichtigsten Alben der Musikgeschichte. Die Grunge-Band "Nirvana" erlangt Kultstatus. Ihr Frontmann Kurt Cobain wird zur Ikone. Drei Jahre später schießt er sich im Drogenrausch eine Kugel in den Kopf.

"Es ist besser, auszubrennen als zu verblassen", zitiert Kurt Cobain 1994 eine Textzeile aus einem Neil-Young-Song in seinem Abschiedsbrief. Drei Tage später entdeckt ein Elektriker seine Leiche. Ein Fortgang aus dem Leben, der als Nahrung für die Legendenbildung dient. Auf dem Zenit seiner Karriere entscheidet sich der "Come as You Are"-Sänger die Party zu verlassen. Der Akkord seiner Gitarre war noch nicht einmal verhallt, da senkte sich bereits das Grabtuch über den 1967 in Aberdeen/Washington geborenen Musiker.

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Schimmernde Ikone eines Rockstars.

(Foto: AP)

Anfang der 90er lag Kurt Cobain die Welt zu Füßen. D er "Seattle-Sound" errang seinen festen Sitz im Musik-Olymp. Kurt, der nach seinem Schulabbruch, joblos durchs Leben streifte und sich in der Folgezeit als Musiker gerade so über Wasser halten konnte, war die Galionsfigur der Grunge-Rock-Bewegung geworden. Die Medien machten ihn zum Poster-Boy der Jugend- und Kinderzimmer. Aus einer traurigen, sich selbst infrage stellenden Existenz wurde über Nacht die schimmernde Ikone eines Rockstars. Der Erfolg fegte Cobains Leben weg wie ein Tsunami, der auf eine unbefestigte Küste trifft.

Der Junge in seinen Schlabberklamotten mit den blonden Haarsträhnen, der seinen Kummer musikalisch im schnarrenden Sound seiner Gitarre mit der Welt teilen wollte, zerbricht an seinen Wünschen, Hoffnungen und Möglichkeiten. Der Kontrast zwischen den eigenen Idealen, den Vorstellungen der Musikindustrie und den der eigenen Fans wird von Tag zu Tag sichtbarer. Die Unvereinbarkeit zwischen seine Authentizität und der Kommerzialisierung seines musikalischen Ausdrucks und seiner Person zerren an Cobains körperlichen und geistigen Stabilität. Frust und Drogen werden seine Katalysatoren.

Im Alter von 27 Jahren ist der Zauber erlöschen. Verfolgt von den selbst erschaffenen Dämonen des Ruhms und dem Ausverkauf seiner Ideale ruft er mit Heroin in der Blutbahn und einer Browning Auto-5 Selbstladeflinte in seiner Hand den Mann mit der Sense und ergibt sich seinem Urteil.

"Im Angesicht mit dem Mann, der die Welt verkauft hat"

Kurt Cobain und Krist Novoselić gründen 1987 die Band Nirvana. Die Schlagzeuger Burckhard, Crover, Foster, Channing und Peters geben sich zwischen dem Gründungsjahr und 1990 nacheinander die Sticks in die Hand. Ab Anfang der 90er bis zur Auflösung der Band, haut Dave Grohl, der später mit seiner eigenen Rockband Foo Fighters große Erfolge feiert, auf das Drum Set.

1989 veröffentlichten Nirvana mit "Bleach" ihr Debütalbum, der Erfolg kommt schleppend, Auftritte vor zehn Besuchern sind in diesem Jahr keine Seltenheit. Das Label Geffen Records übernimmt das Ruder und mit "Nevermind" (1991) legt Nirvana eine musikalische Offenbarung in die Plattenläden der Welt. Das zweite Studioalbum der jungen Band, die den Grunge-Rock salonfähig macht, zieht eine Erfolgsschneise durch die globale Musiklandschaft. Selbst Michael Jackson muss sich in den US-Musik-Charts den Jungs aus Aberdeen geschlagen geben. Nirvana betritt den Rock-Pop-Olymp und schafft es, der vorgefertigten MTV-Welt, die größtenteils von gebastelten Plastik-Musikern der Plattenindustrie bevölkert wird, wieder so etwas wie schonungslose Ehrlichkeit, Authentizität und Bodenständigkeit einzuhauchen. Mit Songs wie: "Smells Like Teen Spirit", "Come as You Are" und "Polly" wird der Startschuss einer ganzen Generation von Musikern besiegelt.

Kurt Cobain ist ganz oben. Der Himmel ist das Limit. Die Welt ist im Nirvana-Rausch. Die gesungenen lyrischen Gedichte des einstigen Underdogs werden zu gefeierten Hymnen der Massen. Sein Look, seine traurigen vom Leben gezeichneten Ansichten, werden zur Religion. Die Generation X und die Grunge-Bewegung hat ihren ersten Messias.

"Polly says her back hurts"

Isolation und Einsamkeit sind Cobains ständige Begleiter. Von seiner Kindheit an, in der er von einer Familie zur nächsten durchgereicht wird, fällt es ihm schwer, einen Bezug zu seinen Mitmenschen herzustellen. Sein sensibles Wesen, das er später durch Beleidigungs- und Zerstörungsaktionen in das Gewand eines von der Öffentlichkeit geforderten Rock-Stars kleidet, findet seinen Ausdruck über die Musik. Thematisch verarbeitet er in seinen wenigen Jahren als Musiker alles, was ihn in seinem kurzen Leben bewegt, enttäuscht oder frustriert.

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Die Drogen hatten den Rockstar im Griff.

(Foto: AP)

Aus einer musikalischen Underground-Bewegung macht er mit seinen Bandkollegen und Musikgruppen wie Mudhoney, Pearl Jam oder Soundgarden ein globales Ereignis. Grunge löst den glamourösen Rock einer vergangenen Ära ab und macht Traurigkeit und depressive Erfahrungen zu rentablen musikalischen Werten. Kurt Cobain versinnbildlicht diese Strömung wie kaum ein anderer seiner Zeitgenossen. Der König des Schmuddel-Rock verkörpert die Desillusioniertheit in einem alles fressenden Verkaufs- und Vermarktungs-System, welches die Reinheit seiner Musik ad absurdum führte, so sehr, dass er beginnt, an seinem eigenen Thron zu sägen.

Einhergehend mit dem Erfolg wächst Cobains Drogenmissbrauch. Was als Linderung einer Magenkrankheit beginnt, wird mehr und mehr zur Normalität. Realität und Rausch verschwimmen. Der Tunnel seines Lebens wird länger und dunkler. Die Seele in eine nach Unterhaltung gierende Gesellschaft gelegt zu haben, entpuppt sich für den Nirwana-Frontmann als emotionaler Bumerang.

Wie schon die Musiklegenden Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison vor ihm und Amy Winehouse nach ihm, wird er in den Sog des immer größer werdenden eigenen Schattens gezogen. Die Welt wird zu einem Ort, der alles hat und nichts mehr bietet. Kurt Cobains Kerze des Lebens brennt an beiden Enden. Am 5. April 1994 erlischt sie in Seattle/USA.

"Ein einsamer Tod vor langer, langer Zeit"

Um eine ähnliche Totenverehrung, wie sie dem "The Doors"-Frontmann Jim Morrison an seinem Pariser Grab gehuldigt wird (was auch oft in Störung der Totenruhe ausartet), zu verhindern, hat die Gemeinde von Seattle Kurt Cobain ein öffentliches Grab verwehrt. Der "About A Girl"-Sänger wurde eingeäschert. Auch um die Asche der Grunge-Ikone ranken sich seitdem Legenden. Einmal will seine Witwe Courtney Love sie an verschiedenen Orten verstreut haben, dann soll sich die Asche doch wieder in einem ominösen Banktresor befinden und schlussendlich wurde sie dann wieder aus dem Haus der Cobain-Witwe entwendet, wo sie sich in einem Kleiderschrank befunden haben soll.

Mit Kurt Cobain ging einer der letzten großen Rockstars. Im Februar dieses Jahres, zum alljährlichen "Kurt Cobain Day", hat seine Geburtsstadt Aberdeen ihm zu Ehren eine Statue eingeweiht. 20 Jahre nach seinem Tod hat man auch dort endlich begriffen, dass Kurt Cobain weitaus mehr war, als nur ein blonder, engelsgesichtiger Drogensüchtiger.

Am 10. April 2014 werden Nirvana von Ex-R.E.M.-Sänger Michael Stipe in die Rock & Roll Hall Of Fame eingeführt.

Quelle: n-tv.de

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