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Was das Filmfestival zu bieten hat Fifty Shades of Berlinale

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Dakota Johnson lässt sich in "Fifty Shades of Grey" von Mr. Grey verführen - zu sehen auf der Berlinale.

(Foto: Universal Pictures)

Mr. Kosslick empfängt Sie jetzt: Der Berlinale-Chef hat mit der Premiere des Sadomaso-Streifens "Fifty Shades of Grey" einen Publikumsmagneten im Programm. Aber auch James Dean, ein Hitler-Attentäter und Nicole Kidman laufen auf.

Alle warten natürlich auf "Fifty Shades of Grey". Oder zumindest fast alle. Die Literaturadaption, über die bereits im Vorfeld etliche Gerüchte im Umlauf sind, feiert eine Woche vor den Kinostart auf der diesjährigen Berlinale ihre Premiere. Auf dem roten Teppich werden zudem die Hauptdarsteller Dakota Johnson und Jamie Dornan erscheinen - ob sie Peitschen dabei haben, ist allerdings nicht bekannt.

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Passt irgendwie zum Winter: Im Auftaktfilm reist Juliette Binoche (l., mit Rinko Kikuchi) in die Arktis.

(Foto: Berlinale / Leandro Betancor)

Unklar ist auch, ob Festivalchef Dieter Kosslick die Peitsche auspacken musste, um die Stars ins mild-winterliche Berlin zu bekommen. Nach dem großen Erfolg des vielfach Oscar-nominierten und mit Stars besetzten "The Grand Budapest Hotel" im vergangenen Jahr geht es diesmal etwas ruhiger zu.

Ewiges Eis und Wüstensand

Auffällig ist allerdings, wie viele Filme der offiziellen Auswahl sich mit den Biografien realer Personen befassen. Schon zum Auftakt reist Juliette Binoche als Josephine Peary ins arktische Eis. "Nobody Wants the Night" folgt der Ehefrau des berühmten Polarforschers Robert Peary auf einer Reise im Jahr 1908. Sie erreicht das Basislager ihres Mannes und trifft dort auf eine Inuit, mit der sie mehr gemeinsam hat, als man auf den ersten Blick denkt.

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In "Queen of the Desert" schickt Werner Herzog Nicole Kidman in die Wüste.

(Foto: Berlinale / 2013 QOTD Film Investment Ltd.)

Der Film stammt von der Spanierin Isabel Coixet, was einen weiteren Aspekt der diesjährigen Berlinale aufzeigt: Frauen sind stärker vertreten als in den Vorjahren. Gut ein Viertel der Filme stammt von Regisseurinnen. Das ist immer noch nicht viel, aber zumindest ein Achtungszeichen.

Von den großen Hollywood-Stars gibt sich Nicole Kidman die Ehre. Sie spielt im Wettbewerbsbeitrag von Regisseur Werner Herzog die ebenfalls historische Gertrude Bell. Die britische Agentin, das weibliche Pendant zu Lawrence von Arabien, hatte in der Zwischenkriegszeit entscheidenden Anteil an der Neuordnung des Nahen Ostens. An Kidmans Seite spielen James Franco und Robert Pattinson.

Georg Elser, James Dean und Brian Wilson

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Zu den Highlights der Berlinale zählt auch das James-Dean-Biopic "Life" von Anton Corbijn.

(Foto: Berlinale / Caitlin Cronenberg / See-Saw Films)

Helen Mirren wiederum ist in "Woman in Gold" als ebenfalls höchst reale Maria Altmann zu sehen. Die Jüdin kämpft um die Rückgabe eines Klimt-Gemäldes, das ihrer Familie während des Nationalsozialismus' geraubt wurde. Nicht nachgewiesen ist dagegen der Wahrheitsgehalt von "Cinderella" - aber man kann sicher sein, dass Regisseur Kenneth Branagh und Cate Blanchett als böse Stiefmutter dem alten Märchenstoff Leben einhauchen werden.

Noch mehr Biopics: Oliver Hirschbiegel stellt seinen Film "Elser" über das misslungene Attentat auf Adolf Hitler im Jahr 1939 vor. Anton Corbijn schickt in "Life" Robert Pattinson als James Dean auf die große Leinwand. Und Bill Pohland nimmt sich in "Love & Mercy" Beach-Boys-Mastermind Brian Wilson vor, dargestellt von Paul Dano und John Cusack. Seine internationale Premiere feiert schließlich der Oscar-Kandidat "Selma" mit David Oyelowo als Martin Luther King.

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Für Deutschland an den Start geht "Als wir träumten" von Andreas Dresen.

(Foto: Berlinale / Peter Hartwig / Rommel Film)

Man kann sich fragen, ob das nicht zu viel Biografien auf der Leinwand sind. Aber insgesamt ist natürlich viel mehr zu sehen - 441 Filme werden in den zehn Tagen gezeigt. 19 davon gehen ins Rennen um die Goldenen und Silbernen Bären. Mit Spannung wird etwa der neue Film von Terrence Malick erwartet. Natalie Portman und Christian Bale spielen die Hauptrollen in "Knight of Cups" um einen Hollywood-Star in einer seelischen Krise.

Feiern in Leipzig, Party in Berlin

Auch deutsche Werke wollen Edelmetall holen: "Als wir träumten" von Andreas Dresen, nach dem vielgerühmten Roman von Clemens Meyer, handelt von einer Gruppe Jugendlicher in Leipzig, die kurz nach der Wende die neuen Freiheiten auskostet. Sebastian Schipper begleitet derweil seine Hauptfigur "Victoria" durch eine Partynacht in Berlin. Ebenfalls im Wettbewerb, allerdings außer Konkurrenz, läuft "Every Thing Will Be Fine" von Wim Wenders. Der Regisseur, der auch mit einer Werkschau geehrt wird, bringt Charlotte Gainsbourg auf die Leinwand - und James Franco, der in drei Filmen auf der Berlinale zu sehen ist.

Ein alter Berlinale-Bekannter ist auch der Iraner Jafar Panahi, der 2006 mit einem Silbernen Bären für "Offside" ausgezeichnet wurde. Er darf trotz jährlicher Einladungen nach Berlin weiterhin nicht aus seinem Heimatland ausreisen, zudem wurde er mit einem Berufsverbot belegt. Das hält ihn aber nicht davon ab, heimlich Filme zu drehen und sie außer Landes zu schmuggeln. Nach "Pardé", der 2013 in Berlin gezeigt wurde, läuft in diesem Jahr "Taxi" im Wettbewerb. Der Film zeigt den Regisseur als Taxifahrer, der sich mit seinen Gästen unterhält.

Ob er eine Chance auf einen Bären hat? Zumindest Jury-Präsident Darren Aronofsky ist ja für seine ungewöhnlichen Filme bekannt - das Rennen ist also offen. Ihm zur Seite stehen etwa Daniel Brühl, Audrey Tautou und "Mad Men"-Erfinder Matthew Weiner. Falls sich die Jury mit ihren Entscheidungen schwer tut, bleibt Dieter Kosslick aber immer noch die Peitsche. Die kann er sich sicher einmal von der Crew von "Fifty Shades of Grey" ausleihen.

Mehr Informationen zum Programm gibt es auf der Webseite der Berlinale.

Quelle: n-tv.de

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