Millionen für royale SicherheitPolizeischutz für Harry und Meghan wird zur Staatsdebatte
Von Caroline Amme
Harry und Meghan sind überraschend nach Großbritannien zurückgekehrt. Die neue Heimat wird teuer für sie: Hauskauf, Privatschule - auch für ihre Sicherheit müssen sie vorerst selbst sorgen. Warum zahlt der Staat ihnen keinen Polizeischutz?
"Harry and Meg coming home" - Harry und Meghan kommen nach Hause. Das stand groß und breit auf dem Titelblatt der britischen "Sun" am 20. August. Diese Sensationsnachricht war nicht nur für die Briten überraschend - auch die royale Familie selbst. Harrys Vater König Charles soll erst kurz vor ihrer Ankunft davon erfahren haben. Er freut sich, dass sein Sohn mit Familie nach sechs Jahren aus den USA zurückkehrt. Harrys Bruder William dagegen soll immer noch sauer auf ihn sein.
Auch wenn es für die Familie und die Öffentlichkeit so ausgesehen hat: Spontan war der Umzug von Kalifornien nach Großbritannien wohl nicht. Harry soll ihn schon seit einem Jahr vorbereiten. Über die Gründe für die Rückkehr wird in britischen Medien spekuliert. Ein Grund ist die Familie: Harry will laut Berichten in der Nähe seines krebskranken Vaters sein.
Der Hauptgrund dafür war, dass seine beiden Kinder Prinz Archie und Prinzessin Lilibet in England in die Schule gehen sollen, sagt RTL/ntv-Adelsexperte Michael Begasse im ntv-Podcast "Wieder was gelernt. "Das hat Harry immer gewollt, damit sie mit der Kultur seiner Wurzeln aufwachsen und nicht nur in den USA." Ein weiterer Grund sei US-Präsident Donald Trump, der sei kein "Freund" von Meghan. Weiteres Motiv sei die wirtschaftliche Situation des Paares: "Sie sind mit ganz großen Träumen und Plänen in die USA gegangen. Vieles davon hat funktioniert. Aber Leben in den USA ist sündhaft teuer. Das hat sich vielleicht alles nicht gerechnet."
Haussuche auf dem Land
Der Zeitpunkt für die Rückkehr Ende August war wohl kein Zufall: Das Schuljahr in Großbritannien hat am 1. September begonnen. Die Familie musste rechtzeitig im Land sein. Welche Schule der siebenjährige Archie und die fünfjährige Lilibet besuchen, ist nicht bekannt. Nur, dass es eine teure Privatschule ist. Auch wo sie zukünftig wohnen werden, ist noch nicht öffentlich. Medien berichten, der Prinz und seine Familie suchen eine Immobilie in den malerischen Cotswolds im Südwesten Englands. Dort leben auch viele andere Prominente wie Kate Moss, Hugh Grant oder die Beckhams. In der Zwischenzeit sind die Sussexes bei einem Freund untergekommen.
London als Wohnort kommt für Harrys Familie wegen des Medienhypes nicht infrage, glaubt Begasse. "Dort wären sie im Fokus der Öffentlichkeit. Genau das war der Grund, warum sie Großbritannien verlassen haben. Auf dem Land sind sie weit weg vom 'public eye'. Dort werden morgens nicht sieben Fotografen am Gartenzaun stehen, das wäre in London der Fall gewesen."
Eigentlich wollte Prinz Harry gar nicht nach England zurückkehren, obwohl er sein Heimatland liebt und vermisst - das hatte er vor knapp anderthalb Jahren in der BBC gesagt. Hintergrund ist der Polizeischutz für ihn und seine Familie. Der volle Schutz steht ihnen in Großbritannien nicht zu, hatte ein Berufungsgericht vergangenes Jahr entschieden.
Harry steht kein ständiger Schutz zu
Der Prinz und Meghan hatten sich 2020 entschieden, keine aktiven Mitglieder der Königsfamilie mehr zu sein und keine royalen Aufgaben mehr zu übernehmen. Damals waren sie auch in die USA gezogen. Das britische Innenministerium hatte ihm den ständigen Schutz auf Kosten der Steuerzahler entzogen. Dagegen hatte Harry geklagt. Ihm steht derzeit bei Heimatbesuchen ein "angepasster" Schutz zu, es wird individuell entschieden.
Diese Sicherheitsvorkehrungen reichen Harry aber nicht aus. Er findet es zu gefährlich für seine Familie in seinem Heimatland. Aktuell organisiert und bezahlt er deshalb seinen Schutz in Großbritannien privat. So wie auch an ihrem bisherigen Wohnsitz in Montecito in den USA. Schätzungsweise bis zu 4 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 3,5 Millionen Euro, hat die Sicherheit dort jährlich gekostet.
Im Vereinigten Königreich wird dieser Betrag steigen, sagt Begasse im Podcast. "Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass pro Jahr zwischen 3,5 und 6 Millionen Euro fällig werden, um diese Familie 24 Stunden zu schützen. Da reden wir noch nicht vom Lebensunterhalt und der Miete. Insgesamt müssen sie im Jahr ungefähr 8 Millionen Euro verdienen. Ich bin sehr gespannt, wo das Geld herkommt."
Statt Polizeikonvoi nur Telefonkontakt
So sind Harry und seine Familie am 26. August auf dem Flughafen Birmingham nicht von einem Polizeikonvoi empfangen worden, als sie mit einem gemieteten Privatflugzeug landeten. Sondern von ihrem privaten Sicherheitsteam. Darunter soll laut Medienberichten auch ein ehemaliger Personenschützer des Prinzen sein aus seiner Zeit als "working royal", mittlerweile ist er von der Londoner Polizei zu einem privaten Sicherheitsunternehmen gewechselt. Er soll der Familie dabei helfen, ein Sicherheitsteam in Großbritannien aufzubauen, berichtet der "Daily Mirror". Demnach könnte sie so ein privater Fahrzeugkonvoi wie am Flughafen jedes Mal Tausende Pfund kosten.
Offizieller Schutz? Fehlanzeige. Das war ohnehin schwierig, weil Harry und Meghan das zuständige Gremium Executive Committee for the Protection of Royalty and Public Figures (Ravec) wie es aussieht sehr kurzfristig über ihre Ankunft informiert haben - zwei Wochen vorher statt wie eigentlich vorgeschrieben 28 Tage. Außerdem schien das Gremium nicht sonderlich besorgt um die Sicherheit der beiden gewesen zu sein. Das Einzige, was Harry und Meghan für ihre Rückkehr bekommen haben, war die Telefonnummer eines Polizeibeamten, berichtet ITV News. Dort bezeichnet der ehemalige Personenschützer von König Charles die Entscheidung als "absolut unglaublich".
Harry versucht schon seit Jahren, den vollen Sicherheitsschutz zurückzubekommen. Darüber entscheidet das unabhängige Gremium Ravec. Das setzt sich aus zehn Personen aus der britischen Regierung und dem Königshaus zusammen. Es legt die Sicherheitsstufen für die Royals und andere britische VIPs fest und hat 2020 beschlossen, über den Schutz von Harry und seiner Familie von Fall zu Fall zu entscheiden, weil sie nur zu kurzen Terminen im Land waren - meist sogar nur Harry.
Risikobewertung auf dem Prüfstand
Ende Juli hatte Ravec eine neue Risikobewertung gemacht. Auf das Ergebnis wartet Harry wie es aussieht noch. Die Spielregeln hätten sich geändert, da die Familie nun dauerhaft in Großbritannien lebt, berichtet der "Daily Mirror". Diese Woche sollte erneut ein Sicherheitsausschuss dazu zusammenkommen und den Umfang der staatlichen Maßnahmen prüfen.
Attentate auf britische Royals sind kein Gedankenspiel. 1974 war Charles' Schwester Prinzessin Anne beinahe entführt worden. Ein bewaffneter Mann hatte damals in London ihre Luxuslimousine gestoppt, auf vier Männer geschossen und wollte sie aus dem Auto zerren. 1982 war ein Mann über die Mauer des Buckingham-Palastes geklettert und ins Schlafzimmer der Queen eingedrungen. 2010 war der Rolls-Royce von Charles und Camilla während heftiger Studentenproteste in London attackiert worden.
Auch Harry und Meghan sind als öffentliche Persönlichkeiten leichte Opfer, sagt Begasse. "Das sind reale Gefahren. Diese sind in den vergangenen Jahren größer geworden, weil jeder ein Handy mit Videofunktion hat und sich Informationen verschaffen kann." Sicherheit sei daher nötig. Auch, weil die Royals so volksnah wie möglich sein müssten. "Je näher man an Menschen rangeht, desto größer ist die Gefahr, dass in der zweiten, dritten Reihe ein Idiot steht, der ein Messer in der Hand hat." Jetzt, wo Archie und Lilibet eine Schule besuchen, wird die Frage der staatlichen Sicherheitsvorkehrungen immer dringender. Der Schulweg ist ein Sicherheitsproblem, weil er sich jeden Tag wiederholt.
24/7-Schutz nur für bestimmte Royals
Deshalb bekommen König Charles und andere hochrangige Familienmitglieder höchsten Schutz, rund um die Uhr. Organisiert wird er von einer Spezialeinheit der Londoner Polizei. Diese hat 50 bis 100 Mitglieder. Sie haben in einer Spezialausbildung gelernt zu schießen, zu kämpfen, ein Auto in Gefahrensituationen zu steuern und Erste Hilfe zu leisten.
Die Spezialeinheit stellt Personenschützer. Diese Leibwächter dürfen - anders als private Sicherheitsleute - Waffen tragen. Außerdem gibt es eine bewaffnete Eskorte auf Motorrädern sowie Einheiten, die die königlichen Residenzen in London, Windsor und Schottland bewachen.
Nicht jeder Royal bekommt den gleichen Schutz, sie werden in unterschiedliche Kategorien eingeteilt. Die 24/7-Schutz bekommen Charles, Camilla, William, Kate und ihre drei Kinder. Sie werden auch bei privaten Terminen von Bewaffneten bewacht. Royals, die in der Thronfolge weiter hinten stehen, werden nur während offizieller Anlässe beschützt. Dazu gehören Prinzessin Anne oder Prinz Edward. In die dritte Kategorie fallen Mitglieder der Königsfamilie, die keine offiziellen Aufgaben übernehmen, wie Harry und Meghan. Für sie wird die Sicherheitslage individuell von Fall zu Fall bewertet.
Die Sicherheit von Mitgliedern der königlichen Familie ist teuer. Der TV-Sender Channel 4 schätzt, dass sie pro Jahr etwa 100 Millionen Pfund kostet, umgerechnet etwa 117 Millionen Euro. Bezahlt wird das vom Steuerzahler.
"Als Charles würde ich meine Brieftasche aufmachen"
Sollte Harry davon auch bald davon profitieren? In einer Umfrage der "Times" sind 71 Prozent der Briten dagegen, nur 2 Prozent finden, der Staat soll die Sicherheit des Paares komplett bezahlen. Begasse ist im "Wieder was gelernt"-Podcast optimistisch, dass sich das ändert. Die Briten hätten Harry bisher alles verziehen. "Wenn der König sagt: 'Ich gehe jetzt auf die 80 zu, kannst du nicht den ein oder anderen Termin für mich machen?', könnte es wirklich in der näheren Zukunft eine Annäherung geben. Und wenn er dann wieder 'working royal' wäre, dann steht ihm auch Personenschutz und Sicherheit aus den Steuergeldern zu." Zuletzt hat Charles noch gegenteilige Signale gesendet und klargestellt, dass Harry und Meghan als Privatpersonen im Land sind.
Möglich sei auch, dass der König persönlich für den Schutz von Sohn Harry und seinen Enkeln aufkommt, so der Adelsexperte. "Wenn ich König Charles wäre, und das Gefühl hätte, dass meine beiden Enkelkinder Schutz brauchen und der Papa diesen Schutz nicht bezahlen kann, würde ich meine private Brieftasche aufmachen und würde das eine oder andere Scheinchen dazu legen."
Klar ist: Die britische Monarchie wie so viele Branchen ein Nachwuchsproblem und braucht dringend junge Arbeitskräfte. Die Älteren können bald keine offiziellen Termine mehr wahrnehmen; Williams Kinder sind noch zu klein dafür. Das könnte Harry mit seiner Familie in Zukunft ausgleichen. Wenn er, Charles und William es denn wollen.
.webp)