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John Travolta war "zweite Wahl" Wer eigentlich in "Pulp Fiction" spielen sollte

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Kultfilm - Kultpose: Uma Thurman in "Pulp Fiction".

(Foto: imago stock&people)

Mit "Pulp Fiction" hat Quentin Tarantino Filmgeschichte geschrieben. Es hätte aber auch ganz anders kommen können, denn eigentlich wollte der Regisseur viele Rollen mit komplett anderen Darstellern besetzen. Das beweisen Dokumente, die nun geleakt wurden.

Vielleicht wäre "Pulp Fiction" ja mit so ziemlich jeder beliebigen Besetzung ein Kassenschlager geworden. Schließlich war der Streifen, als er 1994 erschien, schon allein auf Grund seines Drehbuchs ein Paukenschlag. Darf man darüber lachen, dass einem Gangster Gehirnstücke seines soeben erschossenen Opfers im Haar kleben? Ist es lustig, wenn einem Vergewaltiger von seinem männlichen Opfer angedroht wird, dass ein paar "Crack-Nigger" ihn in Kürze mit "einer Kneifzange und einem Lötkolben" bearbeiten würden? Ist es okay, derart derbe Späße mit Drogenkonsum zu machen? Fragen, über die damals vermutlich alle Kinobesucher diskutierten. Und Fragen, auf die die große Mehrheit letztendlich mit "Ja" antwortete. Heute ist "Pulp Fiction" nicht zuletzt deshalb Kult.

Doch auch die Darsteller trugen mit ihren außergewöhnlichen Leistungen zweifelsohne gehörig dazu bei, dass der Film heute im Ranking der besten Filme aller Zeiten bei der "Internet Movie Database" (IMDb) auf Platz 7 geführt wird. Allen voran John Travolta, der als Schauspieler damals schon abgeschrieben schien, und Samuel L. Jackson, dessen Verkörperung des Killers "Jules Winnfield" auf Erleuchtungskurs wohl niemand hätte toppen können. Tatsächlich aber hätten beide ursprünglich gar nicht in dem Streifen auftauchen sollen. So wie viele ihrer letztlichen Mitstreiter vor der Kamera ebenfalls nicht. Regisseur Quentin Tarantino hatte bei der Besetzung erst einmal ganz andere Namen im Kopf. Das geht aus Vorproduktions-Dokumenten hervor, die der Sozial-News-Webseite Reddit zugespielt und nun veröffentlicht wurden.

Hesekiel von Eddy Murphy?

Travoltas Rolle des dauerbedröhnten "Vincent Vega" war demnach eigentlich für Michael Madsen vorgesehen. Teile des Drehbuchs seien sogar speziell für den Schauspieler, der schon in Tarantinos vorherigem Film "Reservoir Dogs" mitgewirkt hatte, geschrieben worden, heißt es in den Dokumenten. Als weitere Alternativen für den Charakter werden unter anderem Alec Baldwin, Michael Keaton, Denzel Washington und Gary Oldman genannt. Aber auch Travolta wird erwähnt - mit dem Zusatz: "Starke, starke, starke zweite Wahl."

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Unvergessliches Duo: John Travolta und Samuel L. Jackson als "Vincent Vega" und "Jules Winnfield".

(Foto: imago stock&people)

Hätte uns Jackson nicht seinen Hesekiel-Vers 25,17 vorgetragen (der mit der echten Bibel-Stelle übrigens wenig zu tun hat), dann hätte das womöglich Lawrence Fishburn getan, der in der Tarantino-Wunschliste ganz oben aufgeführt ist. Und auch Eddy Murphy war für die Rolle im Gespräch. Kaum vorstellbar, wie sich der "Beverly Hills Cop"-Blödler als bibelfester Ganove geschlagen hätte.

Dickschädel Bruce Willis

Heute gilt Uma Thurman als immerwährende Muse von Tarantino. Doch als es um "Pulp Fiction" ging, hatte der Regisseur sie offenbar zunächst gar nicht auf dem Zettel. Zu den potenziellen Kandidatinnen, sich als Gangsterbraut "Mia Wallace" eine Adrenalinspritze ins Herz jagen zu lassen, zählten stattdessen erst einmal unter anderem diese Damen: Virginia Madsen, Schwester von Michael Madsen, Peter Fondas Tochter Bridget, die später in Tarantinos "Jackie Brown" mitwirkte, und Patricia Arquette, die 1993 bereits die Hauptrolle in dem Streifen "True Romance" gespielt hatte, der auf einem Drehbuch Tarantinos basierte.

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Er boxte sich bis zur Rolle durch: Bruce Willis.

(Foto: imago stock&people)

Uma Thurman braucht sich jedoch nicht zu grämen. Denn auch Bruce Willis, der schließlich den Boxer "Butch Coolidge" in dem Film mimte, taucht in den ersten Dokumenten für den möglichen Cast nirgends auf. An seiner Stelle hätte Tarantino offenbar ursprünglich lieber Matt Dillon gesehen. Aber auch Sean Penn, Nicolas Cage und Johnny Depp waren für die Rolle anscheinend in der engeren Wahl. Dass letztlich Willis den Zuschlag bekam, mag an seinem beherzten Einsatz gelegen haben. Der Action-Spezialist hatte wohl das Potenzial des Films erkannt und drängte auf seine Teilnahme daran. Es heißt, Willis habe dafür sogar eine für seine Verhältnisse außergewöhnlich geringe Gage in Kauf genommen.

Verpasste Chancen

Einige der genannten Schauspieler waren auch noch für andere Charaktere in "Pulp Fiction" im Gespräch. Bridget Fonda und Patricia Arquette etwa wären nach Tarantinos Vorstellung auch für die Darstellung der Kleinkriminellen "Honey Boney" alias "Yolanda" oder der Dealer-Gattin "Jody" in Frage gekommen. Johnny Depp, Nicolas Cage und Gary Oldman hatten weiterhin auf eine Verpflichtung als "Jodys" Mann "Lance" oder "Honey Boneys" Freund "Pumpkin" hoffen können. Und Alec Baldwin taucht in der Liste auch als möglicher Anwärter für die Rolle von Problemlöser "Winston Wolf" auf.

Am Ende gingen sie alle jedoch leer aus. "Honey Boney" wurde von Amanda Plummer dargestellt, "Jody" von Patricia Arquettes Schwester Rosanna, "Lance" von Eric Stoltz, "Pumpkin" von Tim Roth und "Winston Wolf" von Harvey Keitel. Manch einer mag sich heute noch grün und blau ärgern, dass er nicht hinter einer Beteiligung an "Pulp Fiction" her war. Für das Endergebnis des Films hat sich jedoch alles bestens gefügt.

Quelle: n-tv.de

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