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Tattoos: Eines der Markenzeichen der japanischen Yakuza.
Tattoos: Eines der Markenzeichen der japanischen Yakuza.
Freitag, 09. September 2011

(Ein)blick in die japanische Unterwelt: "Young Yakuza": Wie werde ich Mafioso?

von Thomas Badtke

Ehre, Loyalität, Disziplin - Tugenden, die bei der Yakuza, der japanischen Mafia, an allererster Stelle stehen. Tugenden, die auch der kleinkriminelle Jugendliche Naoki lernen soll. Seine Mutter beschließt deshalb, um ihn auf den rechten Weg zurückzubringen, zu einer Ausbildung bei der Yakuza zu schicken.

Naoki beim Kampfsport, Teil seiner Ausbildung bei den Yakuza, die er aber nicht beendet.
Naoki beim Kampfsport, Teil seiner Ausbildung bei den Yakuza, die er aber nicht beendet.

Naoki steckt immer in Schwierigkeiten. Ständig ruft die Polizei zu Hause an. Seine Mutter ist verzweifelt. Sie weiß nicht, was sie noch machen soll. Sie holt sich Rat bei einem Freund der Familie und der gibt ihr den Tipp, es doch einmal beim örtlichen Yakuza-Clan-Chef Kumagai zu probieren. Anfangs sträubt sie sich dagegen. Doch der Freund bleibt eisern: "In der Welt der Yakuza kann er gute Manieren und Durchhaltevermögen lernen. Danach kann er entscheiden, ob er ein Yakuza sein will." Die Ausbildung dauere nur ein Jahr.

Und so packt Naoki ein paar seiner Habseligkeiten in eine Sporttasche und macht sich im Anzug und mit Schlips auf zu Kumagai, um bei der Yakuza in die Lehre zu gehen. Ein kurzes "Ich gehe jetzt", zu seiner Mutter, die ihm nicht ins Gesicht sehen kann und die ihm mit einem leise gehauchten "Okay" antwortet.

Ehre, Loyalität, Disziplin

Clan-Chef Kumagai plaudert aus dem Nähkästchen.
Clan-Chef Kumagai plaudert aus dem Nähkästchen.

Bei Kumagai angekommen, raunt dieser ihm vielsagend und mit der typischen Stimme eines Mafiabosses zu: "In deiner Ausbildung wirst du viele Dinge sehen. Hm. Ich warne dich, nicht alle werden positiv sein. Hm. Alles, was du siehst, was du fühlst, jede Erfahrung, die du machst, ob sie gut ist oder schlecht, kann lehrreich sein. Was du als gut erachtest, wirst du dir einverleiben. Und was du als schlecht erachtest, wirst du zurückweisen. Du wirst deine eigenen Urteile fällen. Vertraue deinem Instinkt. Viel Glück." Und, ach ja … "Geh morgen zum Friseur und lass dir die Haare schneiden."

Naoki bekommt an seinem ersten Tag eine Uniform, lernt sich richtig zu verbeugen und wo im Küchenschrank das Geschirr des Bosses, des Stellvertreters, des Hauptquartier-Chefs, der Gäste und der "Kadetten" aufbewahrt wird. Richtig, Naoki fängt ganz unten an, quasi vom Tellerwäscher zum Yakuza - in einem Jahr. Man sieht ihm sein Unbehagen und seinen Unwillen an, Hausarbeiten und andere niedere Dienste für den Boss zu verrichten oder ihn nach dem Duschen zu frottieren.

Aber Naoki lässt sich auch Tattoos stechen, lernt Kampftechniken und - ganz wichtig - das richtige Applaudieren, wenn der Ober-Boss oder ein anderer in der Hierarchie über ihm stehender Yakuza eine Rede hält. "Es ist anstrengend", sagt Naoki über sein Leben als "Yakuza-Azubi". Eines Tages hat er genug und verschwindet.

Das Leben geht weiter

Ein Clan-Chef muss auch zuhören können.
Ein Clan-Chef muss auch zuhören können.

Kumagai ist zuerst erschüttert, macht sich dann selbst Vorwürfe, entschuldigt sich bei Naokis Mutter, dass er ihren Sohn nicht auf den rechten Weg hat führen können. Dass der Yakuza der Nachwuchs wie Naoki abhandenkommt, macht er an den immer noch strengen Regeln der Organisation fest. Freiheit? Gibt es nicht. Geld? Die Angestellten werden in der Regel nicht bezahlt.

Aber das Leben geht weiter. Kumagai hat einen Clan, den er führen muss. Und so vergisst er Naoki bald. Naoki selbst taucht erst am Ende des Films wieder auf. Raucht eine Zigarette und unterhält sich mit einem Kumpel. Über die Zeit bei der Yakuza will er nicht reden.

Alles, außer Gewalt

"Young Yakuza" ist bei Capelight erschienen.
"Young Yakuza" ist bei Capelight erschienen.

"Young Yakuza" ist ein Dokumentarfilm, oder besser, weil es moderner klingt: eine Doku-Fiction. Sie geht auf das Konto des französischen Regisseurs Jean-Pierre Limosin - und ist ein einmaliges Erlebnis. Er konnte einen Yakuza-Boss dazu bringen, ihn das Leben in seinem Clan, abseits der kriminellen Aktivitäten, filmen und dokumentieren zu lassen. Mit Limosins Film bekommen Außenstehende erstmals einen Eindruck vom "normalen", strengen Regeln unterworfenen Alltagsleben der Yakuza. Ein Leben jenseits der Gesetze des Staates, die die Yakuza "einfach ignorieren", wie Kumagai im Film sagt.

Kumagais zum Teil humorvoll gehaltenen Monologe sind eigentlich das, was den Film sehenswert macht. Er plaudert darüber, warum beispielsweise Jugendliche zu den Yakuza gehören wollen. Dass sie eigentlich auf der Suche nach familiärer Geborgenheit sind, die sie zu Hause nicht bekommen. Und dass sie für die "Liebe" der Yakuza-"Ersatzeltern" eine Art Ergebenheit leisten müssen, das sogenannte giri.  

Mehr als 85.000 Yakuza gibt es in Japan.
Mehr als 85.000 Yakuza gibt es in Japan.

"Young Yakuza" ist ein Film aus einer Parallelwelt, einer Welt der Schatten, über die Welt der Yakuza, eine Welt, die ihre eigenen Gesetze hat. Der Film ist damit nicht nur für Japan-Fans ein absolutes Muss, sondern auch für Doku-Liebhaber und "Pate"-Jünger. "Young Yakuza" ist in japanischer Sprache mit deutschen Untertiteln.

Ach, und übrigens: In Japan gibt es mehr als 85.000 Yakuza. Sie sind über mehrere Verbrecher-Syndikate verteilt. Das Wort Yakuza stammt aus dem Glücksspiel-Milieu. "Ya-Ku-Za-" bedeutet wörtlich "Acht-Neun-Drei".

Bilderserie

 

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Quelle: n-tv.de