Essen und Trinken

Wo die Liebe hinfällt Das Wasser der Königin

Was konkret der König von Polen an der 72-jährigen Isabella von Ungarn so wunderbar fand, dass er rasend vor Liebesglut um ihre Hand anhielt, behält die Geschichte für sich.

Und die Geschichte geht so: Isabella von Ungarn, polnische Prinzessin von Geburt, ab 1539 durch Heirat Königin von Ungarn und schon ein Jahr später des Königs Witwe, erhielt als Hochbetagte von einem Einsiedler ein Kräuterwässerchen, natürlich gegen Altersbeschwerden. Über die wohltuende Wirkung auf die Zipperlein der Isabella erzählt man sich nichts, dafür aber mehr über die Nebenwirkung: Die 72-Jährige (!) soll sich durch die Benutzung des Wunder-Wassers so verjüngt haben, dass sie "von jedermann wider für jung und schön erfunden, und darüber von dem König in Polen zur Ehe begehret worden, welches sie aber um Christi willen abgeschlagen, sich gänzlich einbildend, solches Mittel seye ihr vom Himmel herab zugesendet worden". Böse Zungen behaupten allerdings, dass des Königs rasende Liebesglut eher dem Land als der Dame galt.

Und was war drin: Rosmarin! Dieser Bestandteil allerdings könnte durchaus eine Wirkung auf den polnischen König gehabt haben, der aber weniger mit Isabellas Schönheit zu tun hat. Rosmarin wurde nämlich in Antike und Mittelalter bei "Liebesschmachten" und zur "Erweckung der Liebesglut", vornehmlich bei älteren Herrschaften, angewendet. Eine Einreibung mit Rosmarinöl soll tatsächlich auch bei Impotenz helfen.

Jedenfalls war mit Isabellas Wässerchen im 16. Jahrhundert das erste eigentliche destillierte Parfüm, das "Aqua Reginae Hungariae", das königlich ungarische Wasser, entstanden.

Schon in der Antike wusste man am Mittelmeer die ätherischen Öle der aromatisch duftenden Nadeln des Strauches zu schätzen. In der Heilpflanze wurde Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit, verehrt. Und so trugen Bräute als Kopfschmuck eine aus Rosmarin gewundene Krone. Rosmarin sollte die Fruchtbarkeit der Frauen stärken, v erhalf aber auch zur Abtreibung! Belgien werden die Kinder übrigens nicht vom Klapperstorch gebracht, sondern werden aus einem Rosmarinstrauch geholt. Sagt man.

Rosmarin macht Speisen bekömmlich: Er entlastet Leber und Galle, fördert die Fettverdauung und hilft bei Magenbeschwerden und Blähungen., wirkt antiseptisch und ist ein hervorragendes Anregungs- und Entspannungsmittel ganz so, wie man's braucht, zum Beispiel im Wannenbad gegen Muskelkater.

Als Kulturpflanze gelangte Rosmarin möglicherweise schon durch die Römer, vielleicht aber erst durch Benediktinermönche über die Alpen nach Mitteleuropa und wird auch hier als Heilpflanze und Küchenkraut geschätzt. Mitte des 20. Jahrhunderts kam Rosmarin bei uns wieder aus der Mode und hat zum Glück mit der mediterranen Küche den Weg zurückgefunden natürlich auch bei mir in Garten und Küche, und so empfehle ich Ihnen heute "Sommerliche Rosmarin-Lammschnittchen" (Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.):

Zutaten (4 Personen):
600 g Lammkeule ohne Knochen
300 g Pfifferlinge (oder andere Pilze)
4 Paprikaschoten (möglichst fleischige Spitzpaprika)
50 g geräucherter Speck
1 Bund Schnittlauch
2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1 Lorbeerblatt
1 Glas trockener Rotwein
einige Zweige Rosmarin
Rapsöl, Mehl, Salz, Pfeffer

Zubereitung:
Die Lammkeule in Scheiben schneiden (wie Schnitzel). Die Rosmarinnadeln abzupfen, im Mörser etwas anquetschen. Die Fleischscheiben pfeffern und mit dem Rosmarin bestreuen. Leicht andrücken. Eine Viertelstunde stehen lassen.

In der Zwischenzeit Speck und Zwiebeln in kleine Würfel schneiden. Die Pilze putzen und evtl. halbieren. Die Paprikaschoten halbieren und entkernen. Den Schnittlauch in Röllchen schneiden.

Die Fleischscheiben nun salzen und in etwas heißem Öl kräftig anbraten. Herausheben, abdecken und im Ofen bei 80 Grad ziehen lassen.

In dem Bratfett den Speck auslassen und darin die Zwiebeln goldgelb braten. Pilze dazugeben und kurz dünsten. Mit etwas Mehl bestäuben und gut verrühren. Rotwein angießen, den zerdrückten Knoblauch, das Lorbeerblatt und die Schnittlauchröllchen zufügen. Umrühren und alles etwa 10 Minuten köcheln lassen. Falls die Flüssigkeit zu schnell verdampft, ein wenig Wasser zugießen. Evtl. mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Während die Pilze schmoren die Paprikaschoten im Grill oder der heißen Herröhre braten: Mit der Schale nach unten auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen, ganz wenig Salz in die Schoten streuen und bräunen. Die Schoten sollten nicht zu weich werden.

Zum Schluss die Fleischscheiben in die Pilzsoße geben und darin noch einmal heiß werden lassen. Zusammen mit den gebratenen Paprika servieren, am besten auf angewärmten Tellern. Als Beilage schmecken Wildreis, Kartoffelpüree oder Spätzle.

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner, die sich hiermit in den Urlaub verabschiedet.

Quelle: ntv.de