Essen und Trinken

Einer geht noch! Latte, Elfer und ein Schiri

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Dieses Duo lässt Männerherzen höher schlagen: Fußball und Grillen! In den Gärten rings um mein kleines Refugium mischt sich der Duft von heißen Holzkohlefeuern mit dem Krach von Tröten und entsetzten Schreien, wenn der Elfmeter am Torhüter scheitert. Wenn Deutschland spielt gibt‘s an den Kassen im Supermarkt keine Schlangen, man kommt beim Friseur ohne Termin und Warterei dran und in der S-Bahn hat man freie Platzwahl.

Bier, Cola mit und ohne Rum, 'ne Tüte Chips und ein paar Buletten - das ist Fußball-Fastfood. Geht, wenn's schnell gehen muss. Aber nur? Und auch noch vier Wochen lang?

Dabei dürfte die Entscheidung für andere Angebote nicht schwerfallen, lässt man sich auf die mehr oder weniger nervige WM-Vermarktung ein. Ich musste am Fleischstand beim Grill-Angebot erst einmal nachfragen, was denn da so herumliegt: "Schienbein-Schoner" waren in Ketchup marinierte Schweinebauch-Scheiben, "Latte" irgendwelche Steaks; "Elfer" hießen die Spieße mit offenbar elf Stückchen aufgespießtem Fleisch und Gemüse. Hinter "Schiri" verbarg sich Schweinenacken, recht durchwachsen und mit viel gelbem (!!!) Senf beschmiert. Am einfachsten waren noch die "Kopfbälle" als Buletten zu definieren. Ich allerdings hatte von soviel "Originalität" die Nase voll, widerstand einem Pfeil "Fankurve", der mich vermutlich in die Ecke mit Fußball-Klopapier, WM-Kondomen (nicht die für die Außenspiegel) und "Rasen aus der Dose" gezwungen hätte, und begab mich ins Aus.

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Wer mit Deutschland baden gehen will, greift zur Ente.

(Foto: picture alliance / dpa)

Man kann‘s auch übertreiben! Derzeit kommt auch kaum ein Politiker ohne "Fußball-Deutsch" aus, wenn er seine Erkenntnisse an den Bürger bringen will. So hieß es nach der Klausur von Union und FDP zur Gesundheitsreform: "Der Ball ist wieder im Feld, wir spielen wieder." Womit die FDP-Vizefraktionsvorsitzende Ulrike Flach uns weis machen wollte, dass die zerstrittenen Koalitionspartner wieder miteinander statt gegeneinander regieren. Auch der Unions-Fraktionsvize von der CSU Johannes Singhammer sah letzten Endes das "Spielfeld glatt und ohne Unebenheiten". "Gurkentruppen" aller Parteien - werdet wieder normal!

Ich bin nicht die Einzige, der der WM-Hype - und das kräftige Absahnen der Unternehmen - mächtig auf die Nerven geht: Laut einer Umfrage finden immerhin 55 Prozent der Deutschen die Fußball-Werbung lästig. Und der Anteil der Frauen ist mit 59 Prozent nur unwesentlich höher als der der Männer (51 Prozent).

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Ein echter Fan - da fehlen nicht mal die Außenspiegel-Kondome.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nachdem wir nun glücklich ins Achtelfinale gekommen sind, muss doch die "Traumbegegnung" mit den Briten entsprechend gut vorbereitet werden. Das gilt schließlich nicht nur für die Ball-Kämpfer auf dem Feld, sondern auch für die am Grill im Garten. Ich bin in der glücklichen Lage - weil ich ab Samstag nämlich Urlaub habe -, auf alle Schoner, Latten, Elfer, Kopfbälle und Schiris verzichten und eigene Kreationen auf den Grill legen zu können. Macht ein wenig mehr Mühe, lohnt sich aber.

Meine WM-Gucker werden sich aber ganz schön wundern, denn es wird ihnen wohl "schwedisch” vorkommen, was ich da so auftische. Wo doch die Schweden nicht mal dabei sind. Die haben dafür geheiratet, war auch ein ganz schöner Bohei.

Für das folgende Rezept brauchen Sie einen Kugelgrill mit Deckel sowie Räucherspäne. "Warm geräucherter Lachs” benötigt etwas Vorbereitungszeit, dafür geht’s nachher beim Grillen recht schnell:

Zutaten (4 bis 6 Personen):

1 Lachsseite mit Haut (ca. 700 bis 900 g)
¼ l dunkler Rum
250 g brauner Zucker
120 g grobes Meersalz
1 EL schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen
2 Prisen Chiliflocken

Zubereitung:

Eventuell noch vorhandene Gräten mit einer Pinzette aus dem Fisch ziehen. Den Lachs in eine Schale legen, den Rum darüber gießen und eine Viertelstunde ziehen lassen. Herausnehmen und mit Küchenpapier trockentupfen.

Zucker, Salz, Pfeffer und Chili gut vermengen. Ein Drittel in eine trockene Schale geben, den abgetrockneten Fisch mit der Hautseite darauf legen und den Rest der Mischung darübergeben. Etwas andrücken. Abdecken und im Kühlschrank etwa 4 Stunden ziehen lassen. Nicht länger, der Fisch laugt sonst aus!

Reichlich Holzspäne (etwa 10 bis 12 Handvoll) eine Stunde in kaltem Wasser einweichen. Dann in einem Sieb abtropfen lassen.

Den Grill mit genügend Holzkohle oder Grillbriketts (Briketts halten die Hitze länger) vorbereiten: Kohle/Briketts an den Seiten platzieren, in die Mitte eine Aluschale stellen, am besten in der Größe der Lachsseite; die muss das austretende Fett auffangen. Anheizen. Kurz vor dem Räuchern auf jede Seite der glühenden Kohle eine Handvoll Späne geben. Den Grillrost auflegen und den Grill mit dem Deckel verschließen.

Den marinierten Lachs unter fließendem kalten Wasser von der Würzmischung abspülen und trockentupfen.

Den heißen Grill über der Aluschale einölen und den Lachs mit der Hautseite nach unten drauflegen. Auf jede Seite der Glut 4 bis 5 Hände voll Späne geben. Deckel wieder auflegen und den Fisch etwa 20 Minuten räuchern.

Nach dieser Zeit sollte sich der Fisch beim Fingerdruck-Test fest anfühlen und in glatte Segmente aufbrechen. Auf einem Gitter etwas abkühlen lassen und dann warm mit frischem Weißbrot genießen.

Viel Spaß bei der Fußball-WM und beim Grillen oder Räuchern wünscht Ihnen Heidi Driesner - die sich in die Sommerpause verabschiedet.

Quelle: ntv.de