Essen und Trinken

Lockstoff Solveig muss in den Busch

Jedes Jahr im Juni geht meine Kollegin Solveig in die Büsche. Es ist nämlich Holunderzeit, die Hollerblüten verströmen ihren süßlichen Duft und locken nicht nur Bienen, sondern auch eben Solveig an. Die einen empfinden den etwas aufdringlichen Geruch als unangenehm, andere wiederum als angenehm. Wie Solveigs Nase "denkt", weiß ich nicht - aber Erwachsene und Kinder ihrer Familie freuen sich jedes Jahr auf ihren Holunderblüten-Sirup, je nach Alter entweder mit Sekt oder mit Mineralwasser genossen.

Sambucus nigra, so der lateinische Name des Holunders, entfaltet von Mai bis Ende Juni seine weißen Blütendolden. Neben der Kamille gehört Holunder zu den bekanntesten Pflanzen in der Volksheilkunde. Als Tee werden die Blüten gern für Schwitzkuren bei Fieber und Erkältung eingesetzt. Ferner gelten Blüten und Blätter als das beste Blutreinigungsmittel bei Hautunreinheiten und üblem Körpergeruch. Auch bei Rheuma und Gicht verwendet man Holunder. Im August und September dann beginnen die anfangs roten, später schwarzen Beeren zu reifen. Sie enthalten reichlich Vitamin C und Kalium und können als Saft, Mus oder Marmelade verzehrt werden.

Die Beeren des Schwarzen Holunders dürfen niemals roh gegessen werden, sie müssen gekocht werden. Die Blätter, die unreifen Beeren und der Samen des Holunders enthält nämlich Sambunigrin, ein cyanogenes Glykosid. Der toxische Effekt entsteht erst im Zusammenwirken mit Wasser, da wird Blausäure freigesetzt. Durch Erhitzen zerfällt das Sambunigrin und verliert seine giftige Wirkung.

Schon in der Antike wurde die Heilwirkung des Holunders beschrieben und eine Reihe von Rezepturen aufgestellt. Recht lustig ist auch die von Albertus Magnus um 1250 vorgeschlagene Anwendung: Schabt man die innere Rinde des Strauches von oben nach unten ab, wirkt sie abführend. Von unten nach oben abgeschabt erhält man ein Brechmittel.

Wie dem auch sei, um den Holler ranken sich so einige Sitten. Er ist Wohnsitz der schützenden Hausgöttin Frau Holle, und es galt als sicheres Todesurteil, einen Holunderbaum zu fällen. Es ist also viel sicherer, den Baum stehen zu lassen und nur die Blüten oder die reifen Früchte zu ernten.

Jetzt folgen wir Solveig erst einmal in den Busch. Leckeren Holundersirup herzustellen ist nicht schwer:

Zutaten:
14 voll aufgeblühte Dolden
2 kg Zucker
2 Bio-Zitronen
60 g Zitronensäure

Zubereitung:
3 l Wasser erhitzen, darin die 2 kg Zucker verrühren, bis die Lösung klar wird. Die Blütendolden nicht waschen, nur von Ungeziefer befreien. Die Zitronen waschen und in Scheiben schneiden.

Blüten und Zitronenscheiben zusammen in ein großes Glas oder einen Rumtopf geben. Zitronensäure in einer Tasse der Zuckerlösung auflösen. Dann zusammen mit dem Rest der kochenden Zuckerlösung über die Blütendolden und die Zitronen geben.

5 Tage lang zugedeckt auf ein sonniges Fensterbett stellen. Täglich umrühren. Nach 5 Tagen kann der Sirup abgefüllt werden, am besten in dunkle, peinlichst gesäuberte Flaschen. Zum Trinken mit Wasser oder Sekt mischen.

Soll gut gegen Albträume helfen. Tritt das Gegenteil ein, war's zuviel Sekt und zuwenig Sirup ... viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de