Essen und Trinken

Kindheitsexperimente Wichtige Rituale

Kennen Sie das auch? Bei bestimmten Gerichten werden Kindheitserinnerungen wach, gute und weniger gute. Da gibt es den zumeist ungeliebten Spinat, von den Eltern aber als gesundheitsfördernd favorisiert, und die kinderseitig heiß begehrten Burger, von den Erwachsenen aber nur ungern verfüttert, da als Dickmacher verschrien. Heute hat sich das möglicherweise geändert: Sie lieben Spinat mit Spiegelei und machen um jede Burger-Bude einen Bogen.

Beim Kramen im Bücherschrank Sektion "Kochen" stieß ich dieser Tage auf ein Rezept, das mich in meine Teenagerjahre zurückversetzte. Meine Mutter hatte berufsbedingt wenig Zeit für mich, für Essen und die nötige Nestwärme sorgte zumeist meine Oma. Sie liebte leider Weißkrauteintopf und ich hasste ihn. Das Wochenende gehörte aber ganz und gar meiner Mutter und mir. Da war Zeit für große und kleine Probleme. Irgendwann stellten wir fest, dass es sich beim Kochen ganz gemütlich plaudern lässt, und so entwickelte sich aus dem sonntäglichen Einsatz meiner Mutter am Herd allmählich ein gemeinsames Koch-Ritual. Ich war in der Zwischenzeit dem Duft aus diversen Fleischtöpfen erlegen und verließ nicht mehr unter Protest und mit Kartoffelbrei und Spiegelei auf dem Teller den sonntäglichen Mittagstisch, weil auf dem Kaninchenbraten stand. Denn ich kannte ja das Kaninchen!!! Mit der Zeit wuchs meine Neugierde auf Neues und wir beide probierten die irrsten Rezepte aus, die wir in Kochbüchern und Illustrierten fanden oder die meine Mutter von Freunden und Bekannten erfuhr. Eines davon war "Tschachochbili", ein georgisches Nationalgericht mit für uns fast unaussprechlichem Namen.

Für "Tschachochbili" gibt es natürlich unzählige Varianten, mal mit Tomaten und mal ohne, mal milder und mal pikanter – je nach Region. Westgeorgier mögen es zumeist scharf und pikant, Ostgeorgier dagegen lieber mild. Mir persönlich schmeckt "Mutterns" Variante am besten, leicht scharf und etwas säuerlich, offenbar "Tschachochbili" aus westlichen Regionen Georgien:

Zutaten:
1 Brathähnchen
1 Zitrone
1 Bund grobgezahnte Petersilie
3 Zwiebeln
4 - 5 EL Oliven- oder Rapsöl
1/4l Apfelsaft
1 Apfel, geschält und gerieben
3 marinierte Paprikaschoten (aus dem Glas)
1 Peperoni
1/4 l gesäuerte Milch (Buttermilch oder Kefir)
etwa 1 EL Mehl
Salz, Pfeffer, Edelsüß-Paprika,

Zubereitung:
Das Hähnchen in je 4 Brust- und Keulenstücke zerteilen (oder auch in 8 Stücke), mit Salz, Pfeffer und Edelsüß-Paprika würzen und in ein Gefäß legen. Mit dem Zitronensaft beträufeln, die gewiegte Petersilie, eine in dünne Scheiben geschnittene Zwiebel und 1 bis 2 EL Öl untermischen. Zudecken und 24 Stunden kühl gestellt marinieren lassen.

Eine Dreiviertelstunde vor dem Servieren das restliche Öl in einem Bräter erhitzen, die gut abgetropften Fleischstücke ringsum anbraten, die 2 restlichen, in dünne Scheiben geschnittenen Zwiebeln zufügen und 1 EL Edelsüß-Paprika darüber streuen. Die Peperoni entkernen und zufügen. Wer es schärfer liebt, lässt die Kerne drin und schlitzt die kleine Schote nur auf. Wer es milder mag, verzichtet ganz auf den "Scharfmacher". Nach und nach mit der Marinade und dem Apfelsaft ablöschen; das Gericht fast gar köcheln lassen.

Kurz bevor das Fleisch weich ist, die in Streifen geschnittenen marinierten Paprika dazugeben und alles fertig garen. Mit Salz, Pfeffer und gegebenenfalls etwas Rosen-Paprika oder Chili abschmecken. Zuletzt den würzigen Bratenfond mit einer Mischung aus der Sauermilch, dem geriebenen Apfel und Mehl binden. Am besten schmecken Reis und ein grüner Salat dazu.

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de