Essen und Trinken

Unliebsame Bekanntschaft ... aber wirkungsvoll

Haben Sie sich schon mal in die Nesseln gesetzt? Das muss nicht immer schadhaft sein, wie die unkeuschen antiken Römer schon wussten.

Eigentlich hassen wir sie, denn eh' man sich's versieht, steht man mitten in ihnen - den verflixten Brennnesseln! Wohl jeder hat mit ihnen schon eine unliebsame Bekanntschaft geschlossen und sich in diesem Moment gewünscht, doch lieber die dicke Jeans angezogen zu haben statt die Waden von den ersten Sonnenstrahlen kitzeln (und bräunen) zu lassen. Denn die brennen jetzt und haben rote Quaddeln. Eine nette Möglichkeit, dem Feind den Garaus zu machen, ist, ihn einfach aufzuessen.

Brennnesseln sind mit das erste frische Gemüse im Jahr und sehr reich an Eisen und Vitamin C. Die Brennnesselblätter enthalten fünf Mal soviel Calcium und sechs Mal so viel Vitamin C wie Spinat. Dank des Chlorophylls repariert das brennende Unkraut kaputte Zellen und sorgt dafür, dass der Sauerstoff länger im Gehirn bleibt. Mediziner empfehlen Brennnesseln gegen Rheuma, Gicht, Gallen- und Leberbeschwerden. Allerdings sollte man sich beim Sammeln mit dicken Handschuhen ausstatten; der Korb sollte auch nicht zu klein sein, denn man braucht immer mehr Nesseln, als man denkt. Auch sollten Brennnesseln für den Kochtopf nur an "sicheren" Orten eingeheimst werden, am besten im eigenen Garten, der nicht als Hunde-Klo dient, und möglichst weit weg vom Straßenverkehr.

In der Antike - vor allem bei den total unkeuschen Römern - waren die brennenden Blätter sogar beliebte Zutat für unvergessliche Liebesnächte. Petronius beschreibt zum Beispiel, wie ihn eine Priesterin mittels Brennnesseln von seiner Impotenz kurieren sollte: "... dann ergriff sie eine Rute aus grünen Brennnesseln und begann, meine ganze untere Bauchpartie damit zu schlagen", heißt es in seinem Roman "Satyricon". Wohlgemerkt ganz ohne Hose (der Petronius).

Über den Erfolg der Therapie schweigt sich der Autor aus, vermutlich war er damit beschäftigt, die Zähne zusammenzubeißen. Überliefert ist aber, dass die Römer regelrechte Brennnessel-Orgien veranstalteten, in denen sich die Gäste gegenseitig an Brüsten, Po, Schenkeln und Geschlechtsteilen peitschten, bis sie krebsrot waren. Auch heutigen Landwirten dürfte die ganze Sache durchaus bekannt vorkommen: Diese Methode half schon so manchem Hengst auf die Stute.

Doch auch in schmerzloser Form verabreicht, sollen Brennnesseln durchaus stimulierend wirken. Der Arzt und Botaniker Pierandrea Mattiolus (1501 - 1577) empfahl: "Brennnesselblätter in Wein gesotten und getrunken, locken zu Unkeuschheit, Nesselsamen noch kräftiger, in süßem Wein gesotten..." Mattiolus war nichts Geringeres als Leibarzt von Erzherzog Ferdinand und später von Kaiser Maximilian I.

Falls Sie sich lieber nicht "in die Nesseln setzen" wollen, nehmen Sie Spinat für eine köstliche "Nesselcreme", das geht zur Not auch. Der Vorteil der Nesseln gegenüber Spinat ist aber, dass sie keine Oxalsäure enthalten - und eben unkeusch machen:

Zutaten:
300 g frische junge Brennnesseln
2 Bd Schnittlauch
etwa 50 g Butter
Creme fraiche, Salz

Zubereitung:
Den gesäuberten Schnittlauch in recht feine Röllchen schneiden. Die Brennnesseln waschen und in kochendem Salzwasser ein paar Minuten köcheln lassen. Das Wasser abgießen, alle Blätter auspressen. Grobe Stiele aussortieren. Die Brennnesseln hacken.

Die Butter in einer Pfanne zerlassen und die gehackten Nesseln darin kurz anbraten. Den geschnittenen Schnittlauch dazugeben und salzen.

Dann soviel Creme fraiche darunter rühren, bis Geschmack und Konsistenz Ihren Vorstellungen entsprechen. Die Creme hat dann eine frische hellgrüne Farbe, sieht nicht nur appetitlich aus, sondern schmeckt auch so. Sie passt zu Folienkartoffeln, geräuchertem Lachs oder auch zu Blinis (kleine Pfannkuchen) und Kaviar.

Schmerzfreien Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de