Survival-Drama "Eiserne Wildnis"Brad Pitt ist auf den Hund gekommen
Von Volker Probst
Brad Pitt, zwei Nebendarsteller und einen Hund - mehr braucht es nicht für einen Blockbuster? "Eiserne Wildnis - Heart of the Beast" tritt den Beweis dafür an. Ein Survival-Drama mit ebenso vielen Wauwau- wie Wow-Momenten.
Brad Pitt hat es in diesen Tagen echt nicht leicht. Erst vor Kurzem haderte er ein wenig mit seinem Alter. Und dann fällt dem 62-Jährigen auch noch beinahe die gesamte Familie in den Rücken. Nahezu alle Kinder des Hollywood-Stars wollen inzwischen nicht mehr so heißen wie ihr Vater. Und seine Verflossene Angelina Jolie lässt sowieso kein gutes Haar an ihm und würde das einstige gemeinsame Weingut in Frankreich lieber an einen Russen verhökern als es ihrem Ex zu überlassen.
Aber auch wenn einem sonst alle den Rücken kehren - den besten Freund des Menschen kann auch Brad Pitt niemand nehmen. Jedenfalls auf der Leinwand nicht. Und so ist der Schauspieler in seinem neuen Streifen "Eiserne Wildnis - Heart of the Beast" im wahrsten Sinne des Wortes dann auch auf den Hund gekommen. Odin wird der tierische Star in dem Film gerufen, hinter dem sich laut Angaben im Abspann allerdings in Wahrheit vier verschiedene Vierbeiner verbergen.
Das sind mehr Hunde als "Eiserne Wildnis - Heart of the Beast" insgesamt an tragenden Schauspielern zählt. Neben Pitt haben in dem Film unter der Regie von David Ayer nur zwei Nebendarsteller - J. K. Simmons und Anna Lambe - einen nennenswerten Einsatz. Von ein paar Statisten, die in Rückschau-Sequenzen namenlose Soldaten in einem Kriegsszenario verkörpern, mal abgesehen.
Erinnerungsflucht nach Alaska
Ein Kriegsszenario, in das auch der aus dem Dienst ausgeschiedene Special-Forces-Offizier James Belmont (Pitt) und sein Militärhund Odin tief verstrickt waren. Geblieben sind den beiden nicht nur die für jeden sichtbaren Gefechtsfolgen - Narben bei Belmont hier, eine amputierte Pfote und ein Titangebiss im Maul des Schäferhunds dort. Auch das Trauma und die seelischen Wunden von der Gewalt und den Schrecken, dem Tod und dem Leid haben sich bei Mensch und Tier gleichermaßen tief eingegraben.
In der verlassenen Wildnis von Alaska will Belmont zusammen mit seinem treuen Gefährten dies alles hinter sich lassen. Hier gibt es nur ihn, Odin und die Natur, die zwar ebenfalls mit allerlei Gefahren aufwartet, aber in der der Krieg nur noch als verwaschene Erinnerung präsent ist. Eine Erinnerung, die zwar regelmäßig wieder aufpoppt, jedoch in den Schatten der Naturgewalt und ihrer Herausforderungen tritt. Und in den Schatten eines ungebetenen Gastes namens Walter (Simmons), der auf einmal den Weg von Belmont und Odin kreuzt.
Für den auf das Überleben gedrillten Ex-Soldaten sind alle Widrigkeiten jedoch irgendwie handelbar. Jedenfalls so lange, bis er am Steuer seines Wasserflugzeugs, mit dem er über die Gebirge, Gletscher und Seen Alaskas gleitet, eine Herzattacke erleidet. Belmont stürzt ab. Er und Odin überleben die Katastrophe zwar, doch das wahre Survival-Drama beginnt für sie erst jetzt …
Wohltuende 95 Minuten
"Eiserne Wildnis - Heart of the Beast" lebt nicht zuletzt von den Schauwerten der spektakulären Landschaft Alaskas, die allein dem Zuschauer schon so manche Wow-Momente bescheren. Aber auch das kammerspielartige, nahezu einzig und allein auf Pitt und seinen vierbeinigen Freund fokussierte Setting hat mehr als nur belangloses Wauwau zu bieten, auch wenn in dem Film nur wenig gesprochen wird. Der Überlebenskampf der beiden schafft es durchaus, einen ähnlich gefangenzunehmen wie Tom Hanks und sein Volleyball Wilson seinerzeit auf ihrer einsamen Insel in "Cast Away - Verschollen".
So brillant wie Leonardo DiCaprios Rachetrip in "The Revenant" gerät Pitts Ausflug ins Survival-Genre dagegen nicht. Dafür droht die Verengung der Geschichte auf das Zweiergespann aus Mensch und Tier dann doch irgendwann zu sehr in Redundanz abzudriften. Nachdem so ziemlich alle möglichen Naturgefahren einmal durchgemacht sind, ist es gut, dass "Eiserne Wildnis - Heart of the Beast" nach rund 95 Minuten endet.
Ja, Sie haben richtig gelesen. Der Streifen tritt nicht nur den Beweis an, dass Pitt, zwei Nebendarsteller und ein Hund schon für einen Blockbuster reichen, sondern auch, dass dafür eineinhalb Stunden genug sein können. So bleibt nach dem Kinobesuch auch noch Zeit für eine kurze Gassi-Runde, sollte man einen Hund besitzen. Oder um den Film mit seiner Begleitung bei einem Kaltgetränk noch einmal Revue passieren zu lassen.
Vielleicht hat das Brad Pitt nach der Europa-Premiere "Eiserne Wildnis - Heart of the Beast" am Mittwoch im spanischen San Sebastián ja auch getan. Dorthin wurde er von seiner Freundin Ines de Ramon begleitet. Ganz so auf den Hund gekommen, ist er eben dann doch nicht.
"Eiserne Wildnis - Heart of the Beast" läuft ab sofort in den deutschen Kinos