Unterhaltung
Samstag, 19. Februar 2011

Bob Dylan: Die Musik, die der Meister hörte

von Manfred Bleskin

Welche Musik hörte einer der größten lebenden Folksänger zu Beginn seiner Karriere? Bob Dylan selbst stellt sie in einer Radioshow vor, von der nun ein weiteres Doppelalbum erschienen ist. Die Edition birgt einen Schatzkoffer ungeschliffener und ehrlicher Musik.

Bob Dylan arbeitet als Musiker, Poet, Maler und radiomoderator.
Bob Dylan arbeitet als Musiker, Poet, Maler und radiomoderator.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nein, Mister Robert Zimmermann alias Bob Dylan, der größte lebende Folkman, ärgert seine Fans nicht nur bei seinen Konzerten, wenn er heuer statt Gitarre oder Blues Harp in Hand und Mund zu nehmen, auf dem Keyboard herumdrischt. Der Mann, der mit seinen Texten Eingang in die US-amerikanischen Lesebücher gefunden hat macht auch Radioshows. Darin stellt er jene Musik vor, die er als Heranwachsender daheim in Duluth/Minnesota auf manchmal rauschenden Mittelwellenfrequenzen gehört hat, und die ihn zu dem gemacht haben, was oben grad beschrieben wurde.

Nun ist ein weiteres Doppelalbum mit besagter Musik erschienen. Darauf zu hören kein glattgebügelter Rock and Roll, keine weichgespülte Countrymusik. Hat der geneigte Hörer je etwas von einem Typen namens Lefty Frizell gehört oder gelesen? Das sollte man sich nicht entgehen lassen: roh, schräg. Und gut. Oder den Ur-Blues "There Is A Dead Cat On The Line" von Mr. Tampa Red und einer gewissen Georgia Tom.

Natürlich fehlt Woody Guthrie nicht, der vielgeschmähte Rote, ohne den es Dylan nie gegeben hätte. Der "Stormy Monday Blues" des T-Bone Walker muss die Vorlage für die unzähligen Bluesnummern geliefert haben, welche Dylans Bob über die Jahrzehnte geschrieben und aufgenommen hat.

Elvis hat Dylan natürlich auch gehört. Dass sich auf den beiden Scheiben nichts von selbsternannten King of Rock and Roll findet, hat zweifellos mit den komplizierten Rechtsverhältnissen des Presley-Erbes zu tun. Aber dafür hat’s eine Janis Martin, die in längst vergessenen Zeiten über ihren "Boy Elvis" trällerte. Wenn ich ganz tief in meinem Musikgedächtnis grabe, finde ich bei Bob Dylan kein Lied, das auch nur annähernd nach den "Banana Boat Song" des großen Harry Belafonte klingt. Aber Dylan hat es in seiner Radio Show gespielt. Und darum kann er mich beim nächsten Konzert in Berlin wieder mit seinem Keyboard nerven.

Bob Dylan’s Theme Time Radio Hour, 2CD, Chrome Dreams in-akustik

Quelle: n-tv.de

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