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"Ich hör auf mein Herz" Die Sehnsucht der Christina Stürmer

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Hat nichts zu bereuen: Christina Stürmer.

Olaf Rayermann / Universal Music

Zehn Jahre ist es her, dass Christina Stürmer in einer Casting-Show ihr Glück versuchte. Sie wurde "nur" Zweite - und ist doch die Siegerin: Heute gilt Stürmer als Österreichs größter Popstar seit Falco. Höchste Zeit für ein n-tv.de Gespräch mit ihr - über Ängste, Sehnsüchte, Romantik, Tattoos und natürlich auch ihr neues Album.

n-tv.de: Wie bist du denn hierhergekommen - mit dem Auto, dem Zug oder gar mit dem Flugzeug?

Christina Stürmer: (lacht) Mit dem Auto.

Ich frage das natürlich, weil ich weiß, dass du extreme Flugangst hast …

Ja, aber nicht mehr so wirklich. Ich habe vor zwei oder drei Jahren ein Flugangst-Seminar gemacht. Und das hat schon ein bisschen geholfen.

Wie äußert sich die Flugangst bei dir?

Herzrasen, Schweißausbrüche, totale Verkrampfung … Das ist ganz komisch. Aber, wie gesagt: Mittlerweile ist das etwas besser.

Du sprichst von Herzrasen. Das gibt eine super Überleitung, denn dein kommendes Album trägt den Titel "Ich hör auf mein Herz". Was sagt es dir denn?

Ich verfolge eigentlich immer ein Ziel: Mir muss es gut gehen. Und wenn ich auf mein Herz höre, ist das normalerweise der Fall.

Der Albumtitel geht auf ein Tattoo von dir zurück …

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Flugangst? Ein Seminar kann helfen!

(Foto: Universal Music)

Jein, nicht direkt auf das Tattoo. Da greifen viele Dinge ineinander. Als wir angefangen haben, uns mit dem Album und seinen Themen zu beschäftigen, war die Idee: Herz versus Hirn. Das hat sich anschließend weiterentwickelt - wir reden ja schon seit ungefähr zwei Jahren über das Album. Das Tattoo hingegen ist jetzt eineinhalb Jahre alt. Das Thema hat mich einfach schon längere Zeit beschäftigt. Dann entstand der Song "Ich hör auf mein Herz". Und als es schließlich darum ging, wie das Album heißen könnte, lag das als Titel auf der Hand.

Was ist das eigentlich genau für ein Tattoo? Sieht man das auf dem Cover?

Ein bisschen sieht man es. Hinten auf dem Schulterblatt ist ein Kopfhörer. Da war früher ein anderes Tattoo - so ein chinesisches Sternzeichen. (lacht) Das hatte ich mir mit 16 stechen lassen und wollte es irgendwie wegbekommen. Das neue Tattoo musste also im jeden Fall größer sein. Ich habe mit der Tätowiererin darüber gesprochen, was ich alles haben möchte - den Kopfhörer, ein Mikrofon und ein Herz, in den das Klinkenkabel des Kopfhörers hineingeht. Alles sollte mit Musik zu tun haben.

Ich finde, in deinen Texten gibt es ein paar Motive, die immer wieder auftauchen: Optimismus, Sehnsucht und Romantik, um nur mal drei zu nennen. Gibst du mir recht?

Ja, ich denke schon. Also, Optimismus definitiv. Sehnsucht …

Zum Beispiel bei "Auf und davon", dem ersten Song auf deinem neuen Album, geht es wieder einmal darum, aufzubrechen …

Stimmt. Und ich würde auch noch sagen: die Sehnsucht nach "mehr". Danach, dass jetzt noch nicht alles vorbei ist, sondern es noch viele Dinge zu entdecken gibt - ein bisschen wie bei einem kleinen Kind. Das mit der Romantik finde ich interessant. Eigentlich wird mir ja immer das Gegenteil nachgesagt. In jedem Fall versuche ich, immer überall das Positive zu sehen und nach vorne zu schauen.

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"Ein bisschen wie bei einem kleinen Kind."

(Foto: Universal Music)

Du bist vergangenes Jahr 30 geworden. War es schlimm - oder siehst du auch das positiv?

Kurz davor dachte ich tatsächlich: Scheiße, jetzt steht da die 3 vorne. Wenn man 16 oder 17 ist, erscheint einem ein 30-Jähriger ja einfach uralt. (lacht) Aber dann war es gar nicht so schlimm. Ich habe keine Krise oder so bekommen. Mein Freund, der auch 30 geworden ist, und ich haben gemeinsam mit Freunden bei uns zu Hause im Garten gefeiert. Und das Gute ist: Dadurch, dass meine Freunde großenteils alle älter sind als ich, werde ich immer die Jüngste in dieser Gruppe sein. (lacht)

Du bist jetzt seit ziemlich genau zehn Jahren im Musikgeschäft. Wenn du mal auf die Zeit seit deiner Teilnahme an der Casting-Show "Starmania" in Österreich zurückblickst: Würdest du alles wieder genauso machen?

Ja. Ich werde auch oft gefragt, ob ich bei der Casting-Show noch einmal mitmachen würde. Und, ja, auch wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich wieder mitmachen. Das war damals die erste Staffel, alles war neu und es war mein Sprungbrett. Aber: Heute würde ich an keiner Casting-Show mehr teilnehmen. Auch sonst würde ich eigentlich alles wieder so machen. Denn selbst die Fehler, die es vielleicht gab, waren gut, weil ich aus ihnen gelernt habe.

Einen Satz liest man häufiger über dich: Du bist der größte Popstar Österreichs seit Falco. Ehrt es dich, in dieser Reihe genannt zu werden, oder nervt es, weil man als österreichische Sängerin immer irgendwie im Schatten von Falco steht?

Auf jeden Fall ehrt mich das! Überhaupt mit Falco in einem Satz erwähnt zu werden, ist schon cool. Und "Popstar" ist ja auch so ein Wort … Ich denke ständig darüber nach, dass es da doch noch andere geben muss. Und es gibt ja durchaus auch einige Künstler und Musiker, die ebenfalls sehr groß in Österreich sind. Ob das jetzt Andreas Gabalier ist, Hubert von Goisern oder DJ Ötzi - er kommt ja auch aus unserer Ecke. Gut, vielleicht ist das kein Pop in dem Sinne, wie ich ihn mache.

Dein neues Album hast du in Österreich, aber auch in Berlin aufgenommen. Warum?

Die Produzenten sind Berliner. Deswegen haben wir Teile - vor allem das Schlagzeug und die ganzen Basics - hier aufgenommen. Den Gesang und die Gitarren hingegen haben wir dann bei uns aufgenommen, wo wir auch ein kleines Studio haben. Für den Gesang ist es mir sehr wichtig, dass ich mich wohlfühle. Und zuhause ist es halt einfach am besten.

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Den Echo nennt Christina Stürmer schon seit 2006 ihr Eigen.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Wie unterscheidet sich deiner Meinung nach deine Wahrnehmung als Künstlerin in Deutschland und Österreich?

Mittlerweile ist das sehr ähnlich. Durch die Casting-Show war das Publikum in Österreich früher sehr jung. Mittlerweile sind von den Hörern damals aber natürlich einige abgesprungen - als junger Mensch hört man nun mal heute das und findet morgen das andere gut. Inzwischen sind sich die Fans in Deutschland und Österreich im Großen und Ganzen sehr ähnlich, würde ich sagen.

Wo kannst du denn eher unerkannt auf die Straße gehen?

In Deutschland. In Österreich ist das eigentlich nicht möglich. Bei uns zu Hause im Dorf sowieso nicht - ich wohne in einer 300-Seelen-Gemeinde. (lacht) Aber auch in Wien ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Ich kann natürlich rausgehen. Aber unerkannt? Keine Chance.

Das Video zu "Millionen Lichter", der ersten Single aus deinem neuen Album, wurde weder in Deutschland noch in Österreich, sondern in den USA gedreht. Wie kam es dazu?

Als die Nummer stand, haben wir uns Drehbücher von verschieden Filmproduktionsfirmen eingeholt. Bei den Vorschlägen war extrem oft Los Angeles als Drehort dabei. Auch bei "Millionen Lichter" geht es ja um Aufbruch. Wir wollten auf jeden Fall irgendwo hin, wo es warm ist. (lacht) Deswegen und weil es das beste Drehbuch war, ist es dann Los Angeles geworden. Doof war nur, dass es nicht so warm war wie gedacht.

Ihr habt in Los Angeles auch ein Konzert gegeben. War es skurril, vor lauter Menschen zu spielen, die einen nicht verstehen?

Auf alle Fälle. Mit vielen von ihnen hatten wir zuvor schon das Video gedreht. Das heißt, die, die dort gewesen waren, kannten zumindest "Millionen Lichter" bereits in- und auswendig - oder wenigstens das, was sie davon verstanden hatten. Nach dem Konzert haben wir mit einigen gesprochen. Sie fanden es cool, auch wenn sie kein Sterbenswörtchen verstanden hatten. Wie lautet dieser schöne Satz? Die Sprache der Musik ist universell. Irgendwie stimmt das. Ich habe früher auch Molotov (mexikanische Crossover-Band mit überwiegend spanischen Texten, Anm. d. Red.) gehört - und hatte keine Ahnung, was die da singen.

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Das Album "Ich hör auf mein Herz" erscheint am 19. April 2013.

(Foto: Universal Music)

Auf deiner Facebook-Seite war in diesen Tagen ein Bild von den neuen Alben von Laing, Bosse und Selig zu sehen - mit der Bemerkung, deine Bestellung sei eingetroffen, aber du wüsstest nicht, was du dir zuerst anhören sollst. Was ist es geworden?

Laing!

Und? Wie fandest du das Album?

Eigentlich ganz cool. Ich finde, die Damen haben sehr viel Energie. Und es gibt meiner Meinung nach eh viel zu wenige Frauen in diesem Metier.

Es fällt ja auf, dass alle drei Alben von deutschsprachigen Künstlern sind. Stehst du gerade eher auf deutschsprachige Musik?

Nein, eigentlich nicht. Ich höre schon auch extrem viel englischsprachige Musik. Aber ich wollte diese drei Alben unbedingt haben. Und das von Bosse war da gerade eben erst rausgekommen.

Vor Kurzem fand die Echo-Verleihung statt. Um die gab es in diesem Jahr einigen Wirbel, nachdem Kraftklub und Mia. aus Protest gegen die Nominierung der Gruppe Frei.Wild ihren Boykott der Veranstaltung bekannt gegeben hatten. Was denkst du über diese Geschichte?

Ich finde es wirklich schwierig und beneide niemanden, der in der Sache eine Entscheidung treffen musste. Ich fände es doof, jetzt zu sagen, dass ich das oder das gemacht hätte. Ich kenne Frei.Wild nicht. Ich habe davor noch nie etwas von ihnen gehört. Man hört aus allen Ecken, dass sie rechte Texte hätten und eher von der braunen Sorte sein sollen. Sollte das stimmen, fände ich das scheiße. Aber andererseits geht es um die Verkaufszahlen. Anscheinend gibt es viele Fans da draußen. Und ich glaube nicht, dass sie alle eine derartige politische Richtung verfolgen.

Du hast den Echo bereits 2006 erhalten. Und inzwischen hast du mehr als 1,5 Millionen Tonträger verkauft. Welche Ziele hast du noch?

2,5 Millionen. (lacht) Nein … Natürlich freut man sich, wenn Platten verkauft werden. Dadurch kann man sich wieder länger im Musikbusiness halten und ein weiteres Album finanzieren. Aber Ich möchte einfach Spaß an der Musik haben. Und ich möchte Musik machen, mit der ich mehr als zufrieden bin und hinter der ich stehen kann. Das ist mir das Wichtigste.

Mit Christina Stürmer sprach Volker Probst

Das Album "Ich hör auf mein Herz" bestellen

Christina Stürmer befindet sich von Mai bis Juli 2013 auf Tour. Folgende Termine stehen bereits fest: München (3.5.), Köln (6.5.), Hamburg (7.5.), Berlin (8.5.), Coswig (14.6.), Tuttlingen (6.7.)

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

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