Kino

"Blue Jasmine" von Woody Allen Halt dich an deiner Handtasche fest

"Blue Jasmine": Nur die Handtasche erinnert die einstige Glamourfrau an ihre reiche Vergangenheit.

"Blue Jasmine": Nur die Handtasche erinnert die einstige Glamourfrau an ihre reiche Vergangenheit.

(Foto: Warner Bros. GmbH)

Von Altersmilde ist bei Woody Allen keine Spur. Im Kinofilm "Blue Jasmine" schickt er Cate Blanchett vom Glitzerleben in die Gosse. Das ist keine neue Geschichte, aber Allen hält sich ja nicht an Hollywood-Regeln. Und Blanchett kann sich Hoffnungen auf einen Oscar machen.

Peter Sarsgaard als Diplomat Dwight und Cate Blanchett als Jasmine.

Peter Sarsgaard als Diplomat Dwight und Cate Blanchett als Jasmine.

(Foto: Warner Bros. GmbH)

Der Absturz könnte nicht deutlicher ausfallen. Hoch über den Wolken sitzt Cate Blanchett zu Beginn des Films "Blue Jasmine" bei Schampus in der Ersten Klasse. Als das Flugzeug wenig später landet, illustriert das ihren gesellschaftlichen Abstieg: Die New Yorker Millionärsgattin ist pleite, ihr Ex-Mann als Anlagebetrüger aufgeflogen und im Gefängnis gestorben.

Blanchett muss in der Rolle von Jasmine als ungebetener Gast bei ihrer Schwester (Sally Hawkins) einziehen. Jasmine hadert mit der Vergangenheit und verweigert sich zunächst der Zukunft. Filmemacher Allen übt sich in einer Prise Gesellschaftskritik, ohne zu sehr in Dramentiefen zu versinken.

Alles an Jasmine ist Fassade

Die Australierin Blanchett gewann bereits einen Oscar für eine Nebenrolle in "The Aviator". Als beste Hauptdarstellerin wurde sie für zwei "Elizabeth"-Filme nominiert, ging hierbei aber leer aus. Gut möglich, dass ihr die Leistung in "Blue Jasmine" eine erneute Oscarnominierung beschert. Eindrucksvoll nutzt sie den Freiraum, den ihr Regisseur Allen großzügig lässt. Phlegmatisch irrt sie umher - genießt das Leben in Saus und Braus und leitet dann ihren eigenen Ruin ein. Sie verschließt die Augen vor den kriminellen Machenschaften ihres Mannes und anschließend vor ihren prekären Verhältnissen.

Einen Oscar hat Blanchett schon, nun könnt eine weitere Nominierung folgen.

Einen Oscar hat Blanchett schon, nun könnt eine weitere Nominierung folgen.

(Foto: dpa)

Als sie von der US-amerikanischen Ost- an die Westküste nach San Francisco umsiedeln muss, sieht sie sich mit dem deftigen Arbeitermilieu konfrontiert, in dem ihre Schwester lebt. Der Clash der Welten dient Woody Allen zu seiner üblichen, leichtlebigen Situationskomik.

Unverhoffte Blind Dates entpuppen sich als Reinfall, wenn Jasmine die Nase rümpft über den hemdsärmligen Mann ihr gegenüber. An die überteuerte Designertasche klammert sie sich wie an einen Rettungsanker. Alles an ihr ist Fassade, selbst ihren Namen hat die blauäugige Schönheit - eigentlich Jeanette - aus dem Song "Blue Jasmine" übernommen. Die Sympathien sind in dem Film klar verteilt: Handwerker und kleine Angestellte sind grundehrlich, während Anlagebetrüger Hal, formidabel großkotzig gespielt von Alec Baldwin, als skrupelloser Finanzhai daherkommt, der seiner bescheiden-kleinbürgerlichen Schwägerin und deren Mann das Geld aus der Tasche zieht.

Desinteresse und Arroganz

Auch seine Ehefrau Jasmine eignet sich in ihrer Mischung aus Desinteresse und Arroganz nicht als Identifikationsfigur. Das macht die Rolle ambivalent und für Blanchett umso reizvoller. Fast gönnt man ihr, dass sie endlich einmal auf die Nase fällt - und fiebert dann doch mit, wie sich ein zarter Hoffnungsschimmer auftut.

Doch Woody Allen ist trotz seiner längst weißen Haare von Altersmilde weit entfernt. Immer wieder verzichtet der inzwischen 77-Jährige auf ein klassisches Happy End und schickt seine Figuren stattdessen einem ungewissen Schicksal entgegen. Und so muss Blanchett am Ende keine herzzerreißenden Freudentränen vergießen, sondern torkelt weiter wie benommen durch das düstere Leben. Ihre Chancen auf einen Oscar dürfte das erhöhen.

Der Film ist diese Woche in den deutschen Kinos gestartet.

Quelle: ntv.de, Wolf von Dewitz, dpa

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