Kino

Die gestrenge Frau Berben Miss Sixty ist ganz schön sexy

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Hatten garantiert ihren Spaß beim Drehen: Iris Berben und Edgar Selge.

(Foto: imago/Thilo Schmülgen)

Frauen über 60 - ein Thema, das meist mit einem Seufzen einhergeht. Dabei muss das doch nicht sein. Schauspielerinnen wie Helen Mirren, Meryl Streep und hierzulande Hannelore Elsner machen Mut, einfach weiterzuspielen. So auch Iris Berben.

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Sexszenen? Kein Problem!

(Foto: imago/Thilo Schmülgen)

Und dann singt sie auch noch, am Schluss, gar nicht mal so übel: "C'est si bon". Luise (Iris Berben) hat also einige Talente: Sie ist im Beruf eine Granate, theoretisch, wenn man sie nur machen lassen würde, sie hat ein erfrischend ungehobeltes Mundwerk, sie sieht eigentlich nicht schlecht aus für ihr Alter - buh, was für eine schreckliche Formulierung, aber es geht nunmal nicht anders - menschlich jedoch ist sie eine Katastrophe. Keiner mag sie, kein Mann will sie, nur ihre Mutter freut sich über die langen Fernsehabende mit der Tochter, die keine Interessen, keine Freunde und auch wenig Freude an sich hat - schon gar nicht mit einem Mann. Doch da fällt ihr nun prompt einer vor die Füße und ihr Alltag gerät aus den Fugen.

Als sie aufgrund einer betriebsinternen Intrige und gegen ihren Willen vorzeitig in Rente geschickt wird und wenigstens vor ihrer Mutter noch so tun will, als würde man ihr eine große Verabschiedung mit auf den Weg geben, sie aber nur rauchend im Stadtpark die Zeit totschlägt, muss sie einem Jogger erste Hilfe leisten: Galerist Frans (Edgar Selge), auch nicht mehr der Jüngste und offensichtlich dem Jugendwahn verfallen, hat einen Hexenschuss - als Folge einer lädierten Bandscheibe durch wilden Sex mit seiner jungen und karriereorientierten Assistentin Romy (Jördis Richter). Luise schleppt Frans widerwillig zur Notaufnahme und schnell stellt sich heraus: Beide finden sich auf Anhieb komplett unsympathisch. Auch wenn man ahnt, dass dies die weitaus interessantere Geschichte sein wird, obwohl der alternde Herr Selge ganz beeindruckenden Sex mit seinem Galerie-Mäuschen zelebriert.

Männer dürfen das - und Frauen?

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63 - und bestimmt auch ein bisschen weise.

(Foto: imago/epd)

Luise, in der Notaufnahme noch für die Gattin des Patienten gehalten, hat auf ihre älteren Tage sowieso ganz andere Pläne und null Zeit für Männerbekanntschaften. Ihre existenzielle Entscheidung, doch noch die Freuden der Mutterschaft genießen zu wollen, führt sie ausgerechnet mit dem Sohn von Frans zusammen. Journalist Max (Björn von der Wellen) ist anonymer Samenspender - und da Luise ein Kontrollfreak ist, soll dieser - jedenfalls für sie - auf keinen Fall anonym bleiben. Sie spioniert ihm hinterh er, die Geschichte nimmt ihren Lauf. Was sich nach einer komplett albernen Geschichte anhört - ist auch eine! Aber auf die gute Art!

Ziemlich uneitel spielt Iris Berben die verhärmte Luise, die im Herbst ihren Lebens unbedingt nochmal den Frühling herbeizaubern will, jedoch auf allergische Reaktionen wie Liebesgefühle, Schmetterlinge im Bauch und das ganze Gedöns so gar keine Lust verspürt. Dass das nicht geht, zeigt die Komödie "Miss Sixty" mit einigen wirklich guten Lachern, viel Liebe zum Detail und Schauspielern, die sich selbst nicht so wichtig nehmen. Dass man die Gefühle ernst nehmen sollte, wird jedoch wunderbar vermittelt. Dass man nichts dagegen machen kann, egal wie alt, ist eine schöne Botschaft.

In Doris Dörries "Alles inklusive" darf eine unbehandelte Hannelore Elsner zeigen, wie schön man mit über 70 noch sein kann, und die 63-jährige Iris Berben, für viele vielleicht in der "kapriziöse Diva"-Schublade gelandet, beweist ihr komisches Talent. Dass sie davon früher richtig viel hatte (man denke nur an "Zwei himmlische Töchter" mit Ingrid Steeger), ist in den letzten Jahren vielleicht ein wenig in Vergessenheit geraten.

Ihre ernsthaften Rollen ("Buddenbrooks", "Krupp - Eine deutsche Familie", "Der Wagner-Clan") und ihr vielseitiges politisches und soziales Engagement (gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Atombomben, für die Deutsche AIDS-Stiftung) gaben ihr ein eher ernstes Gesicht.

Ganz schön zu sehen, dass ihre Falten, die sie der Kamera ungebügelt präsentiert, sehr wahrscheinlich vom Lachen kommen.

Miss Sixty läuft ab dem 24. April in den deutschen Kinos - und ist kein reiner Frauenfilm ...

Quelle: n-tv.de

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