Kino

"Valerian"-Regisseur Luc Besson Mit der Kettensäge ran ans Herz

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Mit Dane DeHaan und Cara Delevingne hat sich Luc Besson seinen Traum von "Valerian" erfüllt.

(Foto: Universum Film)

Der Comic "Valerian und Laureline" begleitet ihn schon beinahe sein ganzes Leben lang. Nun hat Luc Besson endlich den Film dazu gedreht. n-tv.de verrät der 58-Jährige, wie man Rihanna zum Weinen bringt und was Hundekot mit Fremdenfeindlichkeit zu tun hat.

Sie haben die Geschichte von Valerian und Laureline als Kind entdeckt. Wie viel vom Jungen Luc steckt im Film?

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Besonders die französischen Kritiker werfen mir gern vor, ich sei kindisch. Ich kümmere mich um meine Mutter, meine Schwestern, meine Angestellten. Ich bin also durch und durch ein Erwachsener. Aber den kleinen Jungen, der ich mal war, habe ich nicht vergessen. Er ist einer meiner besten Freunde. Ich spreche oft mit ihm. Das ist wichtig. Es gibt ein Gedicht von William Wordsworth, "My Heart Leaps Up". Darin heißt es: "The Child is the father of the Man." (Das Kind ist der Vater des Mannes) Er hat recht.

Die Comic-Vorlage heißt "Valerian und Laureline", der Film nur "Valerian". Wieso haben Sie die weibliche Hauptperson aus dem Titel gestrichen?

Das spiegelt unsere heute Gesellschaft: Männer werden etwas besser bezahlt - und sie sind auch ein bisschen großspurig. Der Wert einer Frau wird unter dem eines Mannes angesiedelt. Damit möchte ich spielen. Valerian ist Major, Laureline ist Sergeant. Sie wird sich beschweren! Sie werden schon sehen. (grinst)

Grundsätzlich haben starke Frauenfiguren bei Ihnen ja Tradition. Ich denke da an Leeloo aus "Das fünfte Element", aber auch an Mathilda aus "Léon - Der Profi".

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Luc Besson entwirft gleich gute Rollen für Männer und Frauen - zum Beispiel in "Léon - Der Profi".

(Foto: imago/United Archives)

Ich habe in meine weiblichen Figuren schon immer die gleiche Arbeit gesteckt wie in meine männlichen. Es gibt da für mich keinen Unterschied. Bei "Léon - Der Profi" ist Léon großartig und Mathilda ganz genauso. In "Das fünfte Element" hat Korben Dallas eine tolle Rolle und Leeloo ganz genauso. Hier gibt es eben Valerian und Laureline. Es gibt nicht genug spannende Rollen für Frauen. Deswegen sollen aber nicht plötzlich alle tollen Rollen für Frauen geschrieben sein. Ich will die Ungerechtigkeit ja nicht ins Gegenteil verkehren. Am besten behandelt man Menschen gleich.

Im Fall von "Valerian" haben Sie jedenfalls zwei Frauen besetzt, deren Name allein Aufmerksamkeit sichert: Ex-Model Cara Delevingne und Popstar Rihanna. Wie fiel die Wahl auf sie?

Weil sie preiswert und hässlich sind. (lacht) Ich finde einfach, niemand anderes wäre besser für die jeweilige Rolle geeignet gewesen.

Es ist ja nicht Rihannas erster Film. Aber in Ihrem weint sie, es ist eine herzzerreißende Szene. Wie haben Sie es geschafft, sie in so einem verletzlichen Moment einzufangen?

Sie hat von vornherein gesagt: Du musst mir helfen! Ich habe ihr klargemacht, dass ich im richtigen Moment hier (zeigt auf seine Brust) einen Schnitt machen werde und dann stecke ich da meine Hand rein und packe zu. Rihanna hat mir die Erlaubnis dazu gegeben.

Sind Sie da immer so brutal?

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Für ihre Rolle in "Valerian" musste Rihanna weinen. Luc Besson hat dafür gesorgt, dass sie es tut.

(Foto: Universum Film)

Manche Schauspieler haben mehr Erfahrung. Sie haben Techniken, mit denen sie die Emotionen abrufen können. Dann muss man sie nur noch ein bisschen schubsen. Bei anderen braucht man eine Kettensäge! Ich habe das entsprechende Werkzeug, ich werde es benutzen. Es muss am Ende ja nach etwas aussehen. Manchmal werde ich dafür gehasst. Jean Reno (Hauptdarsteller in "Léon - Der Profi"; Anm. d. Red.) hat mich gehasst! (lacht)  

Sie besitzen mittlerweile ja nicht nur das Werkzeug für emotionale Qualen, sondern vor allem auch die technischen Mittel für eine aufwendige Kinoproduktion.

Das stimmt. Alles, was ich mir ausdenke, kann ich umsetzen. Die Grenze des Möglichen ist meine eigene Vorstellungskraft. Und ich habe noch eine Menge verrückte Ideen.

Aber auch ein paar ziemlich vernünftige. Der Film spielt in der Zukunft, aber er verhandelt Themen, die in Anbetracht der Debatte um Geflüchtete ziemlich gegenwärtig wirken.

In einer Raumstation weit weg von zu Hause sind alle Einwanderer. Wir sind ja heute schon alle Einwanderer. Nur haben wir das vergessen. Kommen wir nicht alle aus Afrika? Sind wir nicht alle migriert? Heutzutage sind wir so engstirnig. (verstellt die Stimme) "Oh, das ist mein Garten!", "Oh, das gehört mir!", "Hier darfst du nicht langlaufen!", "Wieso denkst du anders als ich?" Was soll das? Man braucht sich doch nur die Natur angucken. Wie viele verschieden Sorten Obst, Bäume oder Tiere gibt es denn? Ich verstehe einfach nicht, wieso heute Dinge wie Hautfarbe oder Religion zum Problem gemacht werden. Ich habe ein Beispiel für Sie!

Das da wäre?

Der Hund! In jedem verdammten Land der Welt mag man Hunde. Niemand stört sich an Hunden. Und es gibt so viele verschiedene Arten. Sie sind klein, groß, schwarz oder weiß. Ganz egal, wir mögen sie. Und dabei kacken sie überall hin und wir müssen das dann sauber machen!

Mit Luc Besson sprach Anna Meinecke.

"Valerian - Die Stadt der tausend Planeten" startet am 20. Juli in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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