Unterhaltung
Bettina Zimmermann und Stephan Luca verstehen sich blind.
Bettina Zimmermann und Stephan Luca verstehen sich blind.
Dienstag, 29. Mai 2018

"Die Meisterin" : Mit Bettina Zimmermann auf neuen Pfaden

Ein Interview mit Bettina Zimmermann - immer fein! Aber wenn dann noch zwei Herren dazu kommen, die auch was zu erzählen haben - umso besser. Es geht um das neue Audible Original Hörspiel "Die Meisterin", geschrieben von Thriller- und Fantasy-Autor Markus Heitz, prominent besetzt mit Bettina Zimmermann und Stephan Luca. Für den Bestsellerautor ist es der erste Titel, den er rein als Hörspiel verfasst hat. In "Die Meisterin" geht es um Geneve Cornelius (Bettina Zimmermann) und Alessandro Bugatti (Stephan Luca) - beide gehören alten Henkersdynastien an, die ein weit zurückliegender Familienstreit entzweit. Als Geneves Bruder umgebracht wird, führt die Spur zur verhassten Familie Bugatti. Doch Alessandro kann Geneve von seiner Unschuld überzeugen, und gemeinsam machen sie sich auf die Jagd nach dem wirklichen Mörder. Die Spur führt sie von Leipzig über London nach New Orleans. Sie finden heraus, dass der wahre Mörder ein ganz anderes Motiv hatte, Geneves Bruder zu töten. Die bekannten Schauspieler und Synchronsprecher standen gemeinsam im Studio und konnten ihrer Kreativität am Mikrofon freien Lauf lassen. Beim Interview bleibt nicht mehr viel zu tun für die Journalistin, denn Bettina Zimmermann wuppt die ganze Sache von selbst.

Bettina Zimmermann: Markus, was hast du dir bei diesem Buch eigentlich gedacht?

Markus Heitz: Das Spannende an der ganzen Sache war vor allem, ein Hörspiel direkt zu verfassen. Ich habe ja schon ein paar Bücher geschrieben (lacht), die zu Hörspielen wurden, aber jetzt war die Herausforderung, gleich von vornherein ein Hörspiel zu verfassen. Das war spannend.

n-tv: Wie anders geht man denn da an die Thematik heran?

MH: "Die drei ???" und ich, wir waren die besten Freunde (lacht). Die konnte ich auswendig, denn ich habe sie jeden Abend vor dem Einschlafen gehört. Aus dieser Erfahrung weiß ich, dass es wichtig ist, nicht zu viele Personen, nicht zu viele Handlungsstränge zu verwenden. Das einzige, was der Hörer hat, ist das, was er im Kopf mit sich trägt, weil man ja ehrlich gesagt nicht zurückspult …

Stephan Luca, Bettina Zimmermann, Uve Teschner (Erzähler) und Markus Heitz.
Stephan Luca, Bettina Zimmermann, Uve Teschner (Erzähler) und Markus Heitz.(Foto: Sven Krohn)

Das macht keiner, oder?

MH: Nein, ich glaube nicht, ich zumindest mache das nicht. Das heißt, es muss überschaubar sein, nicht zu viel durcheinander und man muss die Spannung logisch aufbauen. Die Charaktere, die häufig vorkommen, sollten gut in Erinnerung bleiben, sonst wird das nichts.

Was spricht denn für Hörbücher, wenn man, so wie ich, kein Hörbuch-Typ ist.

BZ: Bei Hörbuch oder Hörspielen kann man sich zurücklehnen, im Zug, im Flugzeug, man taucht in eine Welt ein, die man komplett über die Stimme, den Klang, über Nebengeräusche und einen Erzähler vorgelebt bekommt. Dabei entstehen Bilder und Welten im Kopf, ähnlich wie beim Lesen, nur, dass es über das Gehör passiert. Ich finde, man kann der Fantasie vollkommen freien Lauf lassen. Es ist ideal für unsere schnelllebige Zeit. "Die Meisterin" wären so ungefähr zwei bis dreihundert Seiten, das schreckt Leser manchmal ab. So einen dicken Wälzer anzufangen ist für viele Leute ein Hindernis. Doch wenn man zuhört, dann kann man sich in eine Welt hineinfallen lassen und nebenbei vielleicht sogar noch etwas anderes machen ….

Stricken, putzen …

BZ: Ja, warum nicht? Ich liebe Hörbücher und Hörspiele. Ich bin aber ebenfalls ein "Drei ???"-Kind, genauso wie Markus (lacht). Zum Lesen braucht man immer einen ruhigen Ort. Ich liebe es, mir Kopfhörer aufzusetzen und einen Film im Kopf zu haben.

Wie bereitet man sich auf eine Sprechrolle vor, anders als auf einen Film?

Stephan Luca: Die Zeit in der Maske vor der Arbeit ist deutlich kürzer (lacht). Es gibt keine.

BZ: Die Arbeitszeiten sind wesentlich humaner!

SL: Als ich wusste, dass Bettina mitmacht, war mir klar, dass ich dabei bin. Das Besondere für uns war ja, dass wir eine Art von Spielsituation hatten, weil wir zusammen im Studio waren. Oftmals wird so etwas ja einzeln eingesprochen und dann zusammengestellt ….

BZ: Wir konnten Blicke austauschen …

SL: Ja, wir standen uns gegenüber und hatten einen gemeinsamen Spielraum.

BZ: Es waren sehr intensive Arbeitstage …

SL: Und wir waren sehr konzentriert bei der Sache.

BZ: Wir haben angefangen und einfach immer geschaut, wie weit wir kommen. Als unsere Figuren durch Tunnel gehen, sprechen wir ganz leise (spricht leise), und dann haben wir uns geduckt (duckt sich), und das auch körperlich mitgespielt. Das ist nochmal anders als eine Lesung. Das einzige Werkzeug ist die Stimme, und diese Herausforderung nimmt man gern an.

Die Hauptfigur, die Sie sprechen, ist Geneve, eine "Brünette mit dem Aussehen einer Dreißigjährigen" …

Bettina Zimmermann in der Rolle der Geneve.
Bettina Zimmermann in der Rolle der Geneve.

BZ: Brünett stimmt (lacht)

Welche Bilder hatten Sie denn beim Schreiben im Kopf, Herr Heitz?

MH: Das unterscheidet sich nicht vom Romanschreiben: ich habe einen Film vor Augen und den versuche ich so umzusetzen, dass ihn auch andere sehen können. Sei es, weil sie lesen, sei es, weil sie hören. Ich musste wie gesagt nur immer aufpassen, dass ich nicht ausschweife, das ist natürlich anders beim Roman.

BZ: Zum Glück gibt es ja einen Erzähler, der für die Schilderung der einzelnen Szenarien sorgt. Es bringt ja nichts, wenn wir bedrohlich oder leise sprechen oder säuseln, wenn der Kontext gar nicht da ist. Beim Hörspiel braucht man den Erzähler, der einen in die Situationen führt.

Und dann kommen noch die Geräusche dazu …

BZ: Genau, die kommen später. Genauso wie die Filmmusik.

Aber warum ein Extra-Buch als Hörspiel, wo es doch schon so unendlich viele Bücher gibt, die auch als Hörspiel funktionieren würden?

MH: Jeden Ton gab es bereits, warum also Musik machen? Jeden Satz gab es schon, warum noch ein Buch schreiben. Der Trick an der Sache ist doch, etwas zu finden, was so noch nicht gezeigt wurde. Und die Themen liegen auf der Straße. Es gibt immer wieder neue Geschichten, man muss nichts noch einmal erzählen ... ich suchte also nach einem Bereich, den es so noch nicht gab. Und da gehört in meinen Augen "Die Meisterin" dazu.

BZ: Als ich das Hörbuch zum Lesen bekam (lacht) wollte ich nur mal eben kurz reinlesen und ein Gefühl dafür bekommen, ob es etwas für mich ist … Ja, das war es von Seite eins an. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen, so dass ich meine restlichen Termine am Tag verschoben habe. Es ist wahnsinnig spannend und lässt einen in eine neue Welt eintauchen. Das hat mich gepackt.

SL: Es ist eine Frage der Konzentration. Wenn ein Autor ein Buch schreibt, und dann der Film entsteht, ist das nochmal was anderes. Da könnte man als Leser, der einen Film sieht oder ein Buch dann hört, auch enttäuscht sein. Aber das hier hat es nochmal getoppt. Es ist mir auch schon passiert, dass ich einen Film besser fand, als das Buch, das ich vorher gelesen hatte. Und hier jetzt mal etwas ganz anderes – ein recht enger Kanal, eine vollkommene Konzentration auf die Vorlage, ein Absorbieren der restlichen Umwelt, total spannend.

BZ: Im Film findet eine optische Verwandlung schon allein durch Make-up und Kostüm statt und dann kommt noch das Set hinzu. Hier geht es nur über die Stimme.

Alles eine Frage der Konzentration: Stephan Luca.
Alles eine Frage der Konzentration: Stephan Luca.

SL: Man ist im Moment, um das glaubhaft erzählen zu können.

BZ: Meist gibt es eine Person, die das ganze Buch liest, also auch alle Figuren spricht. "Die Meisterin", wurde ja speziell als Hörspiel geschrieben, also ist die Erzählform auch schon eine andere. Jede Figur hat eine Stimme. Durch das Zusammenspiel kommen die Emotionen nochmal stärker rüber.

SL: Man hätte die Kamera bei uns anmachen können, oder Bettina?

BZ: Nein, also das hätte bestimmt keiner sehen wollen (lacht), wie wir beide da vor unseren Mikrofonen rumfuchteln. Man müsste sich dann fragen: Was machen die beiden da eigentlich?

MH: Audio Reality statt Virtual Reality …

BZ: Der Vorteil bei "Die Meisterin" ist ja auch, dass der Zuhörer sich noch keine eigene Welt aufbauen konnte, er kann noch keine Bilder im Kopf haben, keine Erwartungen, da es keinen Roman vorab gab.

Haben Sie Erfahrungen im Synchron-Sprechen?

Im Studio: Zimmermann und Luca.
Im Studio: Zimmermann und Luca.

BZ: Ja, seit elf Jahren spreche ich eine Animationsfigur bei Disney, aber das ist eine ganz andere Sache. Das sind ja animierte Figuren, denen man Leben einhaucht.

Oder "Wüstenblume" von Waris Dirie habe ich gesprochen, aber auch das ist etwas völlig anderes. Es ist immer auch das Visuelle vorhanden. Ich habe das Glück gehabt, tolle Frauenfiguren sprechen zu dürfen.

Was macht eine Stimme eigentlich einzigartig? Man denke nur an die unverwechselbaren Synchronstimmen von Robert De Niro (Christian Brückner) oder Julia Roberts (Daniela Hoffmann) oder Daniel Craig (Dietmar Wunder).

BZ: Das sind natürlich Jahrhundert-Stimmen und auch -Rollen. Wir Deutschen sind ja so geprägt, dass wir Synchron-Stimmen im Kino hören, das ist in anderen Ländern ja anders. In Skandinavien z.B. wird nicht ein Film synchronisiert. In erster Linie muss die Stimme auf die Figur oder zu der Geschichte passen.

MH: Da fällt mir wieder etwas zu den "Drei ???" ein: Die Stimme von Justus Jonas alias Oliver Rohrbeck gibt es jetzt auch bei den Jusos: Kevin Kühnert (lacht). Er nennt sich, glaube ich, sogar "offizielles Stimmen-Double von Justus Jonas" auf seinem Twitter-Account. Das bedeutet ja, dass eine Stimme eine richtige Marke sein kann.

SL: Auf dem Kölner Flughafen fordert einen die Stimme von Pierce Brosnan auf, auf sein Gepäck zu achten. Man denkt also, James Bond ist vor Ort (lacht).

Wie sieht es mit Fortsetzungen aus?

MH: Gut (lacht). An Ideen mangelt es nicht.

Mit Bettina Zimmermann, Stephan Luca und Markus Heitz sprach Sabine Oelmann

"Die Meisterin" bei Audible hören

Quelle: n-tv.de