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Bundesliga, Superstar, Reibeisen Wenn Heinz Höher den Zlatan kickt

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Zlatan Ibrahimovic polarisiert: Entweder man mag oder hasst ihn. Sein Können ist aber unbestritten.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Fußball-Mafia DFB!" schallt es durch die deutschen Stadien. Tja, früher war das anders, war alles besser. Früher, als Heinz Höher spielte - und Zlatan Ibrahimovic noch nicht. Anpfiff für eine ganz besondere Fußballreise.

Stell dir vor, es ist Fußball-WM - und keinen interessiert's. Das wird wohl nie passieren, nicht einmal, wenn die Welttitelkämpfe im sonst eher fußballfreien Katar stattfinden. Derzeit lädt Russland das Who's who der Fußballwelt und am Ende wird es wie immer sein: Deutschland gewinnt im Elfmeterschießen. Danke, Gary Lineker!

Spieltage in der Bundesliga

Danke aber auch an Ronald Reng. Der Sportjournalist und Schriftsteller, der uns mit dem "Traumhüter" bereits das deutsche "Fever Pitch" geschenkt hat, lässt mit "Spieltage" erneut sein Gespür für das runde Leder erkennen, das längst kein Leder mehr ist. Er beleuchtet mit seinem Werk die Geschichte der Bundesliga, neben dem Auto das wohl Allerheiligste des Deutschen.

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Ronald Reng "Spieltage" (tacheles!/ROOF Music)

(Foto: tacheles!/ROOF Music)

Reng pickt sich dafür das Leben von Heinz Höher heraus. Heinz wer? Die Frage mag erlaubt sein. In Bochum, Duisburg, Leverkusen und vor allem Nürnberg und Fürth weiß wohl jeder, wer Höher ist. Reng sorgt dafür, dass der Name auch im Rest der Republik bekannt wird. Wie immer mit Witz, Charme und sehr viel menschlicher Nähe.

Also, wer ist Heinz Höher? Ein Fußballer, Ex-Profi, Ex-Trainer, ja man könnte sogar sagen: Ex-Manager. Er spielte noch mit dem legendären 1954er Weltmeister Rahn zusammen. Er schlug mit dem VfL Bochum die damals schon übermächtigen Bayern im Halbfinale des DFB-Pokals 1967/68 sensationell, nur damit die später dann "Unabsteigbaren" im Finale gegen den 1. FC Köln sang- und klanglos untergehen.

Höher erlebte die goldenen Anfangsjahre der Bundesliga ebenso wie das "dunkle Mittelalter" rund um Schiebung, Bestechung und Bundesliga-Skandal. Er durchlebte Höhen und Tiefen, persönlich wie sportlich. Er erzählt von seinem "Zaubertrank", den er anfangs immer mit zu Spielen nimmt: eine Flasche, zwei Drittel Orangensaft, dazu Traubenzucker, dann mit Sekt aufgefüllt und einen Schuss Cognac dazu. Der Konsum muss wohldosiert vonstattengehen, sonst kehrt sich die beflügelnde Wirkung rasant um.

Höher ist eine Type. Eine, die zeigt, wie sich der Fußball im Allgemeinen und die Bundesliga im Speziellen im Lauf der Zeit verändert haben. Die einen sprechen von einer Weiterentwicklung, monetär und spieltechnisch ganz sicher. Die anderen trauern der guten alten Zeit nach, als man Bier und Bratwurst noch mit Kleingeld bezahlen konnte und nicht mit aufladbaren Plastikkarten.

Nun mag es Stimmen geben, die sagen: Hey, "Spieltage" gibt es doch schon seit ein paar Jahren im Handel! Das stimmt. Aber hier geht es um das von Christian Ulmen vortrefflich gelesene Hörbuch, das zudem passend zur WM in einer besonderen Fußball-Hörbuch-Reihe des Kultmagazins "11Freunde" erscheint. In meinen Augen ist "Spieltage" ein Muss für jeden Fußballfan, egal ob Eventfan, Traditionalist oder Nostalgiker - eben für all jene, die beim Thema Bundesliga ein gewichtiges Wörtchen mitreden wollen.

"Spieltage" bei Audible hören

Zlatan, der rastlose Schwede

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"Ich bin Zlatan" (OSTERWOLDaudio)

(Foto: OSTERWOLDaudio)

Reden. Kommunikation. Auf dem Platz ist das wichtig, ganz nach dem Motto: Nimm du ihn, ich hab ihn schon. Wären sich Heinz Höher und Zlatan Ibrahimovic auf dem Rasen einmal begegnet, es wäre kein Wort gefallen. Es gibt wohl kaum unterschiedlichere Typen als diese beiden. Das wird dem Zuhörer sofort klar, wenn man die Autobiografie "Ich bin Zlatan" hört.

Zlatan "Ibrakadabra" Ibrahimovic hat im Vereinsfußball so ziemlich alles erreicht - auf seine Art. Er passte sich nie an, er überwarf sich mit Barca-Starcoach Pep Guardiola, verehrt dafür "The Special One" Jose Mourinho. Unter dem Portugiesen kam "Ibra" ganz groß raus, wurde mit Inter mehrmals italienischer Meister.

Aber auch Mourinho konnte Zlatan nicht halten, denn der Schwede ist so rastlos wie kaum ein anderer aktueller Fußballprofi. Zlatan ist ein Getriebener seiner Zeit und da dreht sich im Fußball wenn nicht alles, dann doch zumindest vieles nur um eins: das liebe Geld. Wobei: Ibrahimovic ist auf seinen Marktwert bedacht, er kennt ihn auch und ärgert sich, wenn die gezahlte Ablöse oder auch sein Gehalt nicht dementsprechend ausfällt.

Aber Geld ist nicht alles für ihn: Er wächst in armen Verhältnissen im Brennpunktbezirk Malmös auf ("Mein Magen brüllte, Schmerzen, die ich nie vergessen werde."). Seine Mutter liebt er über alles, auch wenn sie das eine oder andere Mal den hölzernen Rührlöffel schwingt. Sein Vater ist früh "außer Haus", aber er bleibt in Ibras Leben ("mein Feiertags-Papa"). Der Junge klaut, in erster Linie Fahrräder, und eckt in nahezu jedem Fußballverein an, in dem er damals spielt: Er sei zu eigensinnig, heißt es.

Dennoch verdient sich Malmö FF bei Ibras Wechsel zu Ajax Amsterdam eine goldene Nase, stößt sich - hochverschuldet zuvor - wirtschaftlich gesund. Knapp 8 Millionen Euro fließen, für einen gerade 18-Jährigen. Was Ibra erst später erfährt: Bei Ajax ist er der Profi, der am wenigsten verdient. Das macht ihn sauer und er schwört, dass er sich bei Vertragsverhandlungen nie wieder unterbuttern lässt.

Bei Ajax kommt er nur leidlich klar, das Spielsystem sieht keinen eigensinnigen Stürmer vor. Zudem spielt er mit einem ebenfalls jungen Niederländer zusammen, der findet, dass sich alles im Verein nur um ihn drehen sollte: Rafael van der Vaart. Ibra und Rafa können sich auf Anhieb nicht ausstehen.

Also geht es nach Italien, zu Juventus für rund 18 Millionen Euro, danach zu Inter (die Zeit mit Mourinho) für fast 25 Millionen Euro und dann zu Barca. Insgesamt wird Ibra damals mit fast 70 Millionen Euro bewertet und ist damit der zweitteuerste Transfer nach Cristiano Ronaldo von Manchester United zu Real (kolportierte 100 Millionen Euro).

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Doch Guardiolas Spielsystem hofiert Lionel Messi. Mit dem hat Ibra kein Problem. Aber an Guardiola lässt er kein gutes Haar. Ibras Vorwurf: Pep sprach nicht mit ihm, ignorierte ihn, zeigte ihm die kalte Schulter. Also forciert der Schwede seinen Wechsel - es geht zu Milan und er lässt Barca bluten. Die Spanier bekommen nur einen Bruchteil der zuvor bezahlten Ablöse. Ibra wird mit Milan Meister.

Heute kickt der Schwede, der für seine extravaganten Tore bekannt ist, wie beim 4:4 der Schweden gegen Deutschland, in Los Angeles. Er ist noch immer kein einfacher Typ, leicht reizbar, fängt sich des Öfteren mal eine Rote Karte, rastet auf dem Platz auch noch aus. Aber das ist nur die eine Seite von Ibra. Die andere kennt vor allem seine Familie, die er über alles liebt und schützt. Und mal ehrlich: Braucht der Fußball nicht solche Typen? Lieber einen Zlatan im Team als einen Julian Draxler oder Robert Lewandowski - Ibra trifft zumindest in den entscheidenden Momenten der wichtigsten Spiele (fast immer).

"Ich bin Zlatan" bei Audible hören

Verrückte 90 Minuten

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Wolff-Christoph Fuss: "Diese verrückten 90 Minuten" (ABOD Verlag)

(Foto: ABOD Verlag)

Große Spiele? Dafür lebt auch Wolff-Christoph Fuss. Auch wenn man ihn nicht auf Bildern sofort erkennen sollte, hört man seine Stimme, klingelt es sofort: Reibeisen pur. Tagelanger Whisky-Konsum trifft Kettenraucher. Unverwechselbar. Einmalig. Und deshalb ist Wolff auch einer der beliebtesten Fußball-Kommentatoren der Republik. Logisch, dass er sein Buch "Diese verrückten 90 Minuten" selbst eingelesen hat.

Er hat klein angefangen, als Praktikant. Er war beim DSF, bei DF1, bei Sat1, Premiere und nun Sky. Er kommentierte Fußballspiele aus Brasilien live vor dem Monitor für ein zahlendes Publikum, das vernachlässigenswert klein war. Er begleitete mit seiner Stimme und Fachkompetenz aber auch die Partien, die sich als historisch herausstellen: Champions-League-Halbfinale Inter Mailand gegen Schalke 04 (2:5, Saison 2010/2011); "Finale dahoam" Bayern-Chelsea, Champions-League-Endspiel 2011/2012.

Er taucht in die jeweiligen Atmosphären der Spiele ein. Er saugt sie auf, wandelt sie in Worte und gibt dem TV-Zuschauer so die Möglichkeit, selbst vor Ort zu sein, am Stadionbier zu nippen, aufzuspringen sowie Tore und umstrittene Szenen zu bejubeln oder zu lautstark zu kritisieren. Für Fuss wurde der Slogan "Mittendrin statt nur dabei" eigentlich erdacht, möchte man meinen.

Und gerade bei der derzeitigen Weltmeisterschaft wird wieder deutlich: Es fehlen Kommentatoren wie er. Bela Rethy, Steffen Simon, Tom Bartels - die Granden des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind teilweise schon länger am TV-Mikro, als Angela Merkel Bundeskanzlerin ist. Und das will etwas heißen.

Wem die Zeit zwischen den WM-Spielen zu lang wird, kann sich mit den "11Freunde"-Fußballhörbüchern die Zeit perfekt verkürzten. Wer Zlatan nicht mag, greift einfach zu Per Mertesackers "Weltmeister ohne Talent" oder taucht in die Trainerzunft mit "Sir Alex" Ferguson, Carlo Ancelotti oder Jürgen Klopp ("Ich mag, wenn's kracht"). In diesem Sinne: Stell dir vor, es ist Fußball-WM, und keinen interessiert's ...

"Diese verrückten 90 Minuten" bei Audible hören

Quelle: n-tv.de

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