Unterhaltung
Raus aufs Land: Justin Timberlake.
Raus aufs Land: Justin Timberlake.(Foto: Sony Music)
Freitag, 02. Februar 2018

Hollywood meets Memphis: Justin Timberlake tanzt zwischen den Stühlen

Von Kai Butterweck

Mit seinem neuen Studioalbum "Man Of The Woods" will Justin Timberlake eine musikalische Brücke schlagen. Das groß angekündigte Aufeinandertreffen zwischen Hollywood und Memphis entpuppt sich jedoch als kleine Mogelpackung.

Als Speerspitze und Pin-up-Boy der US-amerikanischen Unterhaltungsbranche steht Justin Timberlake seit mehr als 15 Jahren unter Mach-mal-hier-mach-mal-da-und-immer-schön-lächeln-Dauerbeschuss. Gefressen und vereinnahmt von einer zwischen L.A. und New York operierenden Glitter-Industrie steht einer der letzten, großen One-Man-Show-Vertreter stets stramm, wenn es darum geht, den Post-MTV-Kids die neuesten Dance-Moves auf dem Silbertablett zu servieren. Gut vier Jahre nach dem Zünden seiner letzten musikalischen Erfolgsrakete "The 20/20 Experience - 2 of 2" sollen nun aber alle endlich mal ein bisschen durchatmen.

Tatsächlich lässt es Timberlake auf dem neuen Album etwas ruhiger angehen.
Tatsächlich lässt es Timberlake auf dem neuen Album etwas ruhiger angehen.(Foto: Sony Music)

Justin Timberlake zieht den Höher-schneller-weiter-Stecker. Der vielfache Grammy-Preisträger packt auf seinem neuen Studiowerk "Man Of The Woods" die Akustikklampfe aus und geleitet all seine Fans vor die Tore der Stadt, in der er vor mehr als drei Jahrzehnten aufgewachsen ist: Memphis, Tennessee. So wurde es zumindest breitbeinig angekündigt - von Country-Ikone Chris Stapleton, Balladen-Queen Alicia Keys, Justins Gattin Jessica Biel, den Regler-Gurus Timbaland und Pharrell Williams und natürlich auch vom Hauptprotagonisten selbst.

Führt uns Justin an der Nase rum?

Nach den ersten drei vorab präsentierten Singles stapeln sich beim Großteil der neugierigen Lauscher jedoch bereits die ersten Fragezeichen. Sicher, gemeinsam mit Chris Stapleton schickt Justin Timberlake einen netten Singer/Songwriter-Fingerschnipser ins Rennen ("Say Something"). Der elektronische Groover "Filthy" und der unaufgeregte Gegen-Rassismus-Trump-und-Grapscher-Filler "Supplies" hingegen haben mit dem Sound der musikalischen Quellen rund um den Mississippi nur wenig bis gar nichts zu tun. So liegt der Fokus nun auf dem seit heute erhältlichen Restmaterial von "Man Of The Woods".

Will uns der gute Justin nur an der Nase rumführen? Zog man in den 80ern tatsächlich mit einem Drumcomputer durch die Straßen von Memphis? Oder halten spannungsgeladene Songtitel wie "Flannel", "Montana", "Livin' Off The Land" und "The Hard Stuff" doch noch, was sie versprechen?

Plötzlich knarzige Gitarren

Das Album "Man Of The Woods" ist ab sofort erhältlich.
Das Album "Man Of The Woods" ist ab sofort erhältlich.(Foto: Sony Music)

Der Hörer spitzt die Ohren, lehnt sich zurück und lässt sich überraschen. Und man höre und staune: Nach funkigem Allerwelts-Tralala ("Midnight Summer Jam") kommen Justin Timberlake und die Herren Williams, Timbaland und Hugo (The Neptunes) doch tatsächlich mit einem dicken Sound-Ü-Ei um die Ecke ("Sauce"). Plötzlich schälen sich knarzige Gitarren aus den Boxen. Das grinsende Gesicht von Talking Heads-Mastermind David Byrne hüpft vor dem geistigen Auge auf und ab. Sehr schön. Gerne weiter so. Geht da vielleicht sogar noch mehr?

Der Titeltrack hat erstmal was dagegen. Alle Regler werden wieder runtergefahren. Blubbernder Gospel-R'n'B übernimmt das Kommando. Es folgen hibbelige Offbeat-Minuten ("Wave") und schunkelnder Karibik-Pop mit einer hüftwackelnden Alicia Keys ("Morning Light").

Zwischendurch drängeln sich die bereits bekannten Singles ins Rampenlicht. Justin klingt wieder wie Justin: aufgedreht, zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt pendelnd und mit feschen Sneakers auf der Pop-meets-Funk-meets-R'n'B-Überholspur brausend. Im "Flannel"-Hemd schleicht er nochmal kurz durchs Kornfeld. Dann ist Schluss. Zum Abschied gibt's noch eine chillige Prise Gute-Laune-Pop ("Young Man"). Timberlakes vermeintliche Roots-Rückkehr endet vor den Toren Hollywoods. Memphis ist knapp 3000 Kilometer entfernt.

Das Album "Man Of The Woods" bei Amazon bestellen oder bei iTunes downloaden

Bilderserie

Quelle: n-tv.de